Neurodermitis und Ernährung ist ein Thema, das viele Betroffene beschäftigt. Der Begriff Neurodermitis beschreibt eine entzündliche Hauterkrankung. Sie ist auch unter dem Namen atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem bekannt. Dabei kommt es zu Reizungen der Haut, juckenden Hautstellen, Schuppenbildung und nässenden Blasen. Vor allem Kinder unter 2 Jahren sind von dieser Hauterkrankung betroffen. Allerdings können auch Kinder und Erwachsene daran erkranken. Die Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht, allerdings spielen erbliche Faktoren und Umwelteinflüsse eine Rolle. Bei der Behandlung von Neurodermitis ist die Ernährung ein wichtiger Baustein.

Der Zusammenhang Neurodermitis Ernährung

Bei vielen Menschen, die unter Neurodermitis leiden, liegen auch Allergien gegen Nahrungsmittel vor.
Besonders häufig sind Allergien gegen:

  • Kuhmilch,
  • Nüsse,
  • Fisch,
  • Meeresfrüchte,
  • Eier,
  • Sojaprodukte oder
  • Gluten.

Diese Lebensmittel sind kein Auslöser der Erkrankung, können aber ein Aufflammen auslösen. Dabei ist wichtig, dass nicht jeder Betroffene auf die selben Lebensmittel reagiert. Daher lohnt es sich, verschiedene Ernährungsformen auszuprobieren, um die Behandlung zu unterstützen. Vorab sollte idealerweise ein Allergietest gemacht werden, um allergieauslösende Lebensmittel bei der Neurodermitis Ernährung auszuschließen. 

Welche Lebensmittel sind gut für eine Neurodermitis Ernährung?

Der Zusammenhang Neurodermitis und Ernährung ist hochindividuell. Welche Lebensmittel gut vertragen werden und welche besser vermieden werden sollten, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Es hat sich gezeigt, dass vor allem eine Ernährungsweise, die auf entzündungshemmenden Lebensmittel basiert dabei helfen kann, die Symptome der Neurodermitis zu mindern.

Besonders vielversprechend sind die folgenden Lebensmittel:

Fetter Fisch

Fischsorten mit einem hohen Fettanteil haben einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren. Diese wirken besonders entzündungshemmend. Besonders Lachs und Hering sind reich daran. Kann nicht ausreichend Omega-3-Fettsäuren über die Nahrung aufgenommen werden, können diese auch über Nahrungsergänzungsmittel zugefügt werden. 

Lebensmittel, die Quercetin enthalten

Quercetin ist ein pflanzliches Flavonoid und starkes Antioxidans und Antihistaminikum. Es hilft dem Körper dabei, schädliche Stoffe wie freie Radikale zu reduzieren, und es bekämpft Entzündungen. Quercetin kommt natürlich in vielen Früchten und Gemüsesorten vor.
Besonders viel Quercetin enthalten:

  • Äpfel,
  • Zwiebeln,
  • Brokkoli,
  • grüne Bohnen,
  • Grünes Blattgemüse,
  • Blaubeeren und
  • Kirschen.

Probiotische Lebensmittel

Das Besondere an probiotischen Lebensmitteln ist, dass sie lebende Kulturen enthalten. Diese stärken das Immunsystem und können dazu beitragen, allergische Reaktionen und das Aufflammen von Neurodermitis zu reduzieren.
Besonders reich an Probiotika sind:

  • Joghurt,
  • Kefir,
  • Weichkäse (wie zum Beispiel Gouda),
  • Sauerteigbrot,
  • Fermentiertes Gemüse (wie Sauerkraut),
  • Miso oder
  • Tempeh.

Welche Lebensmittel vermeiden bei einer Neurodermitis Ernährung?

Lebensmittel sind im Regelfall kein Auslöser für Neurodermitis. Sie können aber einen Schub auslösen, beziehungsweise Symptome verschlimmern. Dies trifft besonders dann zu, wenn Lebensmittel gegessen werden, auf die der Körper allergisch reagiert. Neben den typischen Allergieauslösern wie Milchprodukten, Eiern und Nüssen, regieren Betroffene besonders häufig auf folgende Lebensmittel allergisch:

Sojaprodukte

Soja und Sojaprodukte wie Sojasauce, Tofu und vegetarische Ersatzprodukte. Auch einigen Fleischwaren wird Soja zugesetzt. Zudem kommt es oft in Suppenwürfeln vor.

