Autoimmunerkrankungen nehmen zu – Mediziner gehen davon aus, dass heute rund fünf bis zehn Prozent der Menschen unter einer oder mehreren Autoimmunkrankheiten leiden.

Doch was genau ist eine Autoimmunerkrankung? Was sind die Ursachen und Auslöser dieser Erkrankungen? Welche Krankheiten zählen dazu und welche Organe sind dabei betroffen?

Wir fassen zusammen und geben dir einen umfassenden Überblick!

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Unser Körper ist jeden Tag mit unzähligen Krankheitserregern konfrontiert. Dazu zählen Viren, Bakterien, Schimmelpilze, Parasiten und Schadstoffe. Um den Körper zu schützen und unsere Gesundheit zu erhalten, greift unser Immunsystem diese Krankheitserreger an.

Bei einer Autoimmunerkrankung gerät das Immunsystem allerdings aus dem Gleichgewicht und greift den eigenen Körper an

Was ist das Immunsystem?

Wenn wir vom Immunsystem sprechen, meinen wir vor allem die weißen Blutkörperchen (Leukozyten). An der Entstehung einer Autoimmunerkrankung beteiligt sich vor allem ein Typ Leukozyten: die Lymphozyten. 

Es gibt zwei Arten von Lymphozyten, die unterschiedlich wirken. Zum einen gibt es die T-Killerzellen, die alles angreifen, was sie nicht kennen. Andererseits gibt es die B-Zellen, die Antikörper gegen alles bilden, was ihnen fremd erscheint. Das richtige Zusammenspiel dieser beiden Zellen wehrt Krankheitserreger ab.

Wird unser Körper von einem Krankheitserreger attackiert, wird das Immunsystem aktiviert. Ist die Gefahr vorbei, fährt er es wieder herunter. Dafür sind die T-Helferzellen und T-Zellen zuständig. Beide Zellen greifen regulierend in den Organismus ein. Sie stellen sicher, dass die Immunabwehr nicht überreagiert und den eigenen Körper verletzt.  

Was verursacht Autoimmunerkrankungen? 

Wenn das Zusammenspiel zwischen T-Killerzellen und B-Zellen aber aus dem Gleichgewicht gerät, entsteht eine Autoimmunerkrankung.  

Konkret passiert Folgendes: 

  • Die Balance zwischen T-Killerzellen und B-Zellen gerät aus dem Gleichgewicht.
  • T-Helferzellen und T-Zellen regulieren nicht mehr richtig. Das Immunsystem wird nicht mehr verlässlich aktiviert beziehungsweise deaktiviert.
  • Die Immunabwehr kann nicht mehr zwischen Krankheitserregern und körpereigener Struktur unterscheiden.

Das Immunsystem greift den eigenen Körper an.   

Auslöser einer Autoimmunkrankheit

Autoimmunerkrankungen sind komplex. Die Wissenschaft forscht intensiv, dennoch liegen noch keine eindeutigen Ursachen vor. Folglich eine Aufzählung von Faktoren, die laut Medizin und Wissenschaft zu den möglichen Auslösern dieser Erkrankungen zählen.

  • Genetische Veranlagung: Bei einigen Autoimmunerkrankungen scheint eine genetische Disposition vorzuliegen. Vor allem bei Erkrankungen wie Rheuma, Multipler Sklerose und Morbus Crohn beobachten Ärzte eine familiäre Häufung. 
  • Infektionen: Manche Krankheitserreger ähneln körpereigenen Strukturen stark. Das hat zur Folge, dass das Immunsystem Bestandteile dieser Erreger mit körpereigenen Strukturen verwechselt und den eigenen Körper angreift. 
  • Impfungen: Ein ähnlicher Mechanismus wie bei Infektionen kann auch bei Impfungen auftreten. Studien zeigen, dass Impfungen Autoimmunreaktionen auslösen können. Dem entgegen stehen jedoch auch Studien, die dies widerlegen.  
  • Hormone: Gerät das hormonelle Gleichgewicht im Körper aus der Balance, kann das ebenfalls eine Autoimmunreaktion verursachen. Sie betrifft Frauen häufiger als Männer. Wissenschaftler kennen die genauen Ursachen hierfür bis dato nicht.  
  • Lebensstil: Ein ungesunder Lebensstil kann ebenfalls dazu beitragen, dass das Immunsystem überreagiert. Vor allem Stress und ungesunde Ernährung spielen hier eine Rolle.  
  • Darm: Die menschliche Immunabwehr wird vor allem im Darm gebildet. Ein gestresster oder entzündeter Darm, wie beispielsweise das Leaky Gut Syndrom, kann eine Autoimmunerkrankung auslösen. 
  • Vitamin Mangel: Liegt ein starker Vitaminmangel vor, führt das unter Umständen dazu, dass das Immunsystem aus den Fugen gerät. Eine spezielle Rolle spielt hier das Vitamin D

Welche Organe sind von Autoimmunkrankheiten betroffen? 

