Viele Psoriasis-Betroffene wünschen sich Tattoos. Das ist in der heutigen Zeit nichts Außergewöhnliches. Die gute Nachricht: Ein Tattoo ist möglich, aber nicht immer die beste Wahl. Denn bei der Hauterkrankung bestehen erhöhte Risiken und Gefahren. Du musst also abwägen, ob es das Risiko wert ist, dich selbst durch deine Körperkunst auszudrücken. Welche Gefahren bestehen und was unser tätowierter Autor dazu sagt, erfährst du im Artikel.

Gründe für ein Tattoo

Die Gründe, sich ein Tattoo stechen zu lassen, sind fast genau so zahlreich, wie die möglichen Motive. Viele (hautgesunde) Menschen verschwenden dabei keinen Gedanken an die eigene Gesundheit. Das sollte bei Psoriasis-Patienten natürlich anders sein. Wer über ein Tattoo nachdenkt und schon ein Bild im Hinterkopf hat, sollte die Risiken kennen. So wird die Haut beim Tätowieren, durch tiefe Nadelstiche bis in die zweite Hautschicht, verletzt. Mögliche Risiken – abgesehen von der Psoriasis – sind:

  • Infektionen der Hautstellen
  • Allergische Reaktionen
  • Krankheiten durch nicht sterile Geräte, wie z.B. Tetanus, Hepatitis B oder C oder Tuberkulose

Daher solltest du grundsätzlich deinen Tätowierer gut auswählen, um solche Risiken zu vermeiden. Sprich dazu am besten mit Freunden oder erkundige dich, welches Studio einen besonders guten Ruf hat. Geh auch vorab in das Studio, sprich mit deinem Tätowierer und sieh dir die Sauberkeit an. Wenn du dieses Risiko minimiert hast, solltet du anschließend noch die Psoriasis-spezifischen Risiken beachten.

Das Köbner-Phänomen

Jede noch so kleine Hautverletzung kann neue Psoriasis-Plaques nach sich ziehen. Sei es ein Schnitt, eine Schürfwunde, ein Insektenstich, ein Sonnenbrand oder auch das Stechen eines Tattoos. Genau das ist das Köbner-Phänomen (mehr darüber erfährst du hier). Der Ausdruck beschreibt, dass an vorher gesunden Hautstellen, die einer Verletzung ausgesetzt waren, neue Schuppenflechte-Stellen auftreten. Das Köbner-Phänomen zeigt sich bei etwa 25 Prozent aller Psoriasis-Patienten. In der Regel tritt es zehn bis zwanzig Tage nach der Verletzung auf, kann sich aber bereits nach zwei Tagen oder erst nach zwei Jahren bemerkbar machen. Bisher gibt es leider kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über den Zusammenhang von Tattoos und Psoriasis. Auch ist nicht bekannt, welche Personen das Köbner-Phänomen in welcher Situation zeigen. Was passiert, wenn dein Tattoo von Psoriasis betroffen ist, siehst du auf dem folgenden Bild:

Ein Tattoo kann von Psoriasis überlagert werden
Tattoo an der Schulter, das leicht von Psoriasis überdeckt ist

Vorab mit dem Tätowierer oder deinem Hautarzt sprechen

Solltest du dich für ein Tattoo entschieden haben, sprich vorab auf alle Fälle mit deinem Tätowierer. Erzähle ihm von deiner Hautkrankheit. Bei mir hat sich gezeigt, dass die meisten Tätowierer bisher wenig Erfahrung mit Schuppenflechte-Patienten gemacht haben. Sie haben mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen reagiert und mich über alle Risiken aufgeklärt. Als Ratschlag gaben sie mir mit auf den Weg, keine akut betroffene Stelle zu wählen. Und mir auch ans Herz gelegt, meine Haut nach dem Stechen des Tattoos besonders gründlich zu pflegen. Wenn dein Tätowierer jedoch kein Verständnis für deine Hauterkrankung aufbringt, bist du so oder so an der falschen Stelle. Du kannst vorab auch mit deinem Hautarzt sprechen und dich über die möglichen Folgen und Risiken beraten lassen. Hier haben viele Betroffene und auch ich die Erfahrung gemacht, dass eine grundsätzlich ablehnende Haltung vorliegt. Was grundsätzlich ja nicht ganz falsch ist, aber eben auch nur die halbe Wahrheit darstellt. Führst du derzeit jedoch eine Therapie durch oder nimmst Medikamente, solltest du in jedem Fall vorab deinen Dermatologen aufsuchen.

