Laktose ist in vielen Produkten enthalten. Egal ob in Joghurt, Käse, Fertiggerichten oder Wurst – der Milchzucker kommt oft auch da vor, wo es keiner erwartet. Auch in Medikamenten wird er oft als Füllstoff eingesetzt. In den letzten Jahren ist der Zucker vor allem im Zusammenhang mit der Laktoseintoleranz in die Öffentlichkeit gerückt. Auch Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie der Schuppenflechte kämpfen mit dem Zucker. Doch ist Laktose wirklich so schädlich oder doch ein wichtiger Energieträger für unseren Körper?

Was ist Laktose?

Laktose ist der Zucker, der in der Milch enthalten ist. Daher wird Laktose auch Milchzucker genannt. Er ist beispielsweise in der Milch von Kühen, Schafen, Ziegen und auch in der menschlichen Muttermilch enthalten. Laktose ist ein Zweifachzucker (Disaccharid). Sie besteht aus Glucose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker).

Woher kommt der Name Laktose?

Der Name Laktose leitet sich aus dem Lateinischen ab. “Lac” bedeutet Milch, “ose” wird in der Chemie als Kennzeichnung für Zucker verwendet. Zusammen ergibt das somit Laktose für Milchzucker.

Wie wird Laktose gewonnen?

Milchzucker kommt natürlich in Milchprodukten vor. Um ihn in der Industrie als Rohstoff nutzen zu können, muss er künstlich gewonnen werden. Als Basis hierfür dient im Regelfall Molke, die bei der Käseherstellung anfällt. 

Eigenschaften und Nährwerte von Laktose

Das Endprodukt der Laktoseherstellung ist ein kristallines Pulver. Im Vergleich zu anderen Zuckersorten schmeckt es etwas weniger süß. Allerdings hat Milchzucker beinahe die gleiche Energiedichte wie andere Zuckerarten. 100 Gramm Milchzucker kommen auf 405 Kilokalorien (1697 Kilojoule). Im Vergleich dazu hat Rohrzucker 400 Kalorien pro 100 Gramm (1676 Kilojoule).

Welche Funktionen hat Laktose im Körper?

Laktose dient vor allem der Energiegewinnung. Beide Bestandteile des Milchzuckers, Glukose und Galaktose sind wichtige Energiequellen für die Zellen im Körper. Zuständig für die Energiegewinnung ist das Enzym Laktase. Es bricht den Milchzucker in seine ursprünglichen Komponenten auf. Diese kleinen Zuckerbestandteile gelangen dann in den Brutkreislauf und werden vom Körper zur Energiegewinnung genutzt.

Was passiert da genau?

Damit der Körper Energie hat, “verbrennt” er Zucker. Hierbei greift er auf Glukose und Galaktose auf. Mit der Unterstützung verschiedener Enzyme spaltet der Körper den Zucker in Kohlendioxid und Wasser auf. Dieser Prozess erzeugt ATP (Adenosintriphosphat). ATP ist ein chemisches Energiemolekül. Dieses ermöglicht es, dass Zellen verschiedene Abläufe wie Zellteilung, Bewegung und das Denken im Körper befeuern. 

Worin ist Laktose enthalten?

Laktose kommt in einer Vielzahl von Produkten vor. 

Milchprodukte

Laktose ist natürlich in Milch vorhanden. Die Menge des Milchzuckers variiert zwischen den verschiedenen Milchprodukten. So enthält Milch mit etwa 5 Gramm pro 100 Milliliter einen hohen Anteil an Milchzucker. Joghurt kommt auf etwa 4,5 Milchzucker pro 100 Gramm, Buttermilch auf nur 3,5 Gramm. Hartkäse ist beinahe frei von Milchzucker. Inzwischen gibt es viele laktosefreie Alternativen auf dem Markt.

Lebensmittel

Seit einigen Jahrzehnten wird Milchzucker auch künstlich vielen Produkten zugesetzt. Dies geschieht in Form von Milchpulver. Typische Beispiele sind Schokolade, Gebäck, Kaffeeweißer, Fertiggerichte, Süßwaren, Würstchen und Soßen. Wer also sensibel auf Milchzucker reagiert, sollte sich die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln genau ansehen. Begriffe wie Molkepulver, Milch, Magermilchpulver und natürlich Laktose sind Hinweise, dass in dem Produkt Milchzucker enthalten ist. 

Medikamente

Milchzucker wird oft als Füllstoff für Medikamente verwendet. Damit auch kleine Mengen Wirkstoff verabreicht werden können, brauchen viele Medikamente einen Hilfsstoff. Oft wird Laktose dafür verwendet. Ob ein Medikament Milchzucker enthält, ist auf dem Beipackzettel angegeben. 

Ist Laktose gesund oder schädlich?

Milchzucker ist ein natürlicher Bestandteil unserer Nahrung. Für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen ist Milchzucker unerlässlich. Die meisten Menschen vertragen Milchzucker problemlos. Dennoch bereitet er einigen Menschen Schwierigkeiten. 