Reagiert das Immunsystem über, kann dies unterschiedliche Organe betreffen.  

  • Haut: Unsere Haut ist häufig die Zielscheibe, wenn eine Autoimmunkrankheit auftritt. Eine tiefgreifende Schädigung der Haut oder des Bindegewebes ist die Folge. Zu den Autoimmunerkrankungen der Haut zählen Schuppenflechte (Psoriasis), Sklerodermie, Lupus Erythematodes, Dermatomyositis und Sarkoidose. 
  • Schilddrüse: Reaktionen der Immunabwehr betreffen nicht selten die Schilddrüse. Richtet sich das Immunsystem gegen die Schilddrüse, entzündet sich diese. Das führt zu einer Unterfunktion (Hashimoto-Thyroidits) oder Überreaktion (Morbus Basedow) der Schilddrüse.  
  • Darm: Der Darm wird täglich mit Krankheitserregern und Giftstoffen konfrontiert. Somit ist er ein sensibles Ziel für Autoimmunerkrankungen. Mögliche Reaktionen sind Morbus Crohn, Zöliakie und Colitis ulcerosa. 
  • Niere: Autoimmunerkrankungen betreffen häufig auch Niere und Nebenniere. Typisches Beispiel ist Morbus Addison, eine Unterfunktion der Nebenniere.  
  • Leber: Greift das Immunsystem die Leber an, entzündet sie sich chronisch. Es bildet sich eine Autoimmunhepatitis. 
  • Auge: Die körpereigene Immunabwehr kann sich auch gegen das Auge richten. In diesem Fall gibt es hauptsächlich zwei Reaktionen. Die erste ist, dass sich die Gefäßhaut des Auges (Uveitis) entzündet. Die zweite Reaktion ist ein Austrocknen des Auges (Sjögren-Syndrom). Somit entzündet sich die Horn- und Bindehaut des Auges. 

Systemische Autoimmunerkrankungen

Gerät die Immunabwehr aus dem Gleichgewicht, greift es typischerweise einzelne Organe an. In schweren Fällen attackiert das Immunsystem jedoch gleich mehrere Organe gleichzeitig. In diesem Fall sprechen Ärzte von einer systemischen Autoimmunerkrankung.

Die Symptome sind in diesem Falle weitaus unspezifischer als bei organspezifischen Autoimmunreaktionen. Aus diesem Grund betreuen nicht selten Rheumatologen die Betroffenen.  

Welche Krankheiten sind Autoimmunkrankheiten?

Die Autoimmunerkrankungen sind vielschichtig und treten in unterschiedlichen Formen auf. Aktuell fallen circa 80 Krankheiten in diese Kategorie.

Die häufigsten Krankheitsbilder sind: 

