Die Paleo-Diät – eine Geheimwaffe bei Schuppenflechte?

Die Paleo-Diät  wird oft als Geheimwaffe für einen gesunden Körper, ein starkes Immunsystem und gesunde Haut angepriesen. Auch wird dieser Ernährungsweise, in der frisches Gemüse, hochwertiges tierisches Eiweiß und gesunde Fette im Mittelpunkt stehen, oft eine Wunderwirkung bei Schuppenflechte nachgesagt. Es gibt erst wenige Studien, die den Effekt der Paleo-Diät auf die Schuppenflechte bestätigen, doch zeigen eine Vielzahl persönlicher Erfahrungsberichte, dass diese Ernährungsform einen positiven Effekt auf Psoriasis haben kann. Die Hintergründe dazu sehen wir uns hier an.


Was ist die Paleo Diät?

Essen wie die Menschen in der Steinzeit, das ist die Devise der Paleo-Diät. Das Wort “Paleo” leitet sich vom Paläolithikum (Altsteinzeit) ab, daher wird diese Ernährungsform oftmals auch Steinzeit-Diät genannt. Konkret bedeutet das, dass bei der Paleo Diät nur Lebensmittel verzehrt werden, die Jäger und Sammler in der Steinzeit zur Verfügung hatten. Das sind z. B. Gemüse, Eier, Fleisch und Fisch, Nüsse und einige Obstsorten.

Aufgrund der positiven Auswirkungen, die diese Ernährungsform auf viele Menschen hat, erfreut sich diese Diät wachsender Beliebtheit. Dabei handelt es sich bei der Paleo-Diät um keine Diät im engeren Sinne, sondern um eine dauerhafte Ernährungsumstellung, die gesund halten soll.

 

Warum ist die Paleo-Diät gut für unseren Körper?

Der Grundgedanke der Paleo-Diät ist, dass sich unsere Körper noch nicht an die Ernährungsweisen, die wir in den letzten hundert Jahren entwickelt haben, angepasst hat. Vor allem der Verdauungstrakt und Stoffwechsel ist noch auf die Ernährung der Steinzeit eingestellt. Mit unserer heutigen Ernährungsweise überfordern wir unseren Körper, was Erkrankungen, wie z. B. die Schuppenflechte, begünstigen kann. (1)

Greifen wir wieder auf naturbelassene Lebensmittel zurück, die unser (Steinzeit-) Körper gut verwerten kann, so kann sich der Körper erholen und wir bleiben gesund und fit. Viele Menschen berichten, dass die Paleo-Diät zu mehr Energie und einem gesunden Gewicht geführt hat. Paleo soll außerdem bei Hautunreinheiten helfen, den Blutzuckerspiegel stabilisieren und eine positive Auswirkung auf Autoimmunerkrankungen haben. (2)

Ein guter Grund, sich diese Ernährungsform, auch in Hinblick auf Schuppenflechte, näher anzusehen.

 

Wie sieht die Paleo-Diät konkret aus? Was kann ich noch essen?

Basis der Steinzeitdiät sind naturbelassene Lebensmittel, die es so – oder in ähnlicher Form – schon zur Steinzeit gegeben hat. Zusätzlich wird darauf geachtet, dass das verwendete Obst und Gemüse möglichst saisonal ist und somit den höchstmöglichen Nährstoffanteil aufweisen. Auch wenn es keine “Paleo-Regel” ist, so achten Paleo-Anhänger darauf, Nahrungsmittel aus der Region zu verwenden. So kann sichergestellt werden, dass Obst und Gemüse im optimalen Reifezustand geerntet wurden und ohne lange Transportwege auskommen.

Auch wenn es einige Abweichungen der Paleo-Ernährungsweise gibt (z. B. Low Carb Paleo), so sind die Grundprinzipien immer gleich und leicht zu verstehen.
Basis der Ernährung sind frisches Gemüse, Obst, Nüsse, Fleisch und Fisch. Auf Getreide, Milchprodukte, Hülsenfrüchte und verarbeitete Lebensmittel wird hingegen verzichtet. Zu Beginn der Ernährungsumstellung tauchen vielleicht noch einige Fragen auf, doch mit etwas Übung finden sich rasch Alternativen zu den alten Lieblingsspeisen.


