Steinkohlenteer (Pix lithanthracis) ist eine Substanz, die als Nebenprodukt bei der Koksgewinnung aus den anfallenden Gasen entsteht. Mediziner und Apotheker nutzen Steinkohleteerpräparate zur Behandlung von chronisch entzündlichen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Neurodermitis und Ekzemen.

Es wirkt antientzündlich und antiseptisch, enthält aber krebserregende Stoffe und ist nicht zur Langzeittherapie geeignet. Steinkohlenteerlösungen sind verschreibungspflichtig. Der Arzt passt die Rezeptur an die Form und Ausprägung der Krankheit an.

Wir erklären dir, was Steinkohlenteer ist und wie es hergestellt wird. Außerdem erfährst du, wie es in der Medizin und Pharmazie trotz bekannten Risikopotenzials beispielsweise in Form einer Steinkohlenteerlösung zur Anwendung kommt.

Was ist Steinkohlenteer?

Steinkohlenteer entsteht als Nebenprodukt bei der sogenannten Verkokung von Kohle. Das übelriechende, zähflüssige, schwarze Gemisch besteht aus bis zu 10.000 verschiedenen chemischen Verbindungen. Dazu zählen beispielsweise Kohlenwasserstoffe, stickstoffhaltige Basen und Phenole.

Steinkohle wird dabei unter Ausschluss von Sauerstoff in verschlossenen Gefäßen auf 650°-800° erhitzt. Die Kohle zersetzt sich bei diesem Vorgang der Herstellung zu folgenden Substanzen:

  • 80 % Koks,
  • 10 % Gas,
  • 5 % Ammoniak und
  • 5 % Steinkohlenteer.

Verwendung von Steinkohlenteer

Insbesondere in der chemischen Industrie findet Steinkohlenteer als Rohstoff viele Bereiche der Verwendung, wie beispielsweise in der Herstellung von Teerfarbstoffen oder Carbolineum. Darüber hinaus wird es im Straßenbau als Teer, für die Herstellung von Dachpappe oder als Holzschutzmittel eingesetzt.

Auch die Pharmazie nutzt Steinkohlenteer (Fachbegriff: Pix lithanthracis). Sie setzt die gereinigten Extrakte bei der Behandlung von Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris), chronischen Ekzemen und bei Neurodermitis beispielsweise in Form von Steinkohlenteerlösungen ein.

Es wirkt hemmend bei Entzündungen und Juckreiz. In der Apotheke erhältst du diese Produkte in der Regel in Form von Steinkohleteerlösungen. Der Apotheker stellt auf Verordnung deines Arztes nach individueller Rezeptur das Präparat mit definiertem Wirkungsgrad für dich her. Möglich ist auch die Verarbeitung als Shampoo, Salbe, Creme oder Seife.

Als Inhaltsstoff bei Kosmetikprodukten hingegen ist Steinkohlenteer in Deutschland wegen seinen karzinogenen (krebserregenden) Eigenschaften verboten. Auch verschiedene giftige und umweltschädliche Bestandteile führen zu Bedenken bei der Anwendung von Steinkohlenteer.

Ausnahme für dieses Verbot stellen – wie bereits erwähnt – Rezepturen in der Pharmazie dar, die auf ärztliche Verordnung verschrieben und in der Apotheke individuell hergestellt werden.

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Risiken bei einer Therapie mit Steinkohlenteerlösung

Die Behandlung mit Steinkohlenteerlösungen unterliegt einer strengen ärztlichen Kontrolle. Denn trotz langjährigen Einsatzes von steinkohlenteerhaltigen Produkten und Arzneimitteln in der Medizin und Pharmazie, ist der genaue Wirkungsmechanismus wissenschaftlich noch nicht genau geklärt.

Steinkohlenteer enthält krebserregende Inhaltsstoffe. Das ist wohl das ausschlaggebendste aller Risiken. Ferner kann es bei Empfindlichkeit beispielsweise zu einer Reizung der betroffenen Hautstellen kommen.

Aufgrund der Risiken wird dein Arzt zunächst risikoärmere Alternativen in Betracht ziehen. Die Verwendung von Produkten wie Steinkohlenteerlösungen verschreibt er dir erst nach einer sorgfältigen Abwägung zwischen den Risiken und dem Nutzen.

Eine Behandlung bei Schwangeren, Kindern und Säuglingen mit Lösungen auf Steinkohlenteerbasis schlagen Ärzte einstimmig aus. Bei erwachsenen Patienten sollte eine Therapie nicht länger als 4-6 Wochen dauern.

Zum Einsatz kommt Steinkohlenteerlösung bei pharmazeutischer Anwendung meist in Form von einer

  • Salbe,
  • Creme oder
  • Shampoo.

Mediziner und Apotheker befürworten heutzutage eine zeitlich streng begrenzte Lokalbehandlung von chronisch entzündlichen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris), nicht jedoch eine Langzeittherapie.

Ärzte und Apotheker müssen Patienten darauf hinweisen, dass Steinkohlenteer zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit führt. Während und nach der Behandlung solltest du auf direkt Sonneneinstrahlung und UV-Bestrahlung verzichten.

