Bei Psoriasis-Patienten ist Kortison nur selten beliebt. Viel zu groß ist die Angst vor Nebenwirkungen, die der Stoff im und am Körper ohne Zweifel auslösen kann. Doch woher kommt dieses fehlende Vertrauen? Und ist die Angst auch im Jahr 2017 noch begründete? Wir haben uns schlau gemacht und können viele Vorurteile, die in unseren Köpfen stecken, nicht bestätigen. Lies hier, wie gefährlich Kortison ist und wie du es anwenden kannst.

Was genau ist Kortison und wie wirkt es

Kortison (oder Cortison) wird im Körper eines jeden Menschen produziert und ist folglich in jedem menschlichen Organismus zu finden. 1936 gelang es Forschern zum ersten Mal, diesen in der Nebennierenrinde produzierten Stoff zu isolieren. Etwa zehn Jahre später klappte es auch, den Wirkstoff chemisch herzustellen. Ab diesem Zeitpunkt begann so etwas wie der Siegeszug von Kortison. Die Wirkung wird seitdem besonders bei schweren Entzündungen genutzt. Die aktive Form des Kortison ist das Cortisol, welches dafür sorgt, dass in stressigen Situationen viel Energie geliefert wird. Dabei verstärkt sich dann auch der Abbau von Eiweiß und Fetten.

Entzündungen sind Reaktionen, die sich gegen das Immunsystem deines Körpers richten

Dies führt wiederum zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Weiterhin greift der Stoff in die Aktivitäten der weißen Blutkörperchen ein. Neben dem Bekämpfen von Krankheitserregern lösen diese auch Entzündungen aus. Wusstest du, dass Entzündungen Reaktionen sind, bei denen sich das Immunsystem gegen deinen Körper richtet? Da die allseits bekannten roten Hautstellen bei Schuppenflechte nichts anderes als Entzündungen sind, wirkt das Medikament an dieser Stelle.

Welche Nebenwirkungen können bei Kortison entstehen?

Dabei traten gerade in den 70iger Jahren viele Nebenwirkungen in Zusammenhang mit Kortison auf, die Schlagzeilen machten. Schwere Nebenwirkungen erzeugten dabei vor allem Tabletten, die in hoher Dosis und langfristig verabreicht wurden. Heute sind dagegen eher Cremes, Geles und Salben, welche auf die Haut aufgetragen werden, in Gebrauch. Und dies in deutlich schwächerer sowie kleinflächiger Anwendung. Bei kurzfristiger lokaler Nutzung musst du dir in der Regel also keine Sorgen machen. Nichtsdestotrotz können auch so Nebenwirkungen auftreten. Generell gilt folgende Regel: Bei lokaler Anwendung treten Nebenwirkungen auch nur an der Stelle auf, an der du Kortison verwendest. Bei Spritzen und Tabletten, also der systemischen Nutzung, verteilt sich das Hormon im gesamten Körper und kann hier Nebenwirkungen erzeugen.

Wie begründet ist die Angst vor Nebenwirkungen?

Die große Skepsis, die bei vielen schon der Name Kortison auslöst, geht somit vor allem auf die negativen Therapieerfahrungen zwischen 1970 und 1980 zurück. Zu den bekannten Nebenwirkungen einer längerfristigen Nutzung zählen Übergewicht, Bluthochdruck, Beeinträchtigung der Leber und Nieren, Diabetes oder auch Osteoporose. Da Kortison das Immunsystem schwächt, können auch vermehrt Infekte auftreten. In den 70iger Jahren wurde zudem besonders das Cushing-Syndrom zum Sinnbild für die Gefahr (mehr darüber findest du hier ), die von Kortison ausgeht. Dabei bildet sich die Muskulatur deutlich zurück, wobei vor allem am Nacken, Rumpf und im Gesicht vermehrt Fettgewebe angesetzt wird. Der schlechte Ruf ist bis heute geblieben, obwohl sich der Wirkstoff und die Anwendung deutlich weiterentwickelt haben.

Die richtige Anwendung von Kortison ist bei Psoriasis das Wichtigste

Um Nebenwirkungen vorzubeugen, sollten Kortison-haltige Arzneimittel nur wenige Wochen am Stück angewendet werden. Der äußerliche Einsatz auf der Haut sollte sich auf ein bis zwei Mal pro Tag beschränken, um dem Risiko von Nebenwirkungen vorzubeugen. Immer nach dem Auftragen solltest du dir die Hände waschen, damit sich das Medikament nicht in die Augen verirrt. Denn im gesamten Gesichtsbereich sowie in Hautfalten sollte Kortison nur mit äußerster Vorsicht aufgetragen werden. Dazu kommt, dass der mögliche Effekt, welcher sich durch die Anwendung einstellt, erst etwas schleichend, nach einigen Tagen, eintritt. Daher ist es beim Absetzen von Kortison auch schlau, dieses langsam ausschleichen zu lassen, anstatt es direkt abzusetzen. Dieses Vorgehen ermöglicht einen längerfristigen Effekt.

Unsere Empfehlung bei der Behandlung von Psoriasis mit Kortison

Unsere Meinung zu Kortison ist ganz klar: Für eine kurze, akute Therapie sind Salben oder Cremes durchaus geeignet. Da sich keine Langzeiteffekte einstellen und nur eine kurze Linderung in Sicht ist, sollte das Medikament jedoch nur begrenzt eingesetzt werden und die Anwendung wenige Wochen nicht übersteigen. Kortison kann darüber hinaus unterstützend bei anderen Therapieformen wirken. So können systemische Therapien, wie z.B. mit Fumaderm (hier findest du unseren Erfahrungsbericht), zu Beginn äußerlich beschleunigt werden. Da der Leidensdruck bei Psoriasis oftmals sehr hoch ist, solltest du dies mit in deine Überlegungen einbeziehen. Darüber hinaus berichten viele Patienten, dass Kortison in der Schulmedizin viel zu schnell und ungezielt eingesetzt wird. Ärzte nehmen sich für die Patienten kaum Zeit und verschreiben das Medikament nach äußerst kurzer Diagnose und Aufklärung – meist ohne begleitende Maßnahmen.

Bei einer langfristigen, hochdosierten Therapie mit Kortison solltest du engen Kontakt zum Arzt halten und schon bei kleinsten Anzeichen oder Veränderungen reagieren. Ähnliches gilt bei Kortison, welches in Spritzen- oder Tablettenform verabreicht wird. Da dies im ganzen Körper wirkt, können auch verstärkt Nebenwirkungen auftreten. Jedoch ist die große Angst vor Kortison in den meisten Fällen unbegründet und stammt aus vergangenen Tagen. Wenn das Medikament gezielt eingesetzt wird, kann es seinen Beitrag leisten, die Krankheit in den Griff zu bekommen. Aber wie gesagt: Nicht zu lange und bei fehlender Begleittherapie wird sich kein Langzeiteffekt einstellen.

Was denkst du über Kortison? Als Psoriasis-Betroffener ist die Chance ja relativ hoch, dass du schon in Kontakt mit Kortison gekommen bist. Erzähle uns deine Erfahrungen und werde jetzt Teil von Farbenhaut.

Bernd

Bernd ist einer der beiden Gründer von Farbenhaut. Er leidet seit über 20 Jahren an Psoriasis, sieht die chronischen Hauterkrankung aber mit mehr Gelassenheit als noch vor ein paar Jahren (was ein hartes Stück Arbeit war). Nichtsdestotrotz ist es ihm ein großes Anliegen, Psoriasis einfacher und sozial akzeptierter zu machen.