Diese Lebensmittel solltest du bei Paleo essen


Gemüse

Die Paleo-Ernährungsweise schließt fast alle Gemüsesorten mit ein. Einzig Gemüsesorten mit einem hohen Stärkeanteil (wie z. B. Kartoffeln und Kürbisse) sollten reduziert werden. Da einige Menschen sensibel auf Nachtschattengewächse (wie Tomate, Paprika, Aubergine) reagieren, sollten diese ebenfalls mit Vorsicht genossen werden.


Obst

Auch die meisten Obstsorten eignen sich hervorragend für die Paleo-Ernährungsweise. Aufgrund des hohen Fructoseanteils sollte Früchte mit hohem Zuckeranteil (wie z.B. Bananen und Mangos) nur in Maßen konsumiert und stattdessen auf Obst mit geringem Zuckeranteil (z.B. Beeren) zurückgegriffen werden.


Fleisch

Fleisch ist wichtiger Bestandteil der Paleo-Ernährungsweise. Es liefert Eiweiß, wichtige Nährstoffe und gesunde Fette. Mögliche Fleischquellen sind Rinder, Schafe, Schweine und Hühner. Auch Wild eignet sich hervorragend für die Steinzeitdiät.


Fisch und Meeresfrüchte

Auch Fisch und Meeresfrüchte sind Paleo-tauglich. Wild gefangener Fisch hat im Regelfall einen höheren Nährstoffgehalt als Fisch aus Aquakulturen und sollte auch als ölologischen Gründe vorgezogen werden.


Eier

Eier sind eine wichtige Proteinquelle und liefern viele Nährstoffe. Darüber hinaus verfügen sie über einen hohen Vitamingehalt und halten lange satt.


Nüsse und Samen

Nüsse und Samen sind vollgepackt mit Nährstoffen und daher ein wichtiger Bestandteil der Steinzeitdiät. Wer mit seinem Gewicht kämpft, sollte allerdings den Konsum beschränken, da Nüsse und Samen einen hohen Fettanteil und somit viele Kalorien haben.

Bei all diesen Lebensmitteln sollte auf Regionalität, Saisonalität und eine möglichst hohe (Bio-) Qualität geachtet werden. Tierische Produkte aus naturnaher Aufzucht weisen meist den höchsten Nährstoffanteil aus und sollten auch aus ethischer und ökologischen Gründen bevorzugt werden.

 


Diese Lebensmittel solltest du bei Paleo vermeiden


Getreide

Getreideprodukte wie Brot, Kuchen und Nudeln sind für unseren Körper entwicklungsbiologisch betrachtet komplettes Neuland und überfordert ihn. Vor allem Weizen führt bei vielen Menschen nicht nur zu Unverträglichkeiten, sondern steht im Verdacht, auch Entzündungsreaktionen im Körper hervorzurufen. (3)  Da Schuppenflechte oft mit Entzündungen einhergeht, kann die Vermeidung von Getreideprodukten hier zu einer deutlichen Verbesserung führen.


Milchprodukte

Viele Menschen vertragen Milchprodukte nicht gut, da ihr Körper den Milchzucker nicht richtig verwerten kann. Darüber hinaus sind in der Milch Wachstumshormone enthalten, die eigentlich für das Kalb bestimmt sind und so den menschlichen Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen können. (4) Aus diesem Grund sollen im Zuge der Paleo-Diät keine Milchprodukte konsumiert werden.