Die richtige Pflege des Tattoos ist entscheidend

Wir gehen einen Schritt weiter. Du hast dich für ein Tattoo entschieden und liegst auf dem Stuhl des Tattoo-Studios. Nachdem die Nadeln ihr Werk vollbracht haben, wird der Tätowierer die Hautstelle nochmals säubern und in Folie einpacken. Dies schützt sowohl die Haut als auch deine Kleidung. Denn du hast jetzt eine offene Wunde, welche Flüssigkeit verliert. Es dauert im Anschluss in etwa zwei Wochen, bis alles ordentlich verheilt ist. Gerade in dieser Zeit solltest du auf verschiedenste Dinge achten:

  • Hör auf die Ratschläge deines Tätowierers. Frage im Zweifelsfall lieber zweimal nach
  • Auch wenn es juckt: Kratze nicht. Zum einen kann das den Heilungsprozess verlangsamen, zum anderen können Farbpartikel herausgelöst werden
  • Wasche und trockne dein Tattoo vorsichtig, rubble nicht
  • Pflege es mehrmals täglich mit Wund- und Heilsalbe (dein Tattoo-Artist wird dich hier beraten)
  • Lass dein Tattoo bis zur Heilung nicht mit Wasser vollsaugen und meide Schwimmbäder

Auch nachdem alles verheilt ist, solltest du die Haut rund ums Tattoo gut pflegen. Und denke daran, dass die Stelle jetzt besonders sonnenempfindlich ist. Creme sie also immer mit Sonnenmilch ein, um das Risiko eines Köbner-Phänomens nicht immer und immer wieder durch einen Sonnenbrand herauszufordern. Sonnenbrand zählt übrigens auch zu den klassischen Auslösern von Psoriasis.

Tattoo ja oder nein?

Nun gilt es, die Risiken und Gefahren gegen den Wunsch nach einem Tattoo abzuwägen. Wenn du dich tätowieren lässt, ist die Chance in etwa bei 25 Prozent, dass früher oder später Psoriasis an der entsprechenden Stelle ausgelöst wird. Bisher ist noch kein Muster bekannt, wann und bei wem sich nach einem Tattoo Psoriasis bildet. Sprich vorab auf alle Fälle mit deinem Tätowierer und minimiere alle anderen Risiken. Sei dir auch bewusst, dass du mit einem Tattoo eventuell noch mehr von anderen Personen angesehen wirst und dies nicht so einfach wieder loswirst. Hast du dich für eine Verschönerung deines Körpers entschieden, pflege die Haut besonders in den ersten Wochen gut und beachte einige grundlegende Dinge. Und ein letzter Tipp: Wenn du dir unsicher bist, was passiert, du aber ein Tattoo möchtest, fang doch erst einmal klein an und wähle eine Stelle, die vielleicht nicht jeder sieht.

Auch ich habe zwei Tattoos. Eines ist mittlerweile durch Schuppenflechte betroffen, das andere nicht. Bereut habe ich die Entscheidung übrigens nie, weil ich mir vorher im Klaren war, was passieren kann. Und noch eine kurze Anekdote aus meinem Leben: Ein Hautarzt sagte einmal zu mir, dass ich, wenn ich Bilder doch so gerne mag, diese lieber an die Wand hängen solle. Haha. Aber jetzt genug von mir, du bist gefragt. Wie sind deine Erfahrungen mit Tattoos bei Schuppenflechte? Hast du dich trotz der Hauterkrankung getraut? Oder genau deswegen deinen Wunsch begraben? Erzähl uns jetzt mehr von dir.
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Bernd

Bernd ist einer der beiden Gründer von Farbenhaut. Er leidet seit über 20 Jahren an Psoriasis, sieht die chronischen Hauterkrankung aber mit mehr Gelassenheit als noch vor ein paar Jahren (was ein hartes Stück Arbeit war). Nichtsdestotrotz ist es ihm ein großes Anliegen, Psoriasis einfacher und sozial akzeptierter zu machen.