Konservierungsstoffe

Lebensmittel, die Konservierungsstoffe und künstliche Inhaltsstoffe enthalten, können die Symptome ebenfalls verschlimmern. Künstliche Inhaltsstoffe und Konservierungsstoffe sind in den meisten verarbeiteten Lebensmitteln enthalten. Auch in Getränken wie Fruchtsäften, Limonaden und alkoholischen Getränken kommen sie vor.

Hoher Zuckergehalt

Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt können auch Ekzeme auslösen, da der Zucker den Insulinspiegel anhebt, was zu Entzündungen führen kann. Besonders Zuckerreich sind Speisen wie Süßigkeiten und Backwaren. Auch bei Getränken sollten Betroffene vorsichtig sein. Vor allem Limonaden, Smoothies und Milchmischgetränke enthalten oftmals eine hohe Menge Zucker. 

Fast Food 

Stark verarbeitete Lebensmittel wie Fast Food sollten bei der Neurodermitis Ernährung vermieden werden. Sie enthalten neben künstlichen Inhaltsstoffen oftmals viel Zucker, ungesunde Transfettsäuren und Konservierungsmittel. Alles Inhaltsstoffe, die einen Schub auslösen, beziehungsweise verschlimmern können. 

Welche Ernährungsform ist besonders gut bei Neurodermitis?

Bisher gibt es keine allgemeine Neurodermitis Ernährung, die empfohlen wird. Da die Symptome und deren Auslöser stets individuell sind, reagiert jeder Betroffene anders. Dennoch haben sich einige Ernährungsweisen als besonders vielversprechend für Betroffene herausgestellt. 

Mediterrane Diät

Die Mittelmeerküche ist reich an frischem Gemüse, gesunden Fetten, wie Olivenöl und Fisch. Rotes Fleisch wird selten verzehrt. Typisch für die Mittelmeerküche ist auch der Rotwein. Dieser enthält Quercetin, ein starkes Flavonoid. Eine geringe Rolle spielen bei dieser Ernährungsweise stark zuckerhaltige Desserts.

Entzündungshemmende Neurodermitis Ernährung

Diese Ernährungsform hat zwei Schwerpunkte. Zum einen die Reduktion von Lebensmitteln, die Entzündungen verstärken können. Zum anderen der verstärkte Verzehr von Lebensmitteln, die dem Körper dabei helfen, Entzündungen zu bekämpfen. Im Mittelpunkt dieser Ernährungsform stehen frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, gesunde Fette und fetter Fisch. Auf stark verarbeitete Lebensmittel wird verzichtet.

Glutenfreie Ernährung

Bei manchen Menschen scheinen Zöliakie und Neurodermitis Hand in Hand zu gehen. Einige Untersuchungen legen nahe, dass beide Erkrankungen auf eine genetische Verbindung zurückgehen. Zur Behandlung der Glutenunverträglichkeit wird auf glutenhaltige Lebensmittel verzichtet. Dies kann sich in Folge auch positiv auf die Haut auswirken und Neurodermitisschübe verhindern, beziehungsweise abschwächen. Typischerweise befinde sich Gluten in Backwaren, Frühstücksflocken, Brot, vielen Soßen und Süßwaren. Inzwischen gibt es ein breites Angebot an glutenfreien Lebensmitteln und Alternativen. 

Autoimmunprotokoll (AIP)

Obwohl Neurodermitis nicht als Autoimmunkrankheit anerkannt ist, profitieren viele Betroffene vom Autoimmunprotokoll (AIP) als Neurodermitis Enrährung. Diese Ernährungsform basiert auf dem Paleo Prinzip und es werden alle Lebensmittel entfernt, die den Körper schwächen können. Dazu zählen vor allem Milchprodukte, Getreide, Nachtschattengewächse und Hülsenfrüchte. Der Schwerpunkt der Ernährung liegt auf natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln, die auf die Ernährungsform der Steinzeit zurückgehen. Auf dem Speiseplan stehen also frisches Obst und Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte, hochwertiges Fleisch und hochwertige Fette. 

Ausschlussverfahren als Neurodermitis Ernährung

Liegen Nahrungsmittelallergien vor, so kann mit dem Ausschlussverfahren gearbeitet werden. Vor allem wenn nicht sicher feststeht, welche Lebensmittel Schübe auslöse, kann diese Methode Aufschluss geben. Dabei werden bestimmte Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen für einen bestimmten Zeitpunkt (einige Tage bis Woche) aus dem Speiseplan entfernt. Während dieses Zeitraums wird beobachtet, wie sich die veränderte Ernährung auf die Haut auswirkt. Bei diesem Ansatz der Neurodermitis Ernährung sind Geduld und gute Beobachtungsgabe nötig, oft bringt er aber wichtige Ergebnisse für die weitere Ernährungsweise. 

