Der Wirkstoff Kortison zeigt gute Erfolge bei der Behandlung von entzündlichen Erkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte, rheumatoider Arthritis, Asthma und Darmerkrankungen. Gleichzeitig erzeugt Kortison Misstrauen. Denn bei vielen Patienten ist die Angst vor Nebenwirkungen groß, die Cortison im und am Körper ohne Zweifel auslösen kann.

Wie gefährlich ist Kortison (oder Cortison)? Welche Nebenwirkungen kann Kortison haben? Was musst du bei der Anwendung von Kortison beachten? Wann ist eine Behandlung mit Kortison empfehlenswert?

Wir haben uns schlaugemacht und können viele Vorurteile, die in unseren Köpfen stecken, nicht bestätigen.

Was genau ist Kortison und wie wirkt es?

Kortison/Cortison gehört zu der Medikamentengruppe der Glukokortikosteroide. Weitere Wirkstoffe dieser Gruppe sind beispielsweise Betamethason, Mometason oder Prednisolon.

Cortison wird im Körper eines jeden Menschen produziert und ist folglich in jedem menschlichen Organismus zu finden.

1936 gelang es Forschern zum ersten Mal, diesen in der Nebennierenrinde produzierten Stoff zu isolieren. Etwa zehn Jahre später schafften sie es, den Wirkstoff chemisch herzustellen. Ab diesem Zeitpunkt begann der Siegeszug von Cortison.

Mediziner nutzen die Wirkung seitdem bei schweren Entzündungen und entzündlichen Krankheiten. Die aktive Form des Cortisons ist das Cortisol, welches dafür sorgt, dass in stressigen Situationen viel Energie geliefert wird. Dabei kommt es verstärkt zum Abbau von Eiweiß und Fetten und zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel.

Cortison weist je nach Erkrankung verschiedene Wirkungen auf:

  • es hemmt Entzündungen,
  • verlangsamt beschleunigte Zellteilung oder
  • unterdrückt allergische Reaktionen.

Weiterhin greift der Stoff in die Aktivitäten der weißen Blutkörperchen ein. Neben dem Bekämpfen von Krankheitserregern lösen diese auch Entzündungen aus.

Kortisonpräparate und die Stärke ihrer Wirkung

In der Medizin kommen über 30 verschiedene Kortisonpräparate bei einer lokalen Therapie von Erkrankungen zum Einsatz. Die Unterschiede liegen in der Stärke der Wirkung. Im Allgemeinen gibt es vier Stufen:

  • schwache Kortikosteroide (wie Hydrokortison oder Prednisolon),
  • mittelstarke Kortikosteroide (wie Prednicarbat, Methylprednisolon oder Triamcinolon),
  • starke Kortikosteroide (wie Betamethason oder Mometason) und
  • sehr starke Kortikosteroide (wie Clobetasol).

Ausschlaggebend für die Wirkung von Kortison ist die Dosierung der Medikamente und die Hautstelle, auf die der Patient das Arzneimittel aufträgt.

Grundsätzlich ist Cortison rezeptpflichtig. Hydrokortison stellt eine Ausnahme dar. Cremes, Salben und Lotionen mit diesem schwach dosierten Wirkstoff kannst du ohne Rezept in der Apotheke kaufen. Deiner Haut zuliebe solltest du die Anwendung von Hydrokortison dennoch vorher mit deinem Hautarzt besprechen, um das Risiko von Nebenwirkungen zu reduzieren.

Eine solche Stresssituation für den Körper sind Entzündungen, wie beispielsweise die allseits bekannten roten Hautstellen bei Schuppenflechte.Entzündungen sind Reaktionen, die sich gegen das Immunsystem deines Körpers richten. An diesem Punkt von Erkrankungen setzt Kortison an.

Zum Einsatz kommt Cortison häufig bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Ekzeme und Psoriasis, aber auch bei Krankheiten wie Rheuma, Asthma und Allergien. Viele Mediziner und Wissenschaftler sagen, dass Cortison mit Abstand das wirksamste antientzündlich wirkende Medikament auf dem Markt ist.

Welche Nebenwirkungen können bei Kortison entstehen?

In den 70er Jahren traten viele Nebenwirkungen in Zusammenhang mit Cortison auf, die Schlagzeilen machten. Schwere Nebenwirkungen erzeugten vor allem Tabletten mit dem Wirkstoff Cortison, die in hoher Dosis und langfristig Anwendung fanden.

Heute sind dagegen eher Cremes, Gels und Salben in Gebrauch, welche die Patienten auf die Haut auftragen. Und dies in deutlich schwächerer Dosis sowie kleinflächiger Anwendung. Bei kurzfristiger lokaler Nutzung von Cortison musst du dir in der Regel keine Sorgen machen.

