Komorbiditäten bei Psoriasis Zusatzerkrankungen

Als ob Psoriasis als gut sichtbare Hauterkrankung nicht schon reichen würde. Oftmals kommen auch noch Zusatzerkrankungen – so genannte Komorbiditäten – hinzu. Vom bloßen Befall der Haut (die bekannten Plaques), über psychische Belastungen bis hin zu Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems kann eine Schuppenflechte vieles mit sich bringen. Welche Zusatzerkrankungen besonders häufig auftreten und was du dabei beachten solltest, erfährst du hier.

Bringt Psoriasis oftmals andere Krankheiten mit sich?

Bei Psoriasis handelt es sich um eine genetisch bestimmte, chronisch entzündliche Erkrankung (mehr über die Grundlagen erfährst du hier). Sie zeigt sich nach außen – je nach Form und Ausprägung der Hautkrankheit – in roten Stellen mit silbrigen Schuppen. Prinzipiell kann dabei der gesamte Körper betroffen sein. Die Schuppenflechte bringt aber oftmals auch eine ganze Reihe an anderen Erkrankungen mit sich. Professor Dr. Matthias Augustin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf konkretisiert hierzu: „Bei 70 Prozent der Psoriasis-Patienten liegt mindestens eine Komorbidität vor“. Laut Augustin ist auch die Rate an nicht erkannten Zusatzerkrankungen recht hoch. Da der Hautarzt meist die erste Anlaufstelle für Patienten mit Psoriasis darstellt, ist dieser für die Erkennung von Komorbiditäten besonders wichtig. Als Schlüsselfigur sollte dieser die gesamte Therapie planen, was im besten Fall auch das Abklären möglicher Begleiterscheinungen beinhaltet. Aber auch der Patient selbst sollte wissen, welche Krankheiten im Zusammenhang mit Schuppenflechte stehen.

Welche Krankheiten treten im Zusammenhang mit Psoriasis vermehrt auf

Grundsätzlich lassen sich die verschiedenen Begleiterkrankungen in drei Gruppen einteilen: Stoffwechselerkrankungen, Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems sowie psychische Erkrankungen. Bei Stoffwechselerkrankungen ist besonders die Diabetesrate erhöht. Dies ist bereits bei leichten Erscheinungsformen der Hautkrankheit der Fall. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für eine Insulinresistenz. Bei dieser kann der Blutzuckerspiegel nur noch schwer gesenkt werden. Auch Reizdarmerkrankungen, wie z.B. Morbus-Crohn, kommen bei Psoriatikern 3,5-Mal häufiger vor als bei Hautgesunden. Dazu kommt es vermehrt auch zu Fettstoffwechselstörungen, meist ausgelöst durch Übergewicht. Hierbei wird der Fetttransport im Körper gestört, so dass es oft zu einer Erhöhung der Blutfettwerte kommt. Dieser Umstand kann dann wieder Gefäß- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen. Bei Patienten mit Psoriasis sollte auch der Blutdruck immer im Auge behalten werden, denn „Komplikationen wie ein Myokardinfarkt treten bei Psoriasis-Patienten statistisch mehr als doppelt so häufig auf wie bei altersgleichen Personen ohne Psoriasis“, so Augustin weiter. Bei Psoriasis pustulosa ist zudem zu beobachten, dass die Aufnahme von Kalzium gestört ist. Oftmals leiden Patienten zusätzlich zur Hauterkrankung an Schilddrüsenproblemen.

Die Gefahr psychischer Erkrankungen steigt mit Psoriasis

Durch die sichtbare Hautveränderung sinkt bei vielen Psoriasis-Patienten auch das Selbstbewusstsein und im Gegensatz dazu steigt die Scham. Was in vielen Fällen mit einem Unwohlsein beginnt, steigert sich oftmals auch mit der Ausprägung der Hauterkrankung. Gerade im Gesicht, auf dem Kopf oder den Händen – also Stellen welche kaum verdeckt werden können – macht Psoriasis den Betroffenen zu schaffen. Dies führt zu einer erhöhten Gefahr für eine Depression. Selbst wenn die Haut am Abheilen ist, fühlen sich viele Betroffene depressiv. Mehrere Studien haben ergeben, dass Psoriasis-Patienten die eigene Lebensqualität in Bezug auf die psychische Belastung geringer einschätzen als Diabetiker sowie Personen mit Krebs oder Arthritis. Wow. Kein Wunder also, dass Psoriasis in einigen Fällen auch mit einer Depression einhergeht. Zudem kann Psoriasis einen sozialen Rückzug begünstigen, was wiederum Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat (diesen und weitere Fakten über Psoriasis erfährst du auch in diesem Artikel).

