Seit Dezember 2020  gibt es erste Impfstoffe gegen SARS-CoV-2. Die langersehnte Hoffnung im Kampf gegen das Corona-Virus gilt als sicher und gut verträglich. Doch wie verhält es sich bei Patienten, die von Schuppenflechte oder Neurodermitis betroffen sind? Insbesondere bei Patienten, die derzeit eine immunmodulierende oder immunsupprimierende Therapie, z.B. mit Biologika, durchführen, aus?

Was  passiert bei einer Impfung?

Bei einer Impfung wird das Prinzip der körpereigenen Abwehr gezielt genutzt. Der Impfstoff, der meist per Spritze in den Körper injiziert wird, enthält dabei den Krankheitserreger in abgeschwächter Form. Das Immunsystem erkennt die darin enthaltenen Bakterien und Viren und bildet Abwehrstoffe gegen den Erreger – eine sogenannte Immunität wird aufgebaut. Wenn es nun tatsächlich Kontakt zum Krankheitserreger gibt, in unserem Fall dem Corona-Virus, kann der Körper den Erreger dank seiner Abwehrkräfte leichter abwehren.

Bisher wird bei einer Impfung zwischen zwei Arten unterschieden: Lebendimpfstoff und Totimpfstoff. 2020 kam eine dritte Gruppe hinzu: genbasierte Impfstoffe

Welche Impfstoffe kommen gerade zum Einsatz?

Impfung mit Totimpfstoffen

Hier werden abgetötete Bakterien und Viren verabreicht. Diese können sich im Körper nicht mehr vermehren und so auch keinen weiteren Schaden anrichten. Um einen optimalen Impfschutz zu erreichen, sind im Regelfall mehrere Impfungen nötig, welche oft nur einige Jahre halten und dann wiederaufgefrischt werden müssen.

Beispiele für Totimpfstoffe: Influenza (Grippe), Hepatitis A und B, Diphtherie oder Tetanus.

Impfung mit Lebendimpfstoffen

Im Gegensatz zu den Totimpfstoffen werden bei Lebendimpfstoffen minimale Mengen Bakterien und Viren genutzt, die sich vermehren können. Allerdings wurden diese soweit abgeschwächt, dass sie die Krankheit nicht selbst auslösen.

Beispiele: Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken

Impfung mit genbasierten Impfstoffen

Bei Lebend- und Totimpfstoffen wird dem Körper der jeweilige Erreger zugeführt. Im Gegensatz dazu werden bei genbasierten Impfstoffen nur die Erbinformationen des Erregers verabreicht. Anschließend muss der Körper das Antigen selbst herstellen. Dabei kann zwischen Vektorviren-, RNA- und DNA-Impfstoffen unterschieden werden.

Vektorviren-Impfstoffe enthalten neben einem Gen des betreffenden Erregers einen harmlosen Virus. Zwar kann sich der Erreger vermehren und in menschliche Zellen eindringen, aber er löst nicht die Krankheit aus. Daraufhin produziert die befallene Zelle das Erregerantigen, was zu einer Immunreaktion und zum Bilden von Abwehrstoffen führt. Dabei wird die DNA der betroffenen Zellen nicht verändert. Beispiele hierfür: Ebola oder Dengue-Fieber

RNA-Impfstoffe enthalten keine Viren, sondern lediglich das Erbgut des Erregers in sogenannter Messenger-RNA. Gelangt nun diese Messenger-RNA in die Zellen, so wird das Erregerantigen hergestellt und eine Immunreaktion herbeigeführt. Dabei endet die Antigenproduktion nach kurzer Zeit und die DNA wird ebenfalls nicht verändert. Beispiel einer Impfung: COVID-19

DNA-Impfstoffe enthalten den entsprechenden Erreger in Form der Erbsubstanz DNA. Bisher gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff auf dieser Basis, jedoch sind einige gegen COVID-19 in der Entwicklung.

Was ist das Corona-Virus?

Derzeit erkrankt eine Vielzahl an Menschen am sogenannten Corona-Virus, auch SARS-CoV-2 genannt. Dieses löst die eigentliche Erkrankung Covid-19 aus. Anzeichen für eine Erkrankung sind unter anderem trockener Husten, Fieber, Verlust des Geschmacks-Sinns und Atemprobleme.

