Krankheitssymptome, die durch Stress ausgelöst oder begünstigt werden. Und Stress, der durch die Beschwerden einer Erkrankung verstärkt wird. Diese Wechselwirkung von Haut und Psyche ist nahezu jedem Betroffenen von Psoriasis (Schuppenflechte) bekannt.

Ein Teufelskreis, den es der psychischen und physischen Gesundheit zuliebe aufzubrechen gilt.

Doch, wie durchbrichst du diese negativen Wechselwirkungen?

Und ist Stress tatsächlich die Ursache von Psoriasis – oder doch eher eine Folge?

Psoriasis – Die Ursachen

Allein in Deutschland stellen sich über zwei Millionen Betroffene die Frage nach den Ursachen ihrer Schuppenflechte. Bis heute haben Wissenschaftler und Mediziner jedoch keine eindeutige Antwort darauf.

Naheliegend erscheint ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung (Disposition) und persönlichen sowie umweltbedingten auslösenden Faktoren (sogenannte Trigger).

Eine erbliche Komponente, die zwar nicht die Krankheit selbst, aber die Neigung zu Psoriasis über die Gene weitergibt, ist in der Medizin nahezu unbestritten. Das allein scheint jedoch häufig nicht auszureichen, um eine Schuppenflechte auszulösen. In diesen Fällen begünstigen sogenannte Trigger (auslösende Faktoren) den Ausbruch der Hauterkrankung.

Organische Ursachen

Neben der genetischen Neigung (Disposition) zu Schuppenflechte, gibt es noch eine Reihe weiterer organischer Ursachen, die eine Psoriasis begünstigen, auslösen und/oder verschlimmern können.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Hautverletzungen,
  • Übergewicht,
  • belastende oder stark wechselnde klimatische Bedingungen,
  • Medikamente,
  • Infektionen und/oder
  • Hormonelle Schwankungen (wie Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre).

Psychische Ursachen

Medizinische Studien belegen immer wieder, dass starke psychische Belastungen und dauerhafte Stresssituationen zu einer Verschlechterung der Hauterkrankung Psoriasis führen.

So zeigen beispielsweise die persönlichen und auch ärztlichen Aufzeichnungen von Patienten zeitliche Überschneidungen von Stress und dem Ausbruch oder der Verschlechterung einer Schuppenflechte.

Anders herum berichten zahlreiche Patienten davon, dass eine deutliche Besserung ihres Hautbildes eintrat, nachdem sie es geschafft haben, Stress auslösende Faktoren und Situationen zu reduzieren. Auch ein bewusster Umgang mit Stress kann dabei helfen, die Schübe einer Schuppenflechte zu verzögern oder gänzlich zu reduzieren.

Teufelskreis: Psoriasis und Stress

Ei oder Henne? Was war zuerst da?

Ähnlich verhält es sich bei Schuppenflechte und Stress. Fragst du einen Dermatologen, dann wird er vermutlich beide der folgenden Aussagen bejahen können:

  • Schuppenflechte löst Stress aus.
  • Stress löst Schuppenflechte aus.

Stimmst auch du diesen beiden Aussagen zu?

Vertrauen wir auf die bisherigen Ergebnisse der Wissenschaft und den Erfahrungsberichten zahlreicher Patienten von Psoriasis, dann finden wir uns in einem komplexen Teufelskreis wieder.

Schuppenflechte als Ursache von psychischem Stress

Die meisten Betroffenen von Schuppenflechte leiden (zumindest am Anfang der Krankheit) besonders unter der Sichtbarkeit der Hauterkrankung. Stark gerötete Flecken, schuppige Hautpartien und der ständige Juckreiz, der sich nicht immer unterdrücken lässt – all diese äußeren Symptome wiegen schwer.

Die seelische Belastung der Patienten führt verständlicherweise zu negativen Emotionen, Trauer, Hilflosigkeit und nicht selten hin zu Depressionen. Menschen mit Schuppenflechte meiden aus Angst vor den Blicken der Mitmenschen häufig das soziale Leben, welches sie zuvor gewohnt waren zu führen.

Betroffene befürchten Ablehnung, distanzieren sich von ihren Mitmenschen, zweifeln am eigenen Selbstwert und flüchten im schlimmsten Fall in ein maßloses Essverhalten oder Alkoholismus.

