Nicht nur Erwachsene leiden an Psoriasis. Auch Kinder. Und für diese ist es oftmals besonders schlimm, mit der Hauterkrankung umzugehen. Dies hat viele verschiedene Gründe. Jedoch liegt es zu großen Teilen an den Eltern, das eigene Kind im täglichen Umgang mit ihrer Schuppenflechte zu unterstützen. Was auch du tun kannst, erfährst du hier.

Kinder und Psoriasis

Bisher haben wir uns immer nur den erwachsenen Patienten gewidmet. Dabei trifft die Krankheit nicht nur auf diese Gruppe zu. Kinder leiden besonders an der Hautkrankheit. Wenn ein Elternteil an Psoriasis erkrankt ist, haben die Kinder eine ca. 30 Prozentige Chance, auch an der Hauterkrankung zu leiden. Sind beide Elternteile betroffen, so steigt das Risiko auf etwa 60 Prozent an. Die Chance, dass deine Kinder Psoriasis vererbt bekommen, ist also nicht gering. Und gerade Kinder leider sehr unter der Hauterkrankung. Dies liegt unter anderem daran, dass sie die Schuppenflechte nicht wirklich verstehen, dass diese juckt sowie schmerzt und nicht zuletzt, da andere Kinder sehr fies sein können. Sollte auch dein Kind betroffene Hautstellen aufweisen, bist du als Elternteil in der Pflicht. Denn du stellst die Weichen, wie deine Tochter oder dein Sohn damit umgehen. Wir haben im Folgenden acht Tipps gesammelt, wie du deinem Kind helfen kannst, mit der Diagnose Psoriasis umzugehen.

Acht Tipps, wie du dein Kind bei Psoriasis unterstützen kannst

1. Erkläre die Krankheit

Wichtig ist, dass dein Kind die Krankheit versteht. Und das nicht unbedingt im medizinischen Sinn. Viel wichtiger ist es, zu wissen, was die Krankheit ist, wo sie herkommt und dass sie auf keinen Fall ansteckend ist. Erkläre deinem Sprössling auch, wie die Krankheit funktioniert und dass es wichtig ist, die Haut immer gut zu pflegen. Um mehr Verständnis für Psoriasis zu erzeugen, kannst du zum Beispiel auch auf kindgerechte Literatur zurückgreifen. Emma schneit (Hier ansehen und bestellen) ist speziell für Kinder gedacht und hilft beim kompletten Kampf gegen die Hauterkrankung und sich selbst.

2. Gemeinsam über Gefühle sprechen

Der nächste Punkt klingt einfach und selbstverständlich. In der Praxis werden Psoriasis und die damit zusammenhängenden Gefühle der Kinder aber selten thematisiert. Daher nochmals explizit der Tipp: Sprich viel mit deinen Kindern über deren Gefühle im Kontext von Schuppenflechte. Studien zeigen, dass Kinder mit Hauterkrankungen oft unter sich bleiben, ein erhöhtes Risiko für Depressionen oder ein geringeres Selbstbewusstsein haben. Dies sind alles Punkte, die du mit deinem Kind durchsprechen solltest. Es reicht also nicht, deinem Kind das Gefühl zu geben, etwas Besonderes zu sein.

3. Übe mit deinem Kind eine Erklärung ein

Hilf deinem Kind, eine gute Erklärung für die Beschaffenheit der eigenen Haut parat zu haben. Wichtig ist, Psoriasis in wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen. Da ich selbst seit Kindesbeinen an der Hauterkrankung leide, weiß ich, wie wichtig es ist, auf Fragen von anderen Kindern, deren Eltern oder manchmal auch komplett Fremden, reagieren zu können. Dies stärkt auch das Selbstbewusstsein ungemein.

4. Gemeinsam belastende Situation durchgehen

Manchmal hilft es auch, belastende Situationen bereits vorab zu „üben“. Die Szenarios können entweder aus dem Alltag stammen oder durch ein kurzes Brainstorming hergeleitet werden. Stell z.B. Szenen nach, in welchen Mitschüler verletzende Kommentare über die Schuppenflechte machen. Dies steigert die Selbstsicherheit und hilft, auf Konfrontationen mit der eigenen Haut zu reagieren. Oftmals können so Situationen schnell entschärft werden, da „lediglich“ Unwissenheit hinter den konkreten Fragen steckt.

5. Ermutigen, die Komfortzone zu verlassen

Wer kennt es nicht? Viele Betroffene meiden das Schwimmbad ebenso wie den Sportverein. Und das alles nur, um die eigene Haut nicht zeigen zu müssen. Viele Betroffene berichten, dass sie sich ab und zu gewünscht hätten, den Mut zu haben, solche Aktivitäten trotzdem zu tun. Unterstütze deine Kinder dabei und ermutige sie, die eigene Komfortzone zu verlassen. Klar, es ist ein schmaler Grat zwischen zu sehr und zu wenig ermutigen. Wenn du aber das richtige Maß findest, wird dein Sprössling selbstbewusster und mutiger werden. Wichtig ist, dass du ihm – wie vorab beschrieben – Methoden beibringst, um Fragen und unangenehmen Situationen zu meistern.

