Cremes und Salben und auch Medikamente kennen die meisten Neurodermitis Betroffenen, aber Immunadsorption zur Behandlung von Neurodermitis ist für viele noch eine unbekannte Therapieform. In diesem Artikel beleuchten wir, was sich hinter dieser Behandlungsform verbirgt, ob die Immunadsorption bei Neurodermitis helfen kann und was du beachten musst, falls du diese Therapieform für dich wählst.

Was ist Immunadsorption?

Die Immunadsorption ist eine Technik zur Entfernung von Antikörpern und Molekülen aus dem Blut. Salopp formuliert könnte man also von “Blutwäsche” sprechen. Besonders interessant ist diese Methode, da sie es erlaubt, spezifische krankmachende Bestandteile aus dem Blut zu entfernen. Schwere Nebenwirkungen treten dabei nur selten auf. Das macht diese Technik zu einer interessanten Behandlungsmethode bei bestimmten Autoimmunerkrankungen.

Seit wann wird die Immunadsorption eingesetzt?

Die Immunadsorption  wurde in den 1990er Jahren als Methode zur extrakorporalen Entfernung von Molekülen aus dem Blut, insbesondere von Molekülen des Immunsystems, entwickelt. Es gibt unterschiedliche Methoden und Vorrichtungen, sodass diese Technik in unterschiedlichen Anwendungsgebieten eingesetzt wird. Besonders wirksam ist die Methoden im Zusammenhang mit Transplantaten und der Behandlung von Sepsis (Blutvergiftung), aber sie wird auch erfolgreich bei  Autoimmunerkrankungen wie der Schuppenflechte oder chronischen Erkrankungen wie der Neurodermitis eingesetzt. 

Wie funktioniert die „Blutwäsche“?

Trotz der großen Anzahl unterschiedlicher Methoden ist das Grundprinzip des Verfahrens durchweg ähnlich. Grundlage ist ein zentralvenöser Zugang (herznahe Venen), da für diese Methode ein ausreichender Blutfluss benötigt wird. Typischerweise werden 100-150 ml Blut pro Minute gefiltert. Das System selbst ist ein geschlossenes System, bei dem ein Einwegschlauch verwendet wird, der das Blut vom Zentralvenenkatheter durch die Säule zu einem Plasma- oder Zellseparator leitet, in dem das Plasma von den Blutzellen getrennt wird. Danach werden die Blutbestandteile kombiniert und über den Zentralvenenkatheter zurück in den Körper geleitet. Unter “Säule” wird hierbei das Filtersystem verstanden, an dem die gesuchten Bestandteile “kleben” bleiben und so aus dem Blut entfernt werden.

Was muss bei der Durchführung einer Immunadsorption beachtet werden?

Alle Patienten, die sich einer Blutwäsche unterziehen, benötigen eine Antikoagulation, benötigen also Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen. Dies erfolgt normalerweise in Form von Citrat-Natrium mit intravenösem Calciumersatz.

Welche Systeme gibt es?

Am Häufigsten kommen Zweisäulensystemen zum Einsatz. Hier passiert das Plasma eine Säule, während die zweite Säule wiederaufbereitet wird. Sobald die aktive Säule gesättigt ist, wechselt der Plasmastrom zur zweiten Säule, während die erste Säule wiederaufbereitet wird. Dieses System ermöglicht eine kontinuierliche Behandlung des Plasmas ohne theoretische Obergrenze für die Anzahl der zu behandelnden Plasmavolumen.

Ist die Immunadsorption gefährlich?

Im Regelfall werden Einweg Materialien bei der Blutwäsche verwendet. Daher ist das Risiko, an einer über das Blut übertragbaren Krankheit zu erkranken minimal. Es besteht jedoch immer noch ein theoretisches Risiko für eine Kreuzinfektion. Ein Screening vor der Therapie auf durch Blut übertragene Viren ist ratsam.

Wie häufig kann das Blut gefiltert werden?

 Abhängig von der behandelten Erkrankung können Sitzungen täglich oder bei Bedarf durchgeführt werden. Wie oft das Blut tatsächlich gefiltert wird, hängt auch von individuellen Faktoren wie Vorerkrankungen, Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. 

Wird Immunadsorption bei Neurodermitis eingesetzt?

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die durch juckende, schuppige Hautstellen gekennzeichnet ist. Oftmals schmerzen die betroffene Hautzellen und sind von Entzündungen betroffen. Die Auslösung ist noch nicht vollständig erforscht, es werden aber genetische und umweltbedingte Faktoren, sowie der Lebensstil (zum Beispiel Stress) als Faktoren angenommen. Auch wenn nicht eindeutig geklärt ist, ob Neurodermitis eine Autoimmunerkrankung ist, so gehen Experten immer mehr davon aus, weil es sich prinzipiell um eine Überreaktion des Immunsystems handelt, wie es auch bei den klassischen Autoimmunerkrankungen wie der Schuppenflechte der Fall ist. Daher ist die Immunadsorption bei Neurodermitis ein Therapieansatz.