Zusammengefasst verfällt der Patient, und somit auch sein gesamter Körper, in einen belastenden Zustand von Stress.

Psychischer Stress als Ursache von Schuppenflechte

Stress gilt bei Fachleuten als einer von vielen möglichen, auslösenden Faktoren für das erstmalige Auftreten einer Psoriasis oder auch für den Ausbruch weiterer Schübe. Dabei kann es sich um den alltäglichen Stress handeln, insofern dieser dauerhaft zu einem Begleiter deines Lebens wird, oder um den beruflichen sowie familiären Stress.

Mediziner raten Patienten mit Schuppenflechte dazu, eine Art Tagebuch zu führen. So soll dokumentiert und später nachvollzogen werden können, welche Situationen kurz vor einem neuen Schub der Krankheit vorlagen. Denn Betroffene sind sich oftmals gar nicht bewusst, wie stark psychischer Stress sich auf ihre Haut und die damit verbundene Erkrankung auswirkt.

Die klare Empfehlung der Ärzte lautet deshalb: Stress weitestgehend reduzieren und lernen, bewusst mit emotional belastenden Situationen umzugehen.

Banner Mediderm Farbenhaut

Anzeige

Vorurteile und Ablehnung – Es reicht!

Leider muss man sagen, dass Psoriasis auch heute noch nur wenig bekannt ist. Die Unwissenheit der Öffentlichkeit führt dazu, dass Menschen die Symptome von Schuppenflechte falsch deuten, eine Ansteckung befürchten oder den Betroffenen gar mangelnde Körperhygiene unterstellen.

Beinahe jeder Psoriatiker kennt den quälenden Juckreiz und die Tatsache, dass man sich selbst bei besten Vorsätzen das Kratzen nicht immer verkneifen kann. Unwissende Mitmenschen gehen deswegen häufig auf Distanz, bilden Vorurteile und zeigen damit bewusst oder unbewusst eine klare Form der Ablehnung.

Dieses zutiefst verletzende Handeln der Mitmenschen fügt dem Selbstwertgefühl der Betroffenen häufig starken Schaden zu. Auf die körperlichen Beschwerden der Schuppenflechte folgen enorme seelische Beschwerden.

Aufklärung – Es liegt in deiner Hand

Der einzig sinnvolle Weg ist Aufklärung. Jeder einzelne Betroffene kann dazu beitragen, dass die Öffentlichkeit Verständnis entwickelt. Je offener du mit den Menschen in deinem Umfeld über deine Erkrankung sprichst, desto eher wird deine Schuppenflechte zur Normalität.

Erkläre Familie, Freunden, Arbeitskollegen und auch zufälligen Bekanntschaften die Zusammenhänge, Symptome und die Wirkungsweise von Psoriasis. Insbesondere der Hinweis, dass Schuppenflechte nicht ansteckend ist, kann Wunder bewirken.

Der offene Umgang mit Hauterkrankungen wie Schuppenflechte zerstreut die Vorurteile, Ängste und nicht zuletzt die Ablehnung deiner Mitmenschen.

Psoriasis aus psychosomatischer Sicht

Die Wechselwirkung von körperlichen und seelischen Belastungen bei Patienten von Psoriasis ist auch Gegenstand zahlreicher Diskussionen und Studien im Bereich der Psychosomatik. Als Fachbereich der Medizin untersucht die Psychosomatik die Wechselwirkungen von psychologischen, biologischen und sozialen Bedingungen von diversen Erkrankungen.

Der Volksmund verweist durch zahlreiche Aussprüche auf die starke Verbindung von Haut und Psyche. So wird die Haut oft als „Spiegel der Seele“ bezeichnet, Dinge gehen einem „unter die Haut“, lassen einen „aus der Haut fahren“ oder „jucken einen nicht“.

Auch unsere Emotionen zeigen sich gerne auf oder durch unsere Haut. So lässt Scham uns beispielsweise erröten. Angst treibt uns gerne mal den Schweiß auf die Stirn. Und eine Gänsehaut ist ein eindeutiges Zeichen von Furcht.

Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bei Schuppenflechte

Aussagekräftige wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zusammenhänge und Wechselwirkungen von Haut und Psyche sind bis heute leider noch Mangelware. Als nachgewiesen gilt jedoch, dass Programme mit verhaltenstherapeutischem Fokus positiv zur Verbesserung der Hautsymptomatik beitragen.

So werden beispielsweise im Rahmen einer Psychotherapie verstärkt die seelischen Probleme behandelt, die mit einer Hauterkrankung einhergehen. Das Ziel ist dabei indirekt gleichzeitig die Verbesserung des Hautzustandes.

Neben Entspannungsmethoden und Tipps sind beispielsweise auch Stressmanagement und Selbstsicherheitstraining wichtige Bestandteile einer Psychotherapie bei Patienten mit Hauterkrankungen wie Psoriasis.

Teufelskreis durchbrechen – Tipps zum Umgang mit Psoriasis

Wenn es um das aktive Mitwirken an der Verbesserung deiner Schuppenflechte geht, müssen wir zwei Bereiche unterscheiden – Tipps für dein „Äußeres“ und Tipps für dein „Inneres“. Denn mittlerweile dürfte dir bewusst sein, dass es wenig zielführend ist, sich nur einer dieser beiden Ebenen zu widmen.

Tipps bei Schuppenflechte für dein „Äußeres“

  • Pflege – das A&O! Cremes, Salben, Lotionen und Shampoos zur äußerlichen Anwendung sind das Grundgerüst, um die äußeren Symptome zu reduzieren.
  • Enge Absprachen mit deinem Hautarzt – und folglich, falls notwendig, eine individuell abgestimmte Therapie mit Medikamenten und Wirkstoffen.
  • Sei offen für ergänzende Maßnahmen zur Behandlung von Psoriasis. Dazu zählen beispielsweise Lichttherapie, Klimatherapie oder Licht-Bade-Therapie.
  • Probiere im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes auch Hausmittel, wie Bäder, Öle und Wickel, sowie Homöopathie in Form von Globuli oder Tropfen aus.
  • Achte zudem auf die richtige Kleiderwahl bei Psoriasis. Vermeide enge und reibende Kleidung und setze stattdessen auf gemütliche und atmungsaktive Kleidung.

Tipps bei Schuppenflechte für dein „Inneres“

  • Wissen ist Macht! Informiere dich über deine Hauterkrankung – das schafft Selbstsicherheit.
  • Isolation und Rückzug belasten dich emotional und führen zu Stress. Akzeptiere dich, wie du bist, und gehe selbstsicher mit deiner Krankheit um.
  • Widme dich bewusst Entspannungstechniken und integriere sie in deinen Alltag. Autogenes Training und Yoga helfen dir, Stress vorzubeugen und zu reduzieren.
  • Rede es dir von der Seele. Der Austausch ist ein wichtiger Schritt zur Selbsthilfe – ganz gleich, ob mit anderen Patienten, deiner Familie oder einem Psychologen.

Körper und Geist sind eine Einheit. Erkrankt ein Teil dieser Einheit, leidet auch der andere Teil und umgekehrt. Versuche daher, stets sowohl die äußeren als auch die inneren Anzeichen und Warnsignale deiner Erkrankung zu erkennen.

Schuppenflechte geht auf die Psyche

Wissenschaftlich sind die einzelnen Zusammenhänge und Wechselwirkungen leider noch nicht ausreichend erforscht und nachgewiesen. Dass unsere Haut und unsere Psyche jedoch in einem stark voneinander abhängigen Verhältnis stehen, ist sowohl Patienten als auch Medizinern bewusst.

Die äußeren Symptome von Psoriasis belasten die Patienten häufig sehr stark. Insbesondere die Angst vor Ablehnung in der Öffentlichkeit spielt hierbei eine große Rolle. Der dadurch entstehende Stress wirkt sich jedoch oftmals zusätzlich negativ auf die bereits vorliegende Hauterkrankung aus, was sich erneut in äußeren Symptomen zeigt. Und so nimmt der Kreis kein Ende.

Niemand kennt dein Leben und insbesondere dein emotionales Innenleben so gut wie du. Daher liegt es in deiner Hand, zum einen deinen persönlichen Stress zu reduzieren und zum anderen offen mit deinem Umfeld über deine Schuppenflechte zu sprechen und so Verständnis zu erzeugen.

