Marihuana zur Behandlung bei Psoriasis

Marihuana, auch Cannabis genannt, ist in Deutschland mittlerweile für einige Therapien zugelassen. Auch wenn es noch selten eingesetzt wird, zeigen sich gute Therapieergebnisse – gerade bei der Schmerzbehandlung. Marihuana wird bei anderen Krankheiten, wie Schizophrenie oder Parkinson, ebenfalls ins Spiel gebracht. Es existieren Hinweise, die auf eine Wirksamkeit hindeuten. Aber hilft die Pflanze auch bei Psoriasis?

Warum Marihuana?

Psoriasis kann bisher nicht geheilt werden. Auch ist es nicht ganz so einfach, die Hautkrankheit zu „kontrollieren“. Erfreulich ist, dass es mittlerweile eine ganze Reihe an Therapiemöglichkeiten gibt, die dir im Kampf gegen die roten Hautstellen mit den silbrigen Schuppen helfen. Diese haben aber oftmals erhebliche Nebenwirkungen oder verlieren nach einer gewissen Zeit ihre Wirkung (hier findest du sechs Gründe, warum deine Therapie nicht wirkt). Gerade vor dem Hintergrund der psychischen und emotionalen Nebenwirkungen der Schuppenflechte, braucht es in Zukunft noch weitere, einfach anzuwendende Behandlungsmöglichkeiten. Die bisherige Forschung zeigt, dass Marihuana verschiedene Aspekte der Krankheit beeinflussen kann. Somit stellt sich die Frage, ob die Pflanze eine mögliche Alternative bei der Behandlung von Psoriasis darstellen kann.

Welche Effekte erzielt Marihuana?

Vielen dürfte die beruhigende Wirkung von Marihuana bekannt sein, welche sich auch positiv auf Stress auswirkt. Jedoch besitzt Cannabis weitere Effekte, welche wir im Folgenden kurz vorstellen möchten.

Reduktion von Stress

THC, der Wirkstoff von Marihuana, wirkt sich direkt auf dein Stresslevel aus. Jedoch zeigt die Forschung auch, dass kleine Dosen THC deinen Stress reduzieren, größere Mengen darüber hinaus aber einen negativen Effekt haben können.

Regulierung des Immunsystems

Zwar ist in diesem Bereich noch deutlich mehr Forschung nötig, jedoch deuten einige Studien an, dass Cannabis die Schwere von Entzündungen einschränken kann. Dieser Effekt kann auch bei Autoimmun-Erkrankungen, wie sie es bei Psoriasis vorliegt, genutzt werden. Wie zwei Forscher herausgefunden haben, kann Marihuana das Immunsystem diesbezüglich dämpfen (hier gibt es den Artikel im englischen Original). Bisher ist die Forschung an dieser Stelle meist auf die orale Einnahme fixiert. Jedoch gibt es auch die Möglichkeit, Cannabis z.B. als Öl oder Creme auf der Haut aufzubringen. Auch hier gibt es erste Anzeichen, dass die Zellteilung, welche bei Psoriasis deutlich zu schnell verläuft, reduziert und Entzündungen aufgehalten werden können.

Schmerzen werden eingeschränkt

Bisher wird Marihuana in der Medizin meist eingesetzt, um Schmerzen zu unterdrücken bzw. zu kontrollieren. THC könnte also auch bei chronischem Schmerz, wie er z.B. bei Psoriasis Arthritis vorliegt, helfen (hier ein Forschungsartikel dazu). Auch zeigen andere Forschungsansätze, dass Cannabis bei der grundsätzlichen Behandlung von (akuten) Schmerzen wirksam sein könnte (hier der Artikel). Aber auch hier ist Vorsicht geboten, solange es keine weiteren, belastbaren und wissenschaftlichen Studien gibt.

Verlangsamung der Zellteilung

Und da wir gerade bei wissenschaftlichen Studien sind: Es gibt einige, die veranschaulichen, dass Marihuana die zu schnelle Erneuerung der Hautzellen verlangsamen kann. So zeigt eine Studie aus dem Jahr 2013 (hier findest du die Studie), dass THC die Produktion von unreifer Haut einschränken kann. Andere Studien weisen darauf hin, dass THC auch gut für die Wundheilung ist, da die dünne Haut bei Psoriasis anfälliger für das Aufplatzen reagiert.

Sollte Cannabis als Medikament zugelassen werden?

Bei all den (möglichen) guten Wirkungen von Marihuana auf die Ausprägung der Psoriasis stellt sich die Frage, ob diese wirklich zur Behandlung der Hauterkrankung geeignet ist. Dazu sehen wir uns im nächsten Schritt die möglichen Darreichungsformen sowie den Wirkstoff in Cannabis an, bevor wir ein Fazit ziehen.

Welche Form wäre denkbar

Grundsätzlich kann Marihuana in verschiedenen Formen verwendet werden. Dies variiert von der oralen Einnahme über das Auftragen auf die betroffenen Hautstellen. Gerade hier besteht noch erheblicher Bedarf an wissenschaftlichen Studien. Besonders interessant ist es, welche Form der Nutzung den bestmöglichen Effekt auf die Haut erzielt. Cannabis kann u.a. in folgender Form genutzt werden:

  • Als Tinktur bzw. Creme
  • In Tablettenform
  • Durch Verdampfung bzw. einatmen
  • Als Inhalationsmittel

Cannabinoide sind der Schlüssel

Nach der Anwendungsform ist der in Cannabis enthaltende Wirkstoff relevant. Die Marihuana-Pflanzen enthält dabei u.a. Cannabinoide. Diese produziert dein Körper ebenfalls in leicht abgewandelter Form, hier heißen sie jedoch Endocannabinoide. Diese spielen in deinem Körper einige wichtige Rolle und wirken sich u.a. auf folgende Bereiche aus:

  • Entzündungen
  • Immunität bzw. das Immunsystem
  • Appetit
  • Laune
  • Fortpflanzung

Du siehst also, dass Endocannabinoide einen wesentlichen Beitrag in deinem Körper leisten. Ebenso könnten die sehr ähnlichen Cannabinoide eine wichtige Rolle im Kampf gegen Psoriasis einnehmen.

Unser Fazit

In der bisherigen Forschung zeigt sich das Potential, welches Marihuana bei der Behandlung deiner Psoriasis haben kann. Jedoch fehlen bisher wichtige Studien darüber, wie genau Cannabis dafür verwendet werden soll und wie sich die genaue Wirkung darstellt. Die bisher fehlende Forschung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Marihuana in Deutschland als illegale Droge klassifiziert ist und ihr ein hohes Abhängigkeitspotential nachgesagt wird. Durch das Betäubungsmittelgesetz und einer Reihe an (erfundenen) Horrorgeschichten genießt Cannabis in Deutschland keinen guten Ruf, was es dann im weiteren Verlauf zu ändern gilt.
Erst seit kurzem ist Cannabis unter strengen Auflagen als Medikament gegen Schmerzen zugelassen – das jedoch nur streng reglementiert. Da vieles darauf hindeutet, dass THC auch bei Psoriasis einen positiven Effekt erzielen kann, lohnt hier die weitere Forschung. Nur diese kann helfen, die Wirksamkeit sowie Anwendung zu legalisieren und den schlechten Ruf der Pflanze aufzuheben. Ob und wie Cannabis dann wirklich zum Einsatz kommen kann, wird sich im Laufe der Zeit herausstellen. Jedoch sollte Marihuana prinzipiell als Chance verstanden werden, welche genauer unter die Lupe genommen werden sollte.