Wie funktioniert Immunadsorption bei Neurodermitis?

Bei der Behandlung von Neurodermitis mittels der Immunadsorption wird das Blut von Bestandteilen gereinigt, die mit Neurodermitis in Zusammenhang stehen. Konkret werden gezielt Antikörper Immunglobulin E (IgE)  aus dem Blut entfernt. Diese stehen in Verdacht, Neurodermitis auslösen. Studien haben gezeigt, dass ein erhöhter Wert des Antikörpers ein Trigger für Neurodermitis sein kann.

Ist die Immunadsorption bei Neurodermitis gut erforscht?

Die Immunadsorption bei Neurodermitis wird in einigen Ländern schon länger als Behandlungsmethode eingesetzt. In Deutschland bekam diese Therapieform vor 10-20 Jahren einen großen Aufschwung und war Gegenstand von Studien und Versuchen. Vor allem Kliniken, die sich auf Autoimmunerkrankungen und Haut spezialisiert haben, führten umfassende Untersuchungen in diesem Bereich durch. 

Hilft Immunadsorption bei Neurodermitis?

Die Immunadsorption bei Neurodermitis ist ein Therapieansatz, der gerade bei schweren Formen der Neurodermitis gut helfen kann. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Blutwäsche die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert. Im Regelfall werden weniger Medikamente benötigt und oftmals kann auch der Einsatz von Cremes und Salben reduziert werden. Viele Betroffene berichten darüber hinaus, dass sich der starke Juckreiz deutlich verbessert hat.

Wirkt die Immunadsorption bei Neurodermitis schnell und effektiv?

Auch wenn diese Ergebnisse vielversprechend sind, so muss auch gesagt werden, dass die Immunadsorption bei Neurodermitis keine Wunder verbringen kann. Für einen merkbaren Effekt müssen mehrere Behandlungen unter ärztlicher Aufsicht vorgenommen werden. Meist wird die Blutwäsche auch in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden wie Medikamenten und Cremes durchgeführt. Wird die Immunadsorption aber als langfristige Therapie bei Neurodermitis gesehen, kann sie für Betroffene eine gute und vielversprechende Behandlungsmethode sein. 

Wird die Immunadsorption bei Neurodermitis als Standardtherapie eingesetzt?

Da die Blutreinigung eine aufwendige Therapieform ist, wird sie im Regelfall nicht im Zuge einer normalen Therapie für Neurodermitis eingesetzt. Gerade milde und schwere Fälle können gut mit herkömmlichen Behandlungsmethoden wie Salben und Cremes, sowie spezifischen Medikamenten für Neurodermitis (systemische Therapie) behandelt werden. Für Menschen mit schwerer Neurodermitis ist die Immunadsorption aber ein interessanter Behandlungsansatz. Gerade dann, wenn herkömmliche Medikamente nicht ausreichend wirken, kann durch die Immunadsorption die Neurodermitis oftmals gut in den Griff bekommen werden. 

FAQ

Was ist die Immunadsorption?

Salopp formuliert ist die Immunadsorption eine Blutwäsche, bei der krankmachende Bestandteile aus dem Blut gefiltert werden. Diese Therapie kommt bei Sepsis, aber auch Autoimmunerkrankungen wie der Neurodermitis zum Einsatz.

Wirkt die Immunadsorption bei Neurodermitis?

Bei leichten oder mittleren Verläufen wird die  Immunadsorption bei Neurodermitis nicht eingesetzt, sie kann allerdings bei schweren Verläufen eine gute Ergänzung zu Medikamenten und Cremes sein.

Wie schnell wirkt die Immunadsorption bei Neurodermitis?

Um einen guten Therapieerfolg zu erzielen, muss bei Neurodermitis die Immunadsorption länger eingesetzt werden. Schnelle Effekte sind nicht zu erwarten, allerdings kann dieser Therapieansatz langfristig gesehen gute Ergebnisse bringen. 

Hier klicken, dann findest du alle Quellenangaben

Klinische Immunadsorption: Eine aktuelle Standortbestimmung Reinhard Brunkhorst, Karl M Koch, Robert Koll, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2000

Immunoadsorption, current status and future developments N Braun, T Bosch, via https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11060790/ (Stand Mai 2021)

Transfusion Medicine and Hemostasis Beth Shaz Christopher Hillyer Morayma Gil, Elsevier Science, 2018