In den meisten Fällen nimmt Covid-19 einen milden Verlauf und ist in etwa mit einer Erkältung zu vergleichen. Für Menschen mit bestimmten Risiken, wie Vorerkrankungen oder hohem Alter, ist das Virus aber sehr gefährlich, da hier ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht. Die Ansteckung erfolgt durch Coronaviren, welche durch die Atemluft oder über die Hände, welche vorher Kontakt mit dem Virus hatten (z.B. durch Berühren der Nase), übertragen werden.

Mehr zum Corona-Virus findest du hier: Corona und Psoriasis – ist hier besondere Vorsicht geboten?

Corona-Impfung und Psoriasis sowie Neurodermitis: Was muss ich beachten?

Grundsätzlich gilt, dass chronisch-entzündliche Hauterkrankungen, wie Psoriasis oder Neurodermitis,  einer Impfung nicht im Wege stehen. Das Risiko einer Verschlechterung ist minimal und auch die Wirkung der Impfung wird nicht beeinflusst. Empfohlen wird, alle Impfungen, die die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts nahelegt, durchzuführen.

Auch einer Impfung gegen COVID-19 steht laut Aussage vieler Experten nach heutigem Wissensstand nichts entgegen. Führst du derzeit jedoch eine immunmodulierende oder immunsuppressive Therapie durch, solltest du einige Dinge beachten.

Betroffene mit immunmodulierender oder immunsuppressiver Therapie

Menschen, die an einer mittelschweren bis schweren Schuppenflechte oder Neurodermitis leiden, erhalten oft innerliche (systemische) Arzneimittel. Dabei wird das Immunsystem gedämpft, da es an manchen Stellen überreagiert und so zu der Erkrankung der Haut führt.

Dr. Ralph von Kiedrowski, Vorstandsmitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen, empfiehlt, dass Impfungen im besten Fall bereits vor Therapiebeginn abgeschlossen sind. Aber auch bei einer bestehenden innerlichen Therapie sieht er nach aktuellem Wissensstand keinen Anlass, die Therapie wegen der Impfung abzubrechen oder gar nicht erst zu beginnen.

Auch Prof. Dr. Michael Sticherling, Dermatologe sowie leitender Oberarzt an der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen und stellvertretender Klinikdirektor, sowie Prof. Dr. Christian Bogdan, Mikrobiologe an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied der Ständigen Impfkommission, kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. So ist der Einsatz von Totimpfstoffe während einer systemischen Therapie unbedenklich. Ihrer Einschätzung nach ist ein Wirkstoff auf der Basis von mRNA während einer immunmodulierender oder immunsuppressiver Therapie prinzipiell auch als Totimpfstoff zu werten. Sie geben jedoch zu bedenken, dass es noch nicht sicher ist, ob die Schutzwirkung in diesem Fall genauso hoch ist wie ohne die entsprechende Therapie.

Impf-Zeitpunkte bei innerlicher Therapie beachten

Jedoch ist der Impf-Zeitpunkt laut Dr. von Kiedrowski wichtig. Das liegt daran, dass es zwischen sieben und zehn Tage nach der Impfung dauert, bis sich die Impfantwort gegen SARS-CoV-2 ausbildet. So empfiehlt er, dass mindestens je zwei Wochen vor und zwei Wochen nach der Impfung keine Einnahme von innerlichen Therapien stattfindet. Grundsätzlich sollte die Impfung während einer laufenden Therapie in der Mitte der Behandlungsintervalle verabreicht werden. Dies gilt nicht für täglich oder wöchentlich genutzte Therapie-Optionen.