Hülsenfrüchte

Hülsenfrüchte wie grüne Bohnen, Erbsen und auch Sojaprodukte werden bei der Paleo-Ernährung ebenfalls vermieden. Sie enthalten zwar hochwertiges Eiweiß, Ballaststoffe und wichtige Vitamine, allerdings auch einen hohen Anteil von Lektinen, die die Darmdurchlässigkeit erhöhen und Entzündungen und Allergien auslösen können. (5)


Zucker und Süßigkeiten

Zucker wird vom Körper schnell verdaut und lässt den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen. Das führt zu einer starken Erhöhung des Insulinspiegels. Ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel führt zu Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Demenz und Übergewicht. (6)  Gute Gründe also, dass Zucker und Süßigkeiten bei der Paleo-Diät vermieden werden. Das gilt übrigens auch Zuckeralternativen wie z. B. Stevia, Ahornsirup, Agavendicksaft und Süßstoff.
Einzig Honig kann bei dieser Ernährungsform unbedenklich konsumiert werden.

 

 

Hilft die Paleo-Diät bei Schuppenflechte?

Die Paleo-Ernährungsweise kann sich positiv auf Schuppenflechte auswirken. Lebensmittel, die den Darm reizen und Entzündungen fördern werden vermieden (z. B. Getreide, Milch) und der Anteil entzündungshemmende, nährstoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Beeren, Samen stark erhöht. Das kann zu einer deutlichen Verbesserung der Psoriasis führen. Viele Erfahrungsberichte und erste Studien bestätigen diese Beobachtung (7)

 

 

Was ist das Autoimmunprotokoll (AIP) und hilft es bei Schuppenflechte?

Beim Autoimmunprotokoll handelt es sich um eine spezielle Form der Paleo-Diät. Das Autoimmunprotokoll eliminiert strikt alle Lebensmittel, die Entzündungen fördern und den Darm irritieren können. Diese Ernährungsweise ist noch etwas “strenger” als die normale Paleo-Diät, kann aber zu einer deutlichen Verbesserung der Schuppenflechte führen.(8)  Mehr Informationen dazu findest du in unserem Artikel: Fokus Ernährung: Das Autoimmunprotokoll (AIP) bei Psoriasis

 

 

So startest du in 7 einfachen Schritten mit der Paleo-Diät

Auch wenn es noch nicht allzu viele eindeutigen Studien gibt, so sind die vielen positiven Erfahrungsberichte eine starke Motivation, um mit der Paleo-Ernährungsform zu beginnen. Gerade für Menschen mit Schuppenflechte kann diese Ernährungsweise ein interessanter Ansatz sein, um Entzündungen zu reduzieren, das Immunsystem und den Darm zu entlasten und so den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern.

Um den Einstieg möglichst einfach zu machen, empfehlen wir eine stufenweise Umstellung auf die Paleo-Ernährung. So kannst du Schritt für Schritt lernen, das neue Wissen umzusetzen und stärker die Veränderungen in deinem Körper wahrnehmen.


Mit diesen Tipps gelingt der Einstieg in die Paleo-Diät ganz einfach 


1. Informiere dich

Beschaffe dir Informationen zu dieser Ernährungsform und lerne die Grundlagen. Inzwischen gibt es viele gute Bücher zu diesem Thema und auch im Internet kannst du umfassende Informationen zur Paleo-Diät finden.

 

2. Lass dich inspirieren

Der Umstieg auf eine neue Ernährungsform ist oft gerade in den  ersten Wochen nicht einfach. Mach dir das Leben einfacher und suche gezielt nach Inspiration für deine Ernährungsumstellung. Finde neue Lieblingsgerichte, lies Erfahrungsberichte von Paleo-Anhängern und vernetzte dich online oder offline mit erfahrenen Steinzeit-Diätlern.

 

3. Schritt für Schritt

Mach es dir einfach und stelle deine Ernährung Schritt für Schritt um. So kannst du dich z. B. in der ersten Woche einfach nur auf den Bereich Gemüse fokussieren und dich in der Woche darauf um Alternativen zu Getreideprodukten kümmern. Kein Meister ist vom Himmel gefallen – drum gib die Zeit, die neue Ernährungsform umzusetzen.

 

4. Bleib dran

Hast du die Umstellung geschafft, so raten wir dir, dich erstmal 30 Tage lang stinkt nach Paleo zu ernähren. Damit gibst du deinem Körper die Möglichkeit, sich an die neue Ernährungsweise zu gewöhnen und kannst so auch mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten besser erkennen.