  • Basedow-Krankheit: Die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) ist eine Erkrankung der Schilddrüse. Durch eine Überfunktion der Schilddrüse kommt es zu vielfältigen Beschwerden. Typischerweise trifft es die Augenregion. Das Gewebe rund um das Auge schwillt an, was die Augäpfel stark hervortreten lässt.  
  • Colitis Ulcerosa: Bei Colitis Ulcerosa entzündet sich der Dickdarm chronisch. Dies führt zu blutigen und schleimigen Durchfällen und starken Bauchschmerzen. Der gesamte Körper ist schwach und es kann zu Folgesymptomen kommen. Typisch für diese Krankheit ist, dass sich die Haut verändert, Gelenke anschwellen und sich die Augen entzünden.  
  • Diabetes-Typ-1: Bei dieser Krankheit zerstören Antikörperzellen die Bauchspeicheldrüse. Als Folge wird nicht mehr ausreichend Insulin produziert. Der Körper droht zu überzuckern. Um dem entgegenzuwirken, spritzen sich betroffene Patienten regelmäßig Insulin.  
  • Hashimoto-Thyreoiditis: Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Erkrankung der Schilddrüse. Die Schilddrüse entzündet sich und es werden nicht mehr ausreichend Schilddrüsenhormone produziert. Ständige Müdigkeit, Gewichtszunahme, Depression und erhöhte Blutfettwerte sind die Folge.  
  • Lupus erythematodes: Der Lupus erythematodes ist eine Autoimmunerkrankung, die Haut und Organe schädigt. Typische Symptome sind rote Stellen der Haut im Gesicht, Müdigkeit, Gelenks- und Muskelschmerzen. 
  • Morbus Bechterew: Der Morbus Bechterew ist ein entzündlich-rheumatisches Leiden. Er verursacht starke Rückenschmerzen und anhaltende Müdigkeit.  In weiterer Folge versteifen die Gelenke. 
  • Morbus Crohn: Der Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Darmes. Starke Bauchschmerzen, häufiger und heftiger Durchfall sind typische Symptome. Als Resultat ist der ganze Körper schwach. Die Haut verändert sich und in vielen Fällen schmerzen die Gelenke.  
  • Multiple Sklerose: Dieses Leiden des zentralen Nervensystems ist chronisch und tritt in Schüben auf. Als Folge treten Lähmungen, Sehstörungen und der Verlust von Sensibilität von Körperteilen auf.
  • Psoriasis (Schuppenflechte): Die Schuppenflechte ist eine Autoimmunerkrankung der Haut. Die Hautzellen teilen sich um ein Vielfaches schneller als bei gesunder Haut. Dies führt zu stark juckenden, entzündeten Hautstellen. Typisch sind die schuppigen Hautstellen, die der Krankheit ihren Namen geben. 
  • Rheumatoide Arthritis: Rheumatoide Arthritis geht mit chronisch entzündeten Gelenken einher. Starke Schmerzen in Fingern, Zehen und anderen Gelenken sind die Folge. Diese Autoimmunerkrankung verläuft typischerweise in Schüben. 
  • Rosacea: Diese entzündliche Hauterkrankung betrifft vor allem das Gesicht. Die Haut rötet sich, entwickelt Bläschen und schwillt an. 
  • Sarkoidose: Sarkoidose ist eine chronische Erkrankung des Bindegewebes. Charakteristischerweise treten Beschwerden der Lunge auf. Ein Druckgefühl im Oberkörper, Atembeschwerden und das Fehlen von Energie sind typische Krankheitsbilder. 
  • Sklerodermie: Dieses Leiden betrifft vor allem das Bindegewebe. Es verhärtet sich zunehmend. Dies führt zu Schmerzen und einem Verlust der Mimik. Das Gewebe wird schlechter durchblutet und das Schlucken fällt schwer. 
  • Vitiligo: Die Vitiligo ist eine entzündliche Hauterkrankung. Als Folge wird die Haut nicht richtig pigmentiert. Dies verursacht weiße Hautflecken. Vitiligo verläuft ohne körperliche Beschwerden. 
  • Zöliakie: Dieses Leiden des Magen-Darm-Trakts führt dazu, dass der Körper Gluten nicht mehr richtig verwerten kann. Eine Unverträglichkeit von Gluten ist die Folge. Bleibt sie unerkannt, treten heftige Beschwerden des Verdauungstrakts auf. Mangelnde Energie und Depression sind ebenfalls Hinweise auf diese Autoimmunerkrankung.

Vielleicht vermisst du Neurodermitis (auch atopisches Ekzem genannt) auf der Liste? Bei dieser Krankheit handelt es sich um eine allergische Hauterkrankung. Der Grund hierfür ist ganz einfach erklärt: Bei dieser Art der Erkrankung greifen Immunzellen nicht oder nur selten die gesunden Zellen des Körpers an. Und das wiederum wäre die Grundvoraussetzung für eine Autoimmunkrankheit.

Autoimmunkrankheit – Diagnose

Die Autoimmunerkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Es gibt circa acht Millionen Betroffene. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Erkrankten weiter ansteigen wird. Ein Grund dafür ist auch, dass die Diagnosen präziser werden. 

Besteht der Verdacht auf eine Autoimmunkrankheit, nutzen Ärzte zur Diagnose unterschiedliche Methoden:

  • Blutuntersuchungen,
  • Entnahme von Gewebeproben,
  • Untersuchung des Verdauungstraktes (wie beispielsweise Darmspiegelung),
  • Analyse des Stuhls,
  • Gelenkpunktion,
  • Neurologische Untersuchungen,
  • Funktionstest von Organen (wie beispielsweise Lunge).

Je nach Verdacht setzen Ärzte unterschiedliche Methoden für die Diagnose ein. Oftmals durchlaufen Patienten mehrere Analyseverfahren, bis eine klare Diagnose feststeht. 