6. Mit dem Lehrer sprechen

Daneben solltest du auch das Umfeld deines Kindes aktiv über das mögliche Ausmaß der Krankheit informieren. Viele wissen nicht, wie stark sich die Krankheit auf das gesamte Leben auswirken kann. Somit wird das Umfeld in vielen Fällen auch nicht das Verständnis aufbringen, um Psoriasis mit dem nötigen Fingerspitzengefühl anzugehen. Dabei spielt der Lehrer eine besondere Rolle im Leben deines Kindes. Gerade im Sport- und Schwimmunterricht, aber auch im Pausenhof und Klassenzimmer, entstehen immer wieder unangenehme Situationen. Kennt der Lehrer hier den Hintergrund, kann er entsprechend reagieren. Thematisierst du Psoriasis nicht, kann der Verdacht entstehen, dass dein Kind einfach ein schwieriger oder introvertierter Schüler ist.

7. Zeige Beispiele von bekannten Personen

Zeige deinem Kind, dass es nicht alleine mit den Hautproblemen ist. Es gibt viele Prominente, die trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Psoriasis bekannt sind. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Rapper, Fernsehstars, Models oder Sportler, die ihre Schuppenflechte nicht verstecken (mehr über Prominente mit Psoriasis). So erkennen deine Kinder, dass sie alles im Leben erreichen können. Sie müssen eben nur wollen.

8. Bilder ansehen

Die Natur ist schön. Aber auch unberechenbar und sicher nicht eintönig. Es gibt viele Beispiele von Tieren, die Punkte aufweisen. Oder Pflanzen, die durch ihre Beschaffenheit auffallen, trotzdem aber schön sind. Geh mit deinen Kindern raus, zeig ihnen die perfekt unperfekte Natur. Hilf, dass sich dein Sprössling mit etwas schönem vergleicht.

Auch Erwachsene können von den Tipps profitieren

Das waren nur einige Beispiele, wie du deine Kinder für das Leben mit Psoriasis rüsten kannst. Je besser vorbereitet und selbstbewusster sie mit der Hauterkrankung umgehen können, umso weniger wird die Schuppenflechte auch deren Leben beeinflussen. Vielleicht ist dir zudem aufgefallen, dass viele der Punkte auch auf dich und deine Partnerschaft angewendet werden können. Zum einen solltest du immer eine kurze Erklärung über deine Haut vorbringen können und dabei nicht lange überlegen müssen. Zum anderen ist es wichtig, über deine Gefühle zu sprechen. Was belastet dich besonders an deiner Erkrankung? Welchen Konflikt trägst du innerlich aus? Kläre das für dich und auch mit anderen. Nicht zuletzt ist dies wichtig, um Depressionen und sozialer Isolation vorzubeugen (mehr über Begleiterkrankungen bei Psoriasis). Ermutige dich aber auch immer, deine Komfortzone zu verlassen. Klar, am Anfang ist dies nicht leicht und erfordert mitunter eine große Überwindung. Wenn du dies aber einmal getan hast, wirst du dich merklich wohler fühlen. Dabei ist natürlich auch die Unterstützung deiner Freunde, Familie und deines Partners wichtig. Weihe sie also rechtzeitig in deine Hautgeschichte ein.

Das Fazit von Farbenhaut

Psoriasis ist erblich. Somit ist die Chance, dass nicht nur du, sondern auch deine Kinder darunter leiden, groß. Daher ist es sehr wichtig, deine Nachkommen auf die Krankheit und den Umgang mit Außenstehenden vorzubereiten. Je besser, intensiver und früher diese Vorbereitung stattfindet, umso größer ist die Chance, dass dein Kind diesbezüglich keine negativen Erfahrungen macht. Und wenn es doch einmal schwierig wird, hat deine Tochter oder dein Sohn das Selbstvertrauen, darüber hinwegzusehen. Das Gleiche gilt aber auch für dich. Wenn du die einzelnen Punkte befolgst, wird sich dein Umgang mit der Krankheit deutlich verbessern. Der größte Fehler, den du machen kannst, ist das ganze Thema tot zu schweigen. Dies macht es am Anfang vielleicht leichter, wird im Nachgang aber viele negative Folgen haben. Einer der Schlüssel, gut mit Psoriasis zu leben, ist also Kommunikation.

Und denk immer daran: Deine Mitmenschen kennen die Hauterkrankung nicht. Hilf, Psoriasis bekannter zu machen. Das Ziel von Farbenhaut ist es, Schuppenflechte in die Welt zu tragen. Das ist der Weg, den Umgang zu erleichtern und jedem Betroffenen das Gefühl zu geben, „normal“ zu sein. Um dies zu erreichen, ist aber noch viel Arbeit nötig. Auch brachen wir dazu dich. Hilf jetzt mit und erzähle deine Geschichte. Du wirst es nicht bereuen. Hier findest du Interviews anderer Betroffener.

Bernd

Bernd ist einer der beiden Gründer von Farbenhaut. Er leidet seit über 20 Jahren an Psoriasis, sieht die chronischen Hauterkrankung aber mit mehr Gelassenheit als noch vor ein paar Jahren (was ein hartes Stück Arbeit war). Nichtsdestotrotz ist es ihm ein großes Anliegen, Psoriasis einfacher und sozial akzeptierter zu machen.