 

5. Beobachte deinen Körper und deine Haut

Führe ein Ernährungs- und Symptomprotokoll, um möglichst genau zu beobachten, wie du auf die Paleo-Diät reagierst. Wie spricht dein Körper auf Paleo an? Spürst du eine  Verbesserung der Haut? Wie geht es dir ganz allgemein? Wenn du diese Beobachtungen genau festhältst, kannst du ganz gezielt die Lebensmittel identifizieren, die dir guttun bzw. dir schaden.

 

6. Pass dich an

Wenn sich dein Körper an die Paleo-Ernährung gewöhnt hat, kannst du vorsichtig versuchen, verschiedene Lebensmittel wieder in den Speiseplan zu integrieren. Mit einem gestärkten Immunsystem können viele Menschen wieder kleine Mengen Milchprodukte (vor allem Kuhmilchalternativen wie Schafsmilch- oder Ziegenmilchprodukte), Nachtschattengewächse und Hülsenfrüchte in ihre Ernährung aufnehmen.

 

7. Sei flexibel

Wenn du bemerkst, dass dir ein Nahrungsmittel plötzlich nicht mehr guttut, dann streiche es von deinem Speiseplan – Paleo hin oder her. Genauso kannst du Lebensmittel wieder konsumieren, wenn sie einen positiven Effekt auf deinen Körper haben. Höre auf deinen Körper, denn er sagt dir im Regelfall ganz genau, was gut für dich ist und wovon du lieber die Finger lassen solltest.

 

Paleo kann sich bei Schuppenflechte richtig lohnen!

Auch wenn die Umstellung von einer “normalen” Ernährung auf die Paleo-Diät auf den ersten Blick oft etwas langwierig und umständlich wirken kann, so lohnt es sich durchaus, diesen Schritt zu wagen. Der Fokus auf viel frisches, saisonales Gemüse und hochwertige, naturbelassene Lebensmittel mit einem hohen Vitamin- und Nährstoffanteil hat ja generell schon eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Da viele Menschen mit Schuppenflechte ohnehin schon auf Milchprodukte und Getreide verzichten, ist den kompletten Umstieg auf Paleo oftmals nur noch ein kleiner Schritt.  Warum also den Versuch nicht wagen und beobachten, wie deine Haut auf diese Ernährungsweise reagiert.

Hast du die Paleo-Diät schon ausprobiert?
Wir freuen uns über deine Erfahrungsberichte!

Hier klicken, dann findest du alle Quellenangaben

Quellen:

  • “Syndrom X oder Ein Mammut auf den Teller! Mit Steinzeitdiät aus der Ernährungsfalle.”, Bernd Worm, Hallwag-Verlag, 2000

  • “Paleo – die Steinzeitdiät”Cornelia Schinharl/Angelika Ilies/Martina Kittler, Gräfe und Unzer Verlag, 2014

  • “Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht”, Dr. med. William Davis, Goldmann Verlag, 2013

  • “Risiko Milch: Wie ein Grundnahrungsmittel unsere Gesundheit ruiniert” Alissa Hamilton, Goldmann Verlag, 2017

  • “Die Paleo-Revolution: Gesund durch Ernährung im Einklang mit unserem genetischen Erbe”, Heidrun Schaller, books4success, 2015

  • “Zucker – der heimliche Killer: Mit dem 4-Schritte-Entwöhnungsprogramm raus aus der Zuckersucht”, Kurt Mosetter/Wolfgang A. Simon/Anna Cavelius/Angelika Ilies, Gräfe und Unzer Verlag, 2016

  • “Dietary Behaviors in Psoriasis: Patient-Reported Outcomes from a U.S. National Survey.”, Afifi, L., et al., Dermatol Ther (Heidelb), 2017. 7(2): p. 227-242.  via: https://thepaleodiet.com/anti-inflammatory-paleo-studies/ (Stand Mai 2019)

  • “Das Autoimmun Paleo-Kochbuch: Das erfolgreiche Protokoll bei Allergien, Hashimoto, Zöliakie und weiteren chronischen Krankheiten”Mickey Trescott, Narayana Verlag, 2016