Laktoseintoleranz

Normalerweise kann der menschliche Körper Milchzucker ohne weiteres abbauen. Allerdings kommt es bei etwa 10 % der Deutschen dabei zu Problemen. Sie vertagen den Milchzucker nicht. In diesem Fall liegt eine Laktoseintoleranz vor. Menschen, die eine Laktoseintoleranz haben, können Milchprodukte nur mit Vorsicht genießen. Eine Laktoseintoleranz ist unangenehm, aber nicht lebensbedrohend.

Symptome Laktoseintoleranz

Die Symptome einer Laktoseintoleranz treten normalerweise innerhalb von 30 Minuten bis zu zwei Stunden nach dem Konsum von Milchprodukten auf. Typische Reaktionen sind Blähungen, ein unangenehmes Völlegefühl, Krämpfe im Verdauungstrakt, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall. 

Gewichtszunahme

Nimmt der Körper zu viel Milchzucker auf, so kann nicht alles in Energie umgewandelt werden. Einen Teil der überschüssigen Energie speichert der Körper in Muskeln und Leber. So kann er in Fastenzeiten auf Energiereserven zurückgreifen. Kommt es aber zu einem ständigen Überschuss von Energie, so kann der Körper nicht all den Milchzucker verbrennen. Dann wird Milchzucker in Form von Fett im Körper eingelagert. Man nimmt zu und wird dicker. 

Hautprobleme

Bei vielen Menschen verursacht Milch Hautprobleme. Dies kann von unreiner Haut bis hin zu Schüben von Schuppenflechte reichen. Allerdings ist hier oftmals nicht der Milchzucker der Auslöser, sondern das Milcheiweiß. Dennoch sollte Milch nicht außer Acht gelassen werden. Gerade bei Autoimmunerkrankungen spielt der Darm eine wichtige Rolle. Verdauungsbeschwerden und Erkrankungen wie das „Leaky Gut Syndrom“(durchlässiger Darm) können sich negativ auf Schuppenflechte und Co. auswirken. 

Was tun, wenn ich empfindlich auf Laktose reagiere?

In den letzten Jahren gab es einen wahren Hype um das Thema Laktoseintoleranz. Immer mehr laktosefreie Produkte drängten auf den Markt und Rezepte ohne Milchzucker fluteten das Internet. Auch wenn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung unter einer echten Laktoseintoleranz leidet, so bereitet der Milchzucker doch einigen Menschen Probleme. Vor allem Personen mit Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte oder Morbus Crohn müssen bei Milchzucker oft aufpassen. 

Lebensmittel mit Laktose vermeiden

Der wichtigste Schritt ist, auf Lebensmittel zu verzichten, die Milchzucker enthalten. Als Faustregel gilt: wo Milch drinnen ist, ist auch Milchzucker enthalten. Das bedeutet aber auch im Umkehrschluss, dass zum Beispiel Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Fleisch und Wurst, Kartoffeln, Nüsse, Eier und Fisch frei von Milchzucker sind.

Vorsicht bei Medikamenten

Da viele Medikamente Milchzucker als Füllstoff enthalten, gilt es hier auch aufmerksam zu sein. Ob ein Medikament Milchzucker enthält, ist auf dem Beipackzettel angegeben. Oftmals gibt es laktosefreie Alternativen.

Laktase künstlich zuführen

Falls es keine Alternativen gibt, so kann das Enzym, das den Milchzucker spaltet, auch in Form von Tabletten zugeführt werden. Laktase Kapseln können helfen, den Milchzucker besser zu verdauen. Sie sind vor allem dann hilfreich, wenn eine schwere Form der Laktoseintoleranz vorliegt und es zum Beispiel keine laktosefreien Medikamente gibt. 

FAQ

Was ist Laktose?

Laktose ist der Zucker, der in Milch enthalten ist. Er ist ein Zweifachzucker und besteht aus Glucose (Traubenzucker) und Galaktose. Der Körper nutzt ihn für die Energiegewinnung.

Ist Laktose schädlich?

Die meisten Menschen vertragen Laktose gut. Fehlt allerdings das Enzym, das den Milchzucker im Körper verarbeitet, kann es zu einer Laktoseintoleranz kommen. Zu viel Milchzucker kann auch zu Übergewicht führen.

Löst Laktose Schuppenflechte aus?

Derzeit gibt es keine Studien, die einen direkten Zusammenhang zwischen Laktose und Schuppenflechte belegen. Dennoch hilft es vielen Betroffenen, auf Milchprodukte zu verzichten.

Hier klicken, dann findest du alle Quellenangaben

Laktose-Intoleranz: Wenn Milchzucker krank macht,Thilo Schleip, TRIAS Verlag, 2010

Die bittere Wahrheit über Zucker: Wie Übergewicht, Diabetes und andere chronische Krankheiten entstehen und wie wir sie besiegen können,Dr. Robert H. Lustig, riva Verlag, 2016

The Importance of Lactose in the Human Diet: Outcomes of a Mexican Consensus Meeting,Enrique Romero-Velarde et al,nutrients MDPI, 2019, via https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6893676/ (Stand September 2020)