Mit Abstand die häufigste Komorbidität: Psoriasis Arthritis (PsA)

Die am häufigsten auftretende Begleiterkrankung hat sich sogar als eigene Psoriasis-Form etabliert. Diese zweifelhafte Ehre wird der Arthritis zu Teil. Ca. jeder fünfte Patient ist nicht nur von Schuppenflechte, sondern auch von Arthritis betroffen. Auch hier kann nicht von der Schwere der äußerlichen Erscheinung der Hauterkrankung auf das Risiko für eine Psoriasis Arthritis geschlossen werden. Ich habe mich mit einigen Patienten unterhalten, deren Haut komplett erscheinungsfrei war. Diese litten aber trotzdem unter Psoriasis Arthritis. Bei dieser Form der Erkrankung weitet sich die chronische Entzündung auch auf die Gelenke aus. Vorwiegend tritt sie an Händen, Füßen oder der Wirbelsäule auf. Schmerzen entstehen dabei durch entzündlich schmerzhafte Schwellungen von einzelnen Gelenken oder z.B. eines gesamten Fingers. Wenn du also Morgensteife, tiefsitzende Kreuzschmerzen oder Schwellungen und Schmerzen der Gelenke feststellst, solltest du dies unbedingt von einem erfahrenen Mediziner abklären lassen. Mehr Informationen zu Psoriasis Arthritis erhältst du von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.

Was ist für mich als Psoriasis-Patient wichtig

Wir stellen fest: Psoriasis ist viel mehr als eine Hauterkrankung. Hautgesunde, die sich noch nie mit dem Thema beschäftigt haben, aber auch Betroffene selbst, unterschätzen häufig die Auswirkungen. Und mit einem rein kosmetischen Problem hat Schuppenflechte nur wenig zu tun. Vielmehr ist sie eine Krankheit, die das gesamte Leben beeinflussen kann. Angefangen bei einer „Farbenhaut“ kann sich die Krankheit über die inneren Organe bis auf die Psyche auswirken. Meist merkst du das nicht sofort. Die Auswirkungen dieser Begleiterscheinungen können von der Beeinflussung der Lebensqualität bis hin zu bedrohlichen Erkrankungen reichen, die das Leben verkürzen. Da viele Komorbiditäten unerkannt bleiben, ist besonders der Hautarzt als erste Anlaufstelle vieler Betroffener sehr wichtig. Umso mehr schocken mich daher die Berichte von anderen Psoriasis-Patienten, welche zum Teil seit Jahren auf der Suche nach dem richtigen Arzt sind. Lange Wartezeiten, Enttäuschungen, fehlende Kompetenz und Zeit sind leider an der Tagesordnung bei Dermatologen. Auch ich habe bisher wenige Ärzte gefunden, die kompetent sind und sich auch Zeit für Patienten nehmen.

Zu guter Letzt: Was kann ich selbst bei all den Zusatzerkrankungen tun?

Das A & O ist, dass jeder Betroffene sich ein breites Wissen über die Krankheit und das ganze Drumherum aufbaut. Denn nur so kannst du deinem Gegenüber, sei es ein Arzt oder ein „Gaffer“, auf Augenhöhe begegnen. Gerade auf den Arztbesuch solltest du dich gut vorbereiten und Hinweise auf mögliche Begleiterkrankungen geben können. Gib dich nicht mit deinem Schicksal zufrieden und hoffe auf bessere Zeiten. Dafür ist das Leben viel zu schade, auch wenn es manchmal nur in eine Richtung zu gehen scheint: nach unten. Es geht alleine im deutschsprachigen Raum etwa 2 Millionen Menschen genauso wie dir. Wir von Farbenhaut wollen dir zeigen, dass Psoriasis auch schön sein kann. Daher starten wir bald unsere Interviewreihe, in der wir deine Geschichte veröffentlichen. Wenn du Lust hast, andere an deinem Leben teilhaben zu lassen und ihnen Mut zu machen, melde dich bei uns! Wir freuen uns. Und womöglich auch 1.999.999 andere Betroffene…