Nichtsdestotrotz besteht das Risiko von Nebenwirkungen. Generell gilt folgende Regel: Bei lokaler Anwendung treten Nebenwirkungen an der Stelle auf, an der du Medikamente wie Cortison verwendest. Bei Spritzen und Tabletten, also dem systemischen Einsatz, verteilt sich das Hormon im gesamten Körper und kann hier Nebenwirkungen erzeugen.

Begründete Angst vor Nebenwirkungen?

Die große Skepsis, die bei vielen schon der Name Kortison auslöst, geht somit vor allem auf die negativen Therapieerfahrungen zwischen 1970 und 1980 zurück.

Zu den bekannten Nebenwirkungen einer längerfristigen Anwendung zählen beispielsweise:

  • Übergewicht,
  • Bluthochdruck,
  • Beeinträchtigung der Leber und Nieren,
  • Diabetes oder auch

Da Kortison das Immunsystem schwächt, können vermehrt Infekte auftreten.

In den 70er Jahren wurde zudem besonders das Cushing-Syndrom zum Sinnbild für die Gefahr, die von Kortison ausgeht. Dabei bildet sich die Muskulatur deutlich zurück, wobei vor allem am Nacken, Rumpf und im Gesicht vermehrt Fettgewebe angesetzt wird.

All diese Nebenwirkungen von Kortison sind nicht von der Hand zu weisen. Und sie bergen weitreichende Konsequenzen für deine Gesundheit.

Der ausschlaggebende Punkt ist, dass diese Nebenwirkungen vermehrt in den frühen Jahren der Behandlung mit Kortison aufgetreten sind. Das ignorieren viele Menschen.

Der Grund ist schnell erklärt. Die Wissenschaft und Medizin damals wussten es nicht besser. Daher haben sie es „zugelassen“, dass Patienten Kortison oftmals zu lange, zu häufig und in einer viel zu hohen Dosis eingenommen haben.

Heute sind der wissenschaftliche und der medizinische Wissensstand sowie die Präparate viel weiter in der Entwicklung. Der schlechte Ruf ist bis dato geblieben.

Kortison – die richtige Anwendung

Um Nebenwirkungen vorzubeugen, sollten Betroffene Kortison-haltige Medikamente nur wenige Wochen am Stück verwenden. Der äußerliche Einsatz bei Erkrankungen auf der Haut sollte sich auf ein bis zwei Mal pro Tag beschränken, um dem Risiko von Nebenwirkungen vorzubeugen.

Nach dem Auftragen solltest du dir die Hände waschen, damit das Medikament beispielsweise nicht in die Augen gelangt. Denn im gesamten Gesichtsbereich sowie in Hautfalten sollte Kortison nur mit äußerster Vorsicht aufgetragen werden.

Die Wirkung der Behandlung lässt sich nicht vorhersagen. Sie kann nach wenigen Tagen, aber auch erst nach mehreren Wochen einsetzen.

Vergiss nicht, deine Haut während einer Behandlung mit Cortison weiterhin mit genügend Feuchtigkeit zu versorgen. Dies gilt insbesondere bei Betroffenen von entzündlichen Hauterkrankungen wie Psoriasis. Zwischen dem Auftragen von Cortison und den Produkten deiner Basis-Hautpflege solltest du nach Möglichkeit eine Pause von mindestens 15 Minuten einlegen.

Kortison bei Psoriasis

Unsere Meinung zu Kortison bei Psoriasis ist klar: Für eine kurze, akute Therapie von Erkrankungen wie Schuppenflechte ist Kortison durchaus geeignet.

Ein Langzeiteffekt ist jedoch nicht zu erwarten. Patienten sollten lediglich eine kurze Linderung erwarten. Der Einsatz des Arzneimittels sollte aus diesem Grund begrenzt stattfinden und die Anwendung wenige Wochen nicht übersteigen.

Bei akuten Schuppenflechte-Schüben verschreiben Ärzte beispielsweise häufig den Wirkstoff Mometason. Durchschnittlich drei Wochen lang trägst du das Cortison ein- bis zweimal täglich auf die betroffenen Hautstellen auf. Schrittweise reduzierst du die Behandlung.Beispielsweise indem du in der vierten und fünften Woche der Therapie das Cortison nur noch alle zwei oder drei Tage anwendest.