Ernährung bei Autoimmunerkrankungen

Die Autoimmunerkrankungen sind bis heute nicht heilbar. Neben der Therapie mittels Medikamenten kann auch eine gesunde Lebensweise die Symptome deutlich verbessern. Besonders wirksam ist es, den Stress zu reduzieren und sich ausgewogener zu ernähren. 

Je nach Leiden helfen unterschiedliche Ernährungsweisen. Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung mit naturbelassenen Lebensmitteln unterstützt die Immunabwehr nachweislich. 

Die folgenden Ernährungsweisen helfen, den Darm zu stärken, wirken entzündungshemmend und stärken die Immunabwehr: 

  • Glutenfreie Ernährung: Der Verzicht auf Gluten entlastet den Darm und reduziert Entzündungsherde. Die glutenfreie Ernährungsweise ist ein vielversprechender Ansatz bei Autoimmunerkrankungen. 
  • Paleo-Diät: Die Paleo-Diät lindert Entzündungsherde im Körper und wirkt gegen das Leaky Gut Syndrom. Eine spezielle Ernährungsweise ist dabei das Paleo Autoimmunprotokoll (AIP).
  • Zuckerfrei-Diät: Die zuckerfrei Diät unterstützt den Darm bei der Regeneration. Darüber hinaus entzieht die zuckerfreie Ernährungsweise Entzündungsherden den Nährboden. 

Autoimmunerkrankungen sind vielfältig – die Heilungsansätze auch

Du siehst, dass Autoimmunerkrankungen in unterschiedlichen Formen auftreten. Sie betreffen die Haut, innere Organe oder Gelenke. Ob Schuppenflechte, Morbus Crohn oder Multiple Sklerose: Viele Betroffenen leiden stark unter ihren Symptomen.

Für einen Behandlungserfolg ist eine präzise Diagnose wichtig. Darauf aufbauend helfen Medikamente gezielt. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt der Lebensstil. Eine Stressreduktion und abgestimmte Ernährungsweise unterstützen die medikamentösen Behandlungsansätze maßgeblich. 

FAQ zu Autoimmunerkrankungen

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Bei einer Autoimmunkrankheit bekämpft der Körper sich selbst und richtet sich gegen sich. Der Organismus zerstört körpereigene Zellen und bildet Antikörper, da er fälschlicherweise von Krankheitserregern ausgeht. So manipuliert der Körper das Immunsystem und es kommt zu einer Immunreaktion.

Was sind die Auslöser einer Autoimmunerkrankung?

Autoimmunerkrankungen sind äußerst komplex und können aus einer der Kombination einer Vielzahl von Faktoren entstehen. Als mögliche Auslöser gelten genetische Veranlagung, Infektionen, Impfungen, Hormone, der Lebensstil, Darm oder ein Vitamin Mangel.

Was kann ich gegen eine Autoimmunkrankheit tun?

Neben einer medikamentösen Behandlung spielt vor allem die Ernährung eine große Rolle bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen. Zudem ist der Lebensstil inkl. Stress ein wichtiger Faktor. Grundlage einer Behandlung ist immer eine exakte Diagnose.

Ist Psoriasis eine Autoimmunerkrankung?

Wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen dafür, dass es sich bei Schuppenflechte um eine Autoimmunkrankheit handelt. Das Immunsystem richtet sich hier gegen die körpereigenen Zellen. Die Folge daraus ist, dass sich die Haut zu schnell erneuert, was zu roten Hautstellen und der namensgebenden Schuppung führt.

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Quellen:

Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln: Das 4-Schritte-Programm für ein gesundes ImmunsystemSusan Blum, Michele Bender, VAK Verlag, 2019

Autoimmunerkrankungen in den Griff bekommen: Die besten ganzheitlichen TherapienNicole Schaenzler, Markus Breitenberger, GRÄFE UND UNZER Verlag, 2019

Autoimmunerkrankungen – Ein Leitfaden für HausärzteHerold, K. Conrad, U. Sack, Pabst Science Publishers, 2014

Die Autoimmun-Lösung: Ein gesundes Immunsystem beginnt im DarmAmy Myers  (Autor), Rotraud Oechsler, Irisiana Verlag, 2016

AutoimmunerkrankungenKlasen, naturmed Fachbuchvertrieb, 2011via: https://www.naturmed.de/wp-content/uploads/productpdf/auto.zsm.pdf (Stand August 2019)

Der Weg zur DiagnoseErika Gromnica-Ihle, Springer Verlag 2018via: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-56812-5_3 (Stand August 2019)