Olga versteckt Ihre Haut nach wie vor. Je länger sie das tut, desto schwieriger wird es, sich frei und ungezwungen zu fühlen. Und ihre Haut mit Psoriasis in der Öffentlichkeit zu zeigen. Das neue Skinfluencer Interview.

Die Interview-Reihe mit Psoriasis-Betroffenen: Skinfluencer

Es ist wieder soweit! Ein weiteres Interview in unserer Reihe „Skinfluencer“ erscheint. Im Mittelpunkt stehen dabei immer ganz normale Schuppenflechte-Patienten – so wie du und ich. Zukünftig werden in regelmäßigen Abständen bei Farbenhaut Interviews mit Leidensgenossen erscheinen – zusätzlich zu informativen Berichten und anderen Specials. An dieser Stelle bedanken wir uns bei Olga für das heutige Interview. Sie war mutig und teilt hier ihre Geschichte. Unsere bisherigen Interviews findest du übrigens an dieser Stelle.

Das Interview mit Olga

1. Willst du dich kurz vorstellen und uns etwas zu deinem bisherigen Krankheitsverlauf erzählen?

Hallo, ich bin Olga und bin seit meinem 8. Lebensjahr in Deutschland. Meine Großeltern sind Spätaussiedler und meine Eltern haben beschlossen, nach Deutschland zurückzukehren. Sie haben zwar nur wenig Deutsch gesprochen, aber wollten ein besseres Leben für mich. Die Schuppenflechte ist bei mir vor einigen Jahren aufgetreten. Ich muss etwa 20 Jahre alt gewesen sein. Ich bin zum Glück nur an wenigen Stellen betroffen und das weder an den Händen, im Gesicht oder am Kopf. Man sieht meine Krankheit im Alltag also nicht. Trotzdem trage ich ungern kurze Röcke oder gehe nicht zum Schwimmen.

2. Was hat sich bei dir seit dem Ausbruch der Krankheit verändert?

Trotz dass ich nur an einigen Stellen betroffen bin, trage ich lieber lange Kleidung. Ich verstecke meine Stellen. Nicht einmal meine besten Freunde wissen von der Schuppenflechte, da ich mich dafür schäme. Aber genau das belastet mich sehr.

3. Welche Therapien hast du bereits ausprobiert und was wurde daraus?

Ich habe bisher hauptsächlich Cremes benutzt, mal mit mal ohne Kortison. Die mit Kortison haben immer eine Zeit lang geholfen, aber ich wollte das nicht auf Dauer nehmen. Die Sonne hilft mir auch immer. Wenn ich im Urlaub am Meer war, ist es meistens sehr gut und meine Schuppenflechte eher weg. Vielleicht ziehe ich irgendwann ans Meer

4. Welche Tipps und Tricks kannst du allgemein an andere Betroffene weitergeben?

Bring deine Haut in die Sonne. Das ist das beste Medikament gegen Schuppenflechte.

5. Was war dein positivstes, was dein negativstes Erlebnis im Zusammenhang mit Schuppenflechte?

Schwierige Frage. Ich glaube, dass jeder Tag eine Herausforderung ist. Ich muss mich selbst zwingen, mich nicht zu sehr zu verstecken. Gerade im Sommer haben mich schon Kollegen angesprochen, warum ich so warm angezogen bin. Glücklich bin ich immer, wenn meine Haut kaum betroffen ist. Dann fühle ich mich frei und unbeschwert

6. Was läuft deiner Meinung nach derzeit im Umgang mit Psoriasis falsch?

Das Selbstbewusstsein, mit der Schuppenflechte umzugehen, fehlt. Ich würde mir wünschen, dass es leichter ist, seine kranke Haut zu zeigen. Mich stresst das sehr. Ich weiß leider auch nicht woran, das liegt. Vielleicht müssen mehr Leute die Krankheit kennen und verstehen, dass sie nicht schlimm ist.

7. Was würdest du zu Jemandem sagen, der kürzlich die Diagnose Psoriasis bekommen hat?

Sei von Anfang an offen zu allen mit deiner Erkrankung. Je länger du nichts davon erzählst und je mehr du in dich hineinfrisst, desto schwieriger wird es, über sie zu sprechen. Ich habe den Fehler gemacht. Und bis jetzt hat mir der Mut gefehlt, offen über meine kranke Haut zu sprechen.

8. Welche Themen bzw. Schwerpunkte würdest du dir zukünftig bei Farbenhaut wünschen?

Mehr Interviews. Ich finde diese Möglichkeit toll und sie hilft mir, besser mit meiner Krankheit umzugehen.

Du möchtest auch deine Geschichte teilen?

Nun bist du an der Reihe! Hilf mit, Psoriasis vom fauchenden Löwen zum zahmen Kätzchen zu machen. Mach anderen Mut, offener und selbstbewusster mit der eigenen Krankheit und dem eigenen Körper umzugehen. Verrate deine Tricks, was dich zum Lachen oder zum Verzweifeln bringt. Und wie Willy Brandt schon zu sagen pflegte: „Der beste Weg die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“. Hilf also auch du mit, die Geschichte von Psoriasis neu zu schreiben und erzähle mindestens zwei Millionen Betroffenen im deutschsprachigen Raum deine Story.

Bernd

Bernd ist einer der beiden Gründer von Farbenhaut. Er leidet seit über 20 Jahren an Psoriasis, sieht die chronischen Hauterkrankung aber mit mehr Gelassenheit als noch vor ein paar Jahren (was ein hartes Stück Arbeit war). Nichtsdestotrotz ist es ihm ein großes Anliegen, Psoriasis einfacher und sozial akzeptierter zu machen.