Als Beispiel:

  • Biologika-Patienten mit vierwöchiger/ monatlicher Einnahme: Erhalt der Impfung zwei Wochen nach letzter Therapie; drei bzw. vier Wochen später (je nach Impfstoff; siehe FAQs) erfolgt die zweite Impfung und zwei Wochen später die Fortsetzung der Biologika-Therapie
  • Biologika-Patienten mit acht- bzw. zwölfwöchigen Intervallen: Erste Impfung nach drei bzw. vier Wochen, zweite nach drei oder vier Wochen und nach weiteren zwei Wochen Fortsetzung der Biologika-Therapie. Gerade bei zwölfwöchigem Rhythmus ist eine Impfung ohne Verschiebungen problemlos möglich

Du solltest dabei auf deinen aktuellen Gesundheits- und Hautzustand achten. Laut Dr. von Kiedrowski ist durch die einmalige Verschiebung der Therapie-Intervalle nur selten mit einer Verschlechterung der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung zu rechnen.

Generell gilt jedoch gerade bei Patienten mit oben genannten innerlichen Therapien die Empfehlung, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Natürlich gibt es hier auch noch weitere Faktoren abzuwägen (Z.B. Alter, andere Vor-Erkrankungen).

Sprich mit deinem Arzt

Die goldene Grundregel hier lautet, rechtzeitig mit deinem behandelnden Arzt über eine mögliche Corona-Impfung zu sprechen. Er wird dich beraten, inwieweit sich die Therapie-Zeiten ändern und wann der beste Zeitpunkt für eine Impfung ist.

Zusammenfassung: Corona-Impfung bei Neurodermitis und Psoriasis

Psoriasis- und Neurodermitis-Patienten sollten per se keine Angst vor einer Corona-Impfung haben. Sie haben das gleiche Risiko wie hautgesunde Menschen. Führst du jedoch gerade eine immunmodulierende oder immunsuppressive Therapie, z.B. mit Biologika, durch, solltest du genau auf den Zeitpunkt der Impfung achten. Sprich darüber mit deinem Arzt.

FAQ zu Corona-Impfung Psoriasis und Neurodermitis

Muss ich als Psoriasis- oder Neurodermitis-Betroffener bei der Corona-Impfung beachten?

Solltest du keine immunmodulierende oder immunsuppressive Therapie (z.B. mit Biologika) durchführen, gelten für dich die gleichen Regeln wie für hautgesunde Menschen. Einer Impfung steht also nichts im Wege. Du kannst dich an den Impf-Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts orientieren.

Was muss ich beachten, wenn ich derzeit eine immunmodulierende oder immunsuppressive Therapie durchführe?

Dann ist besonders der Impfzeitpunkt zwischen den Therapie-Maßnahmen wichtig. Achte darauf, dass vor oder nach jeder Impfung im besten Fall zwei Wochen Abstand zur letzten Therapie-Anwendung liegen. Sprich dieses Thema am besten mit deinem Arzt durch.

Ich nehme Biologika. Was muss ich in Bezug auf die Corona-Impfung beachten?

Da es sich bei der Anwendung von Biologika im Regelfall um eine immunsuppressive Therapie handelt, sollte vor allem der Impfzeitpunkt zwischen zwei Therapieeinheiten beachtet werden.

Muss ich mit Psoriasis Arthritis (PsA) bei der Corona-Impfung vorsichtig sein?

Nein. Hierzu gibt es keine gesonderten Regeln und du kannst ganz normal verfahren. Achte nur bei einer immunmodulierenden oder immunsuppressiven Therapie auf den genauen Zeitpunkt der Impfung.

Auf welcher Basis gründen die aktuell in der EU zugelassenen Impfstoffe:

  • BioNTech / Pfizer: mRNA-basierter Impfstoff (seit 21.12.2020 in der EU zugelassen);
  • Moderna: mRNA-basierter Impfstoff (seit 06.01.2021 in der EU zugelassen);
  • AstraZeneca Life Science: Vektorviren-Impfstoff (seit 29.01.2021 in der EU zugelassen);

In welchem Rhythmus werden die Corona-Impfungen verabreicht?

Hier musst du zwischen den verschiedenen Impf-Hertellern unterscheiden:

  • BioNTech / Pfizer: zwei Impfungen; zweite nach drei Wochen
  • Moderna: zwei Impfungen; zweite nach drei Wochen
  • AstraZeneca Life Science: zwei Impfungen; zweite nach vier bis zwölf Wochen