Kortison kann darüber hinaus unterstützend bei anderen Therapieformen wirken. So kann eine systemische Therapie, wie beispielsweise mit Fumaderm,zu Beginn äußerlich beschleunigt werden. Da der Leidensdruck bei Psoriasis oftmals sehr hoch ist, solltest du dies mit in deine Überlegungen einbeziehen.

Darüber hinaus berichten viele Patienten, dass Mediziner Cortison im Rahmen der Schulmedizin viel zu schnell und ungezielt bei Krankheiten verordnen. Ärzte nehmen sich für die Patienten kaum Zeit und verschreiben das Medikament nach äußerst kurzer Diagnose und Aufklärung – meist ohne begleitende Maßnahmen.

Bei einer langfristigen, hoch dosierten Therapie von Schuppenflechte mit Cortison ist ein enger Kontakt zum Arzt wichtig. Bei kleinsten Anzeichen von Nebenwirkungen durch Cortison oder sonstigen Veränderungen solltest du sofort reagieren und deinen Hautarzt kontaktieren.

Ähnliches gilt bei Cortison, welches in Spritzen- oder Tablettenform verabreicht wird. Da diese Medikamente im ganzen Körper wirken, können auch verstärkt Nebenwirkungen auftreten.

Jedoch ist die große Angst vor Cortison in den meisten Fällen unbegründet und stammt aus vergangenen Tagen. Wenn das Arzneimittel gezielt eingesetzt wird, kann es seinen Beitrag zu deiner Gesundheit leisten, um eine Krankheit wie Schuppenflechte in den Griff zu bekommen.

Aber wie gesagt: Bei falscher Anwendung und bei fehlender Begleittherapie wird sich kein Langzeiteffekt für deine Psoriasis einstellen.

Kortison – Fluch oder Segen?

Salben, Cremes und Lotionen mit Cortison sind sehr effektiv bei der Behandlung von entzündlichen Erkrankungen der Haut, wie der Psoriasis vulgaris. Auch bei Krankheiten wie Rheuma, Asthma und Allergien leistet Cortison einen wertvollen Beitrag bei der Therapie. Richtig dosiert und angewendet lindert Cortison in vielen Fällen die Symptome und das Leiden vieler Betroffener.

Fehlinformationen und falsche Vorstellungen, die weit in die Vergangenheit reichen, erzeugen bei Patienten immer noch starkes Misstrauen.

Wie bei vielen anderen Medikamenten gilt auch für Kortison: Eine zu hohe Dosierung und eine falsche Anwendung können zu schweren Nebenwirkungen führen. Der Dreh- und Angelpunkt ist also auch bei Kortison der intensive Austausch und die umfassende Beratung mit und von deinem Hautarzt.

Folgender Grundsatz trifft in Hinsicht auf deine Gesundheit und den Umgang mit Kortison gut zu: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. So lange wie nötig, aber so kurz wie möglich.

Wie denkst du über Kortison – insbesondere über Kortison bei Psoriasis? Als Betroffener von Schuppenflechte ist die Chance ja hoch, dass du schon Kontakt zu Kortison hattest. Erzähle uns von deinen Erfahrungen und werde jetzt Teil von Farbenhaut – gerne auch im Rahmen unserer Facebookgruppe!

 

FAQ zu Kortison

Was ist Kortison?

Kortison ist ein entzündungshemmender Wirkstoff aus der Gruppe der Glukokortikosteroide. Es gehört heutzutage zu den bekanntesten Medikamenten. Kortison hemmt entzündliche Reaktionen des Körpers und wird erfolgreich bei der Behandlung von vielen Krankheiten eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen hat Kortison?

Systemisch angewandt, also innerlich beispielsweise in Form von Tabletten, wirkt Kortison im gesamten Körper und kann daher stärkere Nebenwirkungen aufweisen als bei einer äußeren, örtlich begrenzten Lokaltherapie. Die Darreichungsform, die Dosis und die Dauer der Einnahme hat erheblichen Einfluss auf mögliche Nebenwirkungen. Nimmt ein Patient längerfristig Cortison ein, kann es zu Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Osteoporose, Infektionen, Gewichtszunahme und Schlafstörungen kommen.

Was ist der Unterschied zwischen Cortisol und Cortison?

Cortisol (auch Hydrocortison genannt) ist ein aktives, körpereigenes Hormon aus der Gruppe der Glukokortikoide. Es wird in der Nebennierenrinde hergestellt und umgangssprachlich auch „Stresshormon“ genannt.

Cortison ist die Vorstufe des Hormons Cortisol. Es hat Effekte auf den Stoffwechsel, das Immunsystem sowie das Nervensystem. Umgangssprachlich verwendet man den Begriff Cortison für alle Vertreter der Glukokortikoide.

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Quellen:

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