Leidest auch du innerlich unter der Sichtbarkeit deiner Schuppenflechte? Der Austausch mit anderen Patienten ist ein erster guter Schritt, um deine persönliche Geschichte zu erzählen. In unserer Facebookgruppe kannst du viele Gleichgesinnte kennenlernen, dir hilfreiche Tipps holen und dich von anderen Erfahrungsberichten motivieren und inspirieren lassen!

FAQ zu Psoriasis und Psyche

Welche psychosomatischen Krankheiten gibt es?

Psychosomatische Erkrankungen können laut medizinischer Definition nicht oder nicht vollständig körperlich erklärt werden. Demnach beeinflussen psychische oder soziale Faktoren die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung zumindest teilweise. Zu psychosomatischen Erkrankungen zählen beispielsweise Schlafstörungen, Essstörungen (wie Magersucht, Bulimie, Esssucht), Herz-Angst-Neurosen, Schmerzerkrankungen (wie Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen), Reizdarm oder Tinnitus.

Ist Psoriasis ansteckend?

Psoriasis (Schuppenflechte) ist nicht ansteckend. Es handelt sich hierbei um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die zum einen durch eine genetische Disposition (Veranlagung) und zum anderen durch äußere und innere auslösende Faktoren (sogenannte Trigger) ausbricht. Schuppenflechte ist bis dato nicht heilbar, die moderne Medizin ermöglicht heute jedoch zahlreiche erfolgversprechende Ansätze für eine langfristige Therapie und Behandlung. Bis heute ist es nicht möglich, vorauszusagen, ob, in welchem Ausmaß und in welcher Form Psoriasis bei einem Patienten ausbricht.

Was versteht man unter psychosomatischen Erkrankungen?

Als Fachbereich der Medizin beschäftigt Psychosomatik sich insbesondere mit den Wechselwirkungen von psychologischen, biologischen und sozialen Bedingungen von Krankheiten. Psychosomatik verfolgt den Ansatz, dass Körper und Geist im Gleichgewicht stehen und als Einheit fungieren. Demnach kann eine körperliche Erkrankung das seelische Wohlbefinden eines Menschen stark negativ beeinflussen. Gleiches gilt jedoch auch umgekehrt.

Hängen Schuppenflechte und psychische Erkrankungen zusammen?

Studien zeigen, dass Menschen mit Psoriasis doppelt so häufig von psychischen Erkrankungen, wie z.B. Depressionen, betroffen sind. Solltest du also unter Schuppenflechte leiden, achte immer auch auf psychische Einflussfaktoren. Zudem kann es sinnvoll sein, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Hier klicken, dann findest du alle Quellenangaben

Quellen:

Devrimci-Ozguven H., Kundakci T.N., Kumbasar H., et al. (2000): „The depression, anxiety, life satisfaction and affective expression levels in psoriasis patients“, in: Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11204514 (Zugriff am 05.12.2019)

Evers A.W., Verhoeven E.W., Kraaimaat F.W., de Jong E.M., de Brouwer S.J. (2010): „How stress gets under the skin: cortisol and stress reactivity in psoriasis“, in: The British journal of dermatology. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20716227 (Zugriff am 05.12.2019)

França K., Jafferany M. (Hrsg.) (2016): „Stress and Skin Disorders: Basic and Clinical Aspects“. Springer Verlag.

Kimball A.B., Jacobson C., Weiss S., Vreeland M.G., Wu Y. (2005): „The psychosocial burden of psoriasis“, in: American journal of clinical dermatology. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16343026 (Zugriff am 05.12.2019)

Picardi A., Abeni D. (2001): „Stressful life events and skin diseases: disentangling evidence from myth“, in: Psychotherapy and psychosomatics. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11340413 (Zugriff am 05.12.2019)

Verhoeven E.W., Kraaimaat F.W., de Jong E.M., Schalkwijk J. et al. (2009): „Individual differences in the effect of daily stressors on psoriasis: a prospective study“, in: The British journal of dermatology. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19438455 (Zugriff am 05.12.2019)

Zachariae R., Zachariae H., Blomqvist K., Davidsson S. et al. (2004): „Self-reported stress reactivity and psoriasis-related stress of Nordic psoriasis sufferers“, in: Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14678528 (Zugriff am 05.12.2019)