Sie hat es seit einigen Wochen geschafft. Sabine ist im Ruhestand und versucht, das Leben nun mehr zu genießen. Die Italien-Reise war hier auch ein guter Anfang, nur hat ihr hier ein Psoriasis-Schub einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im neuen Skinfluencer Interview erzählt sie, warum sie eigentlich tiefenentspannt ist – manchmal aber doch nicht.

Die Interview-Reihe mit Psoriasis-Betroffenen: Skinfluencer

Es ist wieder soweit! Ein weiteres Interview in unserer Reihe „Skinfluencer“ erscheint. Im Mittelpunkt stehen dabei immer ganz normale Schuppenflechte-Patienten – so wie du und ich. Zukünftig werden in regelmäßigen Abständen bei Farbenhaut Interviews mit Leidensgenossen erscheinen – zusätzlich zu informativen Berichten und anderen Specials. An dieser Stelle bedanken wir uns bei Sabine für das heutige Interview. Sie war mutig und teilt hier ihre Geschichte. Unsere bisherigen Interviews findest du übrigens an dieser Stelle.

Das Interview mit Sabine

1. Willst du dich kurz vorstellen und uns etwas zu deinem bisherigen Krankheitsverlauf erzählen?

Seit einigen Wochen bin ich 62 Jahre alt und kurz nach meinem Geburtstag bin ich in den Ruhestand eingetreten. Auf diesen Moment habe ich mich sehr gefreut, habe aber auch Angst gehabt, nichts mehr zu tun zu haben. Da ich aber erst seit einigen Wochen das freie Leben genieße, weiß ich nicht, ob mir langweilig wird 😉 Meine Psoriasis habe ich seit knapp 20 Jahren. Damals mit 45 war sie auf einmal da.

2. Was hat sich bei dir seit dem Ausbruch der Krankheit verändert?

Oh, einiges. Mein Selbstvertrauen ist in Mitleidenschaft gezogen worden. Am Anfang dachte ich mir so: Das macht dir gar nichts. Die paar roten Stellen, die paar Schuppen. Aber nach einer gewissen Zeit und da die Haut schlechter wurde, habe ich unsere Wohnung seltener Verlassen, habe länger über meine Kleidung nachgedacht und bin eher zurückhaltend geworden.

3. Welche Therapien hast du bereits ausprobiert und was wurde daraus?

Ich habe seitdem vor allem Cremes ausprobiert. Fumaderm habe ich einige Wochen versucht, die Nebenwirkungen waren aber eine mittlere Katastrophe. Ich hatte Übelkeit, Magenprobleme, mir wurde ständig heiß und kalt und solche Dinge. Da war mir klar, dass ich mich lieber mit meiner Haut abfinden muss als mit solchen Nebenwirkungen zu kämpfen. Ansonsten pflege ich meine Haut mit den „billigen“ Salben aus dem Supermarkt, welche ich ganz gut finde.

4. Welche Tipps und Tricks kannst du allgemein an andere Betroffene weitergeben?

Ich habe lange nach Mitteln gesucht, die mir helfen. Dabei bin ich bei verschiedenen Cremes hängen geblieben. Auch mache ich seit einigen Jahren Yoga, um fit zu bleiben und meinen Stress weniger zu machen. Ich habe schon das Gefühl, dass es was bringt. Wenn dann die Haut wieder arg wehtut, dann lege ich Eis drauf. Das hilft, auch wenn dann Einschlafen manchmal schwer ist und das Bett am Morgen blutig.

5. Was war dein positivstes, was dein negativstes Erlebnis im Zusammenhang mit Schuppenflechte?

Positiv war mein Enkel, der immer ganz neugierig gefragt hat, warum meine Haut denn anders aussieht als andere.
Negativ war das Gefühl, dass ich nach dem Ausbruch meiner Krankheit hatte. Ich bin hier in ein kleines Loch gefallen. Nachdem ich gedacht habe, das ist ja alles kein Problem und nachdem das eben nicht so war. Das war keine einfache Zeit voller Selbstzweifel. Mein Mann hat mir da viel geholfen.

6. Was läuft deiner Meinung nach derzeit im Umgang mit Psoriasis falsch?

Die Patienten werden viel alleine gelassen. Nach meiner Diagnose musste ich alleine mit der Krankheit zurechtkommen. Mein Arzt hat mir nur ein paar Medikamente gegeben, danach war ich auf mich alleine gestellt. Ich bin die erste in meiner Familie, die die Krankheit hat, konnte also auch mit niemandem darüber sprechen. Außerdem sollte die Krankenkasse hier viel schneller psychologische Unterstützung anbieten. Die hätte mir am Anfang schon etwas geholfen.

7. Was würdest du zu Jemandem sagen, der kürzlich die Diagnose Psoriasis bekommen hat?

Informiere dich, sprich mit anderen, die dein Schicksal teilen. Du bist auf alle Fälle nicht alleine, auch wenn man selten wen mit Schuppenflechte rumlaufen sieht. Ich habe vor kurzem gelesen, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz 3 Millionen Menschen an Schuppenflechte erkrankt sind. Das konnte ich kaum glauben.

8. Welche Themen bzw. Schwerpunkte würdest du dir zukünftig bei Farbenhaut wünschen?

Da gibt es nichts Spezifisches. Gerne vielleicht ein wenig mehr zur Psyche und zur Schuppenflechte im Ruhestand 🙂

Du möchtest auch deine Geschichte teilen?

Nun bist du an der Reihe! Hilf mit, Psoriasis vom fauchenden Löwen zum zahmen Kätzchen zu machen. Mach anderen Mut, offener und selbstbewusster mit der eigenen Krankheit und dem eigenen Körper umzugehen. Verrate deine Tricks, was dich zum Lachen oder zum Verzweifeln bringt. Und wie Willy Brandt schon zu sagen pflegte: „Der beste Weg die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“. Hilf also auch du mit, die Geschichte von Psoriasis neu zu schreiben und erzähle mindestens zwei Millionen Betroffenen im deutschsprachigen Raum deine Story.

Bernd

Bernd ist einer der beiden Gründer von Farbenhaut. Er leidet seit über 20 Jahren an Psoriasis, sieht die chronischen Hauterkrankung aber mit mehr Gelassenheit als noch vor ein paar Jahren (was ein hartes Stück Arbeit war). Nichtsdestotrotz ist es ihm ein großes Anliegen, Psoriasis einfacher und sozial akzeptierter zu machen.