Für die Neurodermitis Therapie steht im Grunde keine kausale Behandlung zur Verfügung. Hier kommt es immer auf die Schwere wie auch den Verlauf des atopischen Ekzems an. Bei einer schweren Neurodermitis wird oftmals Mycophenolsäure eingesetzt, ein immunsuppressives Systemtherapeutikum, welches aber auch umstritten ist. Zum einen ist die Wirksamkeit nicht belegt und zum anderen ist es derzeit nicht für das atopische Ekzem zugelassen. Alles, was du über Mycophenolsäure wissen musst, erklären wir dir in diesem Artikel.

Was ist Mycophenolsäure?

Mycophenolsäure ist ein Medikament, das zur Wirkstoffklasse der Immunsuppressiva zählt. Dabei gilt Mycophenolsäure seit rund 85 Jahren als zuverlässige Arznei und wird in der heutigen Zeit vor allem bei Organtransplantationen eingesetzt. Zudem ist sehr gut erforscht, wie es beispielsweise auf Zellteilung und Zellwachstum wirkt.

Der lateinische Name der Mycophenolsäure lautet „Acidum mycophenolicum“. Der Wirkstoff wurde bereits im Jahr 1893 isoliert. Der italienische Mikrobiologe und Arzt Batolomeo Gosio hat jedoch nicht nur die Substanz isoliert, sondern auch Untersuchungen durchgeführt. Dabei stellt er fest, dass das Wachstum von Milzbranderregern mit Mycophenolsäure deutlich reduziert werden konnte.

Ende der 1920er Jahre wurde dann die antibiotische Wirkung von Penicillin von Alexander Flemming erforscht. Er stieß durch Zufall auf die Ergebnisse von Bertolomeo Gosio und führte weitere Untersuchungen mit Mycophenolsäure durch.

Mittlerweile wird Mycophenolsäure bei zahlreichen Krankheiten eingesetzt. Insbesondere bei Transplantationen ist der Wirkstoff ein bevorzugtes Medikament. Doch auch in der Neurodermitis Therapie kommt Mycophenolsäure zum Einsatz.

Pharmakologische Wirkung von Mycophenolsäure

Mycophenolsäure wird in der heutigen Zeit bei aggressiven Erkrankungen verwendet. Es wird als Immunsuppressivum zur prophylaktischen Behandlung genutzt, da es als Enzymhemmer für das Enzym Inosinmonophosphat-Dehydrogenas dient. Dieses Enzym ist für die Biosynthese von Guanosin wichtig. Durch die Einnahme wird die Proliferation der B- und T-Lymphozyten wie auch die DNA-Synthese blockiert. Allerdings setzt sich Mycophenolsäure nicht direkt in der DNA fest und ist somit deutlich besser geeignet als andere Immunsuppressiva.

Die medizinische Anwendung von Mycophenolsäure

In der Regel erfolgt die Behandlung mit Mycophenolsäure in Tablettenform. Dabei wird die Mycophenolsäure vor allem bei Organtransplantationen eingesetzt. Doch auch bei schweren Formen von Neurodermitis nutzt man diese Therapie. Da manche Personen aber eine Unverträglichkeit haben, kann als Alternative auch Azathioprin, Mycophenolat Mofetil oder Methotrexat zum Einsatz kommen. Diese unterdrücken ebenfalls das Immunsystem, sind jedoch nicht zugelassen und eine Anwendung erfolgt so off lable. Dabei ist bei allen Medikamenten darauf zu achten, dass die Haut deutlich lichtempfindlicher wird und du Sonne aus diesem Grund meiden solltest. Ist dies nicht möglich, solltest du einen sehr hohen Lichtschutzfaktor verwenden.

Insbesondere bei der Behandlung mit Mycophenolsäure solltest du darauf achten, dass der Arzt Erfahrungen mit diesem Medikament hat. Die Dosis muss der Arzt entsprechend individualisieren und dabei besonders darauf achten, dass es nicht zu einer Überdosierung kommt. Daher ist eine regelmäßige Blutkontrolle besonders wichtig.

Leider ist die Anwendungsdauer relativ lange, da erst nach einer Behandlungszeit von etwa vier Wochen eine Linderung der Neurodermitis Symptome eintritt. Dies zeigt sich auch im Blutbild, wenn die Entzündungswerte deutlich geringer sind. Wichtig ist dabei jedoch, dass du die Tabletten regelmäßig einnimmst.

Welche Nebenwirkungen hat Mycophenolsäure?

Mycophenolsäure hat einige Nebenwirkungen, die nicht zu unterschätzen sind. Da dieses Medikament ein Immunsuppressivum ist, schwächst du mit der Einnahme dein Immunsystem und du bist besonders anfällig für Krankheiten. Der Körper ist nicht mehr in der Lage, eine starke Abwehr bei Erkrankungen zu leisten und daher ist das Infektionsrisiko deutlich erhöht. Dadurch können Infekte in Form von Pilzen, Bakterien oder Viren auftreten.

Auch Magen-Darmbeschwerden können während der Zeit der Einnahme auftreten. Dies können beispielsweise erbrechen, Übelkeit und Magenschmerzen sein. Weiterhin kann es zu grippalen Infekten kommen oder auch einer Veränderung des Blutbildes. Bronchitis, Nieren- und Leberfunktionsstörungen sind ebenfalls keine Seltenheit. Zittern, Haarausfall, erhöhter Pulsschlag oder gut- und bösartige Tumore hingegen sind eher selten zu befürchten.

In der Schwangerschaft und Stillzeit solltest du das Medikament nicht einnehmen. Allergiker müssen ebenfalls vorsichtig sein und sollten eher auf die Einnahme verzichten. Zudem sollten Impfungen während dieser Neurodermitis Therapie nicht erfolgen. Wie oben bereits beschrieben, wird die Haut dünner, weshalb du UV-Strahlen meiden solltest. Die Laborwerte müssen regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden. Auch die Kontrolle der Haut und Schleimhäute ist wichtig.

Ob das Medikament anschlägt, zeigt sich leider erst nach ungefähr 3 Monaten. Daher ist im Hinblick auf die Nebenwirkungen immer abzuwägen, ob eine Neurodermitis Therapie mit Mycophenolsäure erfolgen soll oder nicht.

FAQ:

Muss die Neurodermitis Therapie zwingend mit Mycophenolsäure durchgeführt werden?

Nein, dies ist nicht unbedingt nötig. Manchmal, vor allem bei sehr schweren Schüben, kann es aber von Vorteil sein. Auch, wenn die Nebenwirkungen enorm sein können. In manchen Fällen kann die Mycophenolsäure-Therapie eine sehr gute Möglichkeit sein, die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Gibt es Alternativen zu Mycophenolsäure?

Ja, es gibt Alternativen. Allerdings sind diese in der Regel Kortisonpräparate, die ähnliche Nebenwirkungen haben können. Die Alternative wird nur dann angewendet, wenn die betroffene Person eine Unverträglichkeit gegen Mycophenolsäure hat. Dann werden Präparate wie Azathioprin, Mycophenolat Mofetil oder Methotrexat eingesetzt. Da diese aber nicht alle für Neurodermitis Patienten zugelassen sind, erfolgt die Anwendung off lable.

Kann ich die Neurodermitis Therapie mit Mycophenolsäure ablehnen?

Ja, dies ist natürlich möglich. Es muss jeder für sich selbst abwägen, ob die eine Mycophenolsäure Therapie bei Neurodermitis durchgeführt werden soll. Am besten lässt du dich von deinem Arzt beraten und lässt dir die Vor- und Nachteile aufzeigen.

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