Die krebserregenden Inhaltsstoffe von Steinkohleteerlösungen wirken an bestimmen Hautbereichen besonders gefährlich. Dazu zählen:

  • Genital- und Analbereich,
  • Achseln,
  • Leistenbeuge und
  • Hautfalten.

Eine Anwendung sollte vermieden oder nur sehr kurzfristig und mit größter Vorsicht stattfinden.

Steinkohlenteerlösungen zur Lokaltherapie bei Hauterkrankungen

Steinkohlenteer ist ein Nebenprodukt, welches bei der sogenannten Verkokung von Kohle entsteht. Heute ist es nicht nur in der Industrie von großer Bedeutung, sondern spielt auch in der Pharmazie und Medizin eine wichtige Rolle. Insbesondere in der Dermatologie.

Der starke Eigengeruch von Steinkohlenteerpräparaten schreckt viele Patienten mit chronisch entzündlichen Hauterkrankungen vor einer Anwendung ab. Die Wirkung ist jedoch medizinisch nicht von der Hand zu weisen.

Wenn andere Wirkstoffe nicht die gewünschte Wirkung zeigen, verschreiben Ärzte heute bei Schuppenflechte, Neurodermitis und bei Ekzemen Steinkohlenteerlösungen. Dies geschieht aber erst nach einer strengen Abwägung des erwarteten Therapieerfolges gegen die bekannten Risiken der Inhaltsstoffe.

Steinkohlenteerpräparate wirken antientzündlich und antiseptisch, enthalten im Gegenzug aber krebserregende Stoffe. Für eine Langzeittherapie sind sie daher nicht geeignet, für eine kurzzeitige Lokaltherapie laut Medizinern und Pharmazie hingegen schon.

Neben wenigen Fertigarzneimitteln werden Steinkohlenteerlösungen in der Apotheke individuell nach Anweisung deines Arztes hergestellt. Dein Arzt passt die Rezeptur dabei an die Ausprägung und Form der Krankheit an.

Wenn dich die Risiken von Steinkohlenteerlösungen verunsichern, kannst du dich bei deinem Hautarzt und auch in der Apotheke deines Vertrauens ausführlich beraten lassen.

Wir sind gespannt auf deine Erfahrungen – hast du schon einmal Steinkohlenteerpräparate von deinem Arzt verschrieben bekommen? Welche Wirkung hatten die Produkte bei dir?

Auch in unserer Facebookgruppe kannst du dich über die Verwendung von Steinkohlenteerlösungen mit anderen Betroffenen austauschen!

FAQ zu Steinkohlenteer

Was ist Steinkohlenteer?

Steinkohlenteer (Fachbegriff: Pix lithanthracis) besteht aus bis zu 10.000 verschiedenen chemischen Verbindungen. Es entsteht als Nebenprodukt bei der Verkokung von Kohle. Die streng riechende, zähflüssige, schwarze Substanz besteht beispielsweise aus Kohlenwasserstoffen, stickstoffhaltige Basen und Phenolen. Steinkohlenteer findet als Rohstoff in der Industrie und als Wirkstoff in der Dermatologie und Pharmazie Anwendung.

Wirkt Steinkohlenteer bei Schuppenflechte?

Die genaue Wirkungsweise von Steinkohlenteer ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es wirkt laut Medizinern und Apothekern antiseptisch und stillt den Juckreiz. Jedoch enthält Steinkohlenteer krebserregende Inhaltsstoffe und wird daher nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko verordnet. Zur Sicherheit wurde der Einsatz von Steinkohlenteer in Kosmetikprodukten in Deutschland verboten. In der Pharmazie und Dermatologie untersteht Steinkohlenteer einer Verschreibungspflicht des Arztes.

Ist Steinkohlenteer gefährlich?

Steinkohlenteer besteht aus bis zu 10.000 verschiedenen chemischen Verbindungen. Bis dato konnten nicht einmal 500 davon genau identifiziert werden. Mediziner und Wissenschaftler können die Wirkungsweise von Steinkohlenteer trotz langjähriger Forschung bis dato nicht explizit erklären. Es wirkt antientzündlich und antiseptisch, gleichzeitig enthält es aber auch krebserregende Inhaltsstoffe. Ärzte sprechen sich für eine kurzfristige lokale Behandlung von diversen chronisch entzündlichen Hauterkrankungen mit Steinkohlenteer aus. Eine Langzeittherapie wird einstimmig abgelehnt.

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Quellen:

Bayer E.(1942): „Die Lichtsensibilisierung der Haut durch Teerderivate“, in: Archiv für Dermatologie und Syphilis. URL: https://link.springer.com/article/10.1007%2FBF02061691?LI=true (Zugriff am 24.08.2019)

Collin G., Zander M. (1983): „Aspekte moderner Steinkohlenteerchemie“, in: Chemie in unserer Zeit. URL: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ciuz.19830170603 (Zugriff am 24.08.2019)

Lockwood S.J., Prens L.M., Kimball A.B. (2017): „Unerwünschte Wirkungen von Biologika bei Psoriasis“, in: Karger Kompass Dermatologie. URL: https://www.karger.com/Article/Abstract/481335 (Zugriff am 24.08.2019)

Merk H. (2016): „Zentraler Zellsensor für Umwelteinflüsse“, in Allergo Journal. URL: https://link.springer.com/article/10.1007/s15007-016-1173-z (Zugriff am 24.08.2019)

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