Carla ist Ende 30, verheiratet, Polizistin und Beamtin auf Lebenszeit. Soweit so gut. Wäre da nicht nur die Schuppenflechte, welche gerade ihren Job manchmal zur wahren Herausforderung macht. Aber auch ihr Privatleben leidet, vor allem wenn sie wieder einmal einen schlechten Tag hat.

Die neue Interview-Reihe mit Psoriasis-Betroffenen: Skinfluencer

Es ist wieder soweit! Ein weiteres Interview in unserer Reihe „Skinfluencer“ erscheint. Im Mittelpunkt stehen dabei immer ganz normale Schuppenflechte-Patienten – so wie du und ich. Zukünftig werden in regelmäßigen Abständen bei Farbenhaut Interviews mit Leidensgenossen erscheinen – zusätzlich zu informativen Berichten und anderen Specials. An dieser Stelle bedanken wir uns bei Carla für das heutige Interview. Sie war mutig und teilt hier ihre Geschichte. Unsere bisherigen Interviews findest du übrigens an dieser Stelle.

Das Interview mit Carla

1. Willst du dich kurz vorstellen und uns etwas zu deinem bisherigen Krankheitsverlauf erzählen?

Ja, klar. Ich bin Carla, mittlerweile stolze 38 Jahre alt. Seit einigen Jahren bin ich glücklich verheiratet, mein Mann und ich haben uns aber gegen Kinder entschieden. Zumindest bisher. Ich bin Polizistin und ein paar Mal die Woche auf Streife. In meiner Freizeit muss ich mich daher etwas fit halten und versuche gesund zu leben und viel Sport zu treiben. Der Erfolg ist mal mehr mal weniger zu sehen. Seit ca. acht Jahren leide ich an Psoriasis und habe seit einigen Monaten starke Gelenkschmerzen. Da ich wirklich Angst vor PsA habe, habe ich mich bisher nicht zum Arzt getraut.

2. Was hat sich bei dir seit dem Ausbruch der Krankheit verändert?

Tatsächlich vieles. Ich bin nicht mehr so locker wie in der Zeit davor. Versuche, lange Kleidung zu tragen und meine Haut so gut es geht, zu bedecken. Ich muss dazu sagen, dass vor allem meine Ellenbögen und mein Rücken betroffen sind. Auch in der Arbeit gehe ich als Letzte zum Duschen oder verstecke meine Haut. Aber durch die starke Belastung in meinem Job ist meine Haut oft offen und tut ziemlich weh.

3. Welche Therapien hast du bereits ausprobiert und was wurde daraus?

Ich habe bereits viele Cremes mit Kortison durch. Die waren ganz ok, aber direkt nach dem Absetzen kam alles wieder zurück. Auch Fumaderm habe ich ein halbes Jahr ausprobiert, aber aufgrund schlechter Leberwerte absetzen müssen. Auch eine zwischenzeitliche Kur hat mir gut geholfen, jedoch kam die Schuppenflechte wieder zurück, so schnell konnte ich gar nicht gucken. Ansonsten experimentiere ich viel mit der Ernährung.

4. Welche Tipps und Tricks kannst du allgemein an andere Betroffene weitergeben?

Boah, das ist schwierig. Versuch, die Krankheit zu akzeptieren. Lebe mit ihr, nicht gegen sie (auch wenn ich das selbst nicht immer schaffe). Lass Schuppenflechte nicht deinen Alltag bestimmen, auch wenn es manchmal schwierig ist. Was mir hilft, ist mich zu vernetzen. Ich habe zwar keine Freunde mit PsO, aber bin in einem Forum aktiv.

5. Was war dein positivstes, was dein negativstes Erlebnis im Zusammenhang mit Schuppenflechte?

Positiv sind eigtl. immer wieder die schönen Momente mit meinem Mann, der mich so nimmt, wie ich bin. Auch habe ich in meinem Freundeskreis immer ermutigende Worte erfahren. Das ist schön und stärkt das Selbstvertrauen. Zudem ist meine Familie ein großer Rückhalt.
Negativ sind die ganzen Blicke im Beruf. Sei es Kollegen oder Bürger. Das tut schon ganz schön weh. Aber gerade in meinem Beruf ist das irgendwo auch verständlich. Was mich zudem noch sehr belastet ist, dass egal wo ich hingehe, mein Stuhl immer weiß zurückbleibt.

6. Was läuft deiner Meinung nach derzeit im Umgang mit Psoriasis falsch?

Auch eine schwierige Frage. Ich denke, dass Hautärzte zu sehr auf die Schulmedizin schauen und nicht umfassend genug beraten. Auch kennen Psoriasis noch viel zu wenige, weil sich die Betroffenen immer verstecken bzw. verstecken müssen. Das sollten wir schnellstmöglich ändern.

7. Was würdest du zu Jemandem sagen, der kürzlich die Diagnose Psoriasis bekommen hat?

Kopf hoch, schau nach vorne. Mit Psoriasis lebt es sich eigentlich ganz gut. Sprich mit deiner Familie und Freunden viel, das tut gut und stärkt das Selbstvertrauen.

8. Welche Themen bzw. Schwerpunkte würdest du dir zukünftig bei Farbenhaut wünschen?

Ernährung, Therapieformen die ich noch nicht kenne, weitere Interviews.

Du möchtest auch deine Geschichte teilen?

Nun bist du an der Reihe! Hilf mit, Psoriasis vom fauchenden Löwen zum zahmen Kätzchen zu machen. Mach anderen Mut, offener und selbstbewusster mit der eigenen Krankheit und dem eigenen Körper umzugehen. Verrate deine Tricks, was dich zum Lachen oder zum Verzweifeln bringt. Und wie Willy Brandt schon zu sagen pflegte: „Der beste Weg die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“. Hilf also auch du mit, die Geschichte von Psoriasis neu zu schreiben und erzähle mindestens zwei Millionen Betroffenen im deutschsprachigen Raum deine Story.

Bernd

Bernd ist einer der beiden Gründer von Farbenhaut. Er leidet seit über 20 Jahren an Psoriasis, sieht die chronischen Hauterkrankung aber mit mehr Gelassenheit als noch vor ein paar Jahren (was ein hartes Stück Arbeit war). Nichtsdestotrotz ist es ihm ein großes Anliegen, Psoriasis einfacher und sozial akzeptierter zu machen.