Neurodermitis Ernährung – worauf ist zu achten?

Auch wenn es dauern kann, die richtige Neurodermitis Ernährung zu finden, so lohnt es sich, verschiedene Ernährungsformen auszuprobieren. Unabhängig von spezifischen Ernährungsprotokollen haben sich folgende einfache Grundregeln bei der Neurodermitis Ernährung bewährt.

Viel Obst und Gemüse

Basis der Ernährung bei Neurodermitis sollten Obst und Gemüse sein. Neben wichtigen Vitaminen, Spurenelementen und Ballaststoffen liefern sie auch wichtige Flavonoide und Antioxidantien. Daher sollten sie den Hauptbestandteil der Ernährung ausmachen. Für den höchsten Nährstoffgehalt und geringe Schadstoffbelastung am besten auf  regionale Produzenten und Bioprodukte zurückgreifen!

Gesunde Fette

Hochwertige Fette unterstützen den Körper bei der Heilung und verringern Entzündungsherde. Besonders fetter Fisch wie Hering und Lachs sind hervorragende Fettlieferanten. Auch Avocados und natives Olivenöl  liefern hochwertige Fette.

Wenig Zucker

Zucker kann Entzündungen im Körper verstärken und sollte daher bei Neurodermitis Ernährung vermieden werden. Besonders zuckerhaltig sind Süßigkeiten, Fertigprodukte, Soßen wie Ketchup und Trockenfrüchte. Auch viele Getränke enthalten einen hohen Zuckeranteil.

Gluten reduzieren

Viele Betroffene profitieren von einer glutenfreien Ernährung. Brot, Backwaren, Nudeln und Fertigsaucen sollten daher vom Speiseplan gestrichen werden. Im Handel gibt es inzwischen eine breite Auswahl an Alternativen, auf die Betroffene zurückgreifen können.

Unbehandelte Lebensmittel

In vielen Fertigprodukten und Fast Food sind künstliche Zusatzstoffe und Konservierungsmittel enthalten. Diese können einen Neurodermitisschub auslösen und sollten daher bei der Neurodermitis Ernährung vermieden werden. Auch enthalten Fertigprodukte oft einen hohen Anteil an Zucker und ungesunden Fetten. 

Allergene vermeiden

Viele Betroffene leiden an Lebensmittelallergien. Besonders häufig sind Allergien gegen Milchprodukte, Nüsse, Gluten und Sojaprodukte. Daher sollte bei einer Neurodermitis Ernährung auf diese Produkte, auf die der Körper allergisch reagiert, verzichtet werden. 

Darmflora stärken

Die Haut und der Darm sind verbunden. Bei einer Neurodermitis Ernährung sollte daher auf jeden Fall auch Produkte verzehrt werden, die die Darmflora stärken. Dazu gehören Joghurt und Kefir, fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi und Hefe.

Q&A

Was bei Neurodermitis Ernährung vermeiden?

Bei vielen Betroffenen lösen folgende Lebensmittel einen Schub aus: Kuhmilch, Nüsse, Eier, Sojaprodukte und Gluten. Im Zweifel sollte ein Allergietest gemacht werden. 

Was ist gut bei Neurodermitis Ernährung?

Ernährung bei Neurodermitis ist individuell, aber viele Betroffene berichten, dass folgende Lebensmittel der Haut guttun: frisches Obst und Gemüse, fetter Fisch, gesunde Öle, probiotische Lebensmittel. 

Gibt es eine Neurodermitis Diät?

Auch wenn es noch keine eindeutige Diät für Neurodermitis gibt, so machen viele Betroffene gute Erfahrung mit folgenden Ernährungsformen: Mittelmeerdiät, Paleo Autoimmunprotokoll (AIP), glutenfreie Ernährung und dem Ausschlussverfahren.

Hier klicken, dann findest du alle Quellenangaben

Die Ernährungs-Docs – Gesunde Haut: Die besten Ernährungsstrategien bei Neurodermitis, Schuppenflechte, Akne & Co, Dr. med. Matthias Riedl, Dr. med. Anne Fleck, Dr. med. Jörn Klasen, ZS Verlag GmbH, 2019

Jucken ade: Richtig essen bei Neurodermitis Katharina Ziegelbauer,  Kneipp Verlag, 2017

Die hautfreundliche Küche: Neurodermitis: Leckere Rezepte für eine bewusste Ernährung als Beitrag zur Linderung der Hauterkrankung, Astrid Olsson, Eigenverlag, 2020, über www.amazon.de