Die Hausstaubmilbenreduktion spielt insbesondere bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Neurodermitis (atopische Dermatitis) eine wichtige Rolle. Denn Hausstaubmilben können Asthma, Heuschnupfen und atopische Dermatitis begünstigen.

Wir erklären dir, was Hausstaubmilben sind und warum das Thema Hausstaubmilbenreduktion ein wichtiger Bestandteil bei der Therapie deiner atopischen Dermatitis ist.

Was sind Hausstaubmilben?

Hausstaubmilben zählen zu den Spinnentieren und sind mikroskopisch klein – durchschnittlich beträgt die Größe zwischen 0,1 und 0,4 Millimeter. Die Spinnentierchen leben von menschlichen und tierischen Hautschuppen und sind auf der ganzen Welt verbreitet.

Unsere Wohnungen zählen dabei zu ihren bevorzugten Lebensräumen, insbesondere die Bereiche, an denen wir zahlreiche Hautschuppen verlieren. So finden wir über 90 Prozent der Milben im Haushalt in unseren Betten. Aber auch die Schlafstätten unserer Haustiere zeigen eine hohe Milbenkonzentrationen.

Da die Tierchen eine hohe Temperatur (zwischen 25 und 30 °C) und Luftfeuchtigkeit (von 65–80 Prozent) bevorzugen, finden wir sie vor allem in Textilien, wie beispielsweise der Matratze, Decken, Kissen, Teppichen aber auch auf Stofftieren sowie Polstermöbeln.

Nicht die Milbe selbst, sondern der Milbenkot ist letztlich der Auslöser für eine allergische Reaktion. Die Überempfindlichkeitsreaktion der Patienten wird von den Eiweißen in den winzigen Kotballen der Milben ausgelöst.

Die Symptome der Hausstaubmilbenallergie sind leicht mit den Symptomen einer Erkältung zu verwechseln. Mediziner gehen daher davon aus, dass nur rund 50 Prozent der Milbenallergien überhaupt erkannt und diagnostiziert werden.

Kommt es nicht zu einer Behandlung der Allergie und erfolgt keine zielgerichtete Hausstaubmilbenreduktion, so ist der Körper dem Allergen dauerhaft in seinem Lebensumfeld ausgesetzt. Dies führt nicht selten zu schwereren Folgeerkrankungen, wie beispielsweise allergischem Asthma.

Hausstaubmilbenallergie erkennen: Symptome und Diagnose

Heute wissen wir – Hausstaubmilben kommen überall vor, unabhängig von der Reinlichkeit und dem Zustand der Wohnung. Neben Pollen sind sie der zweithäufigste Auslöser für eine allergische Atemwegserkrankungen und führen bei rund jedem zehnten Deutschen zu allergischen Reaktionen.

Zu den charakteristischen Symptomen einer Hausstaubmilbenallergie zählen die folgenden Beschwerden:

  • Schwierigkeiten bei der Nasenatmung,
  • Niesanfälle,
  • Fließschnupfen,
  • gerötete, gereizte und verklebte Augenlieder,
  • Reizhusten,
  • juckender Hautausschlag.

Die Symptome ähneln häufig einem Schnupfen. Die Beschwerden zeigen sich insbesondere nachts und in den frühen Morgenstunden und werden im Laufe des Vormittags besser. Dies ist auch der große Unterschied zu einer Pollenallergie – denn die Patienten leiden nicht saisonal bedingt, sondern tageszeitlich bedingt.

Liegen diese Symptome vor, dann kann ein Dermatologe mithilfe eines Hauttests, eines Bluttests oder eines Provokationstests eine entsprechende Diagnose erstellen.

Bei atopischer Dermatitis sind Hausstaubmilben eine der häufigsten Allergenquellen. Dein Arzt kann dir entsprechende Medikamente zur Behandlung der Symptome verordnen.

Doch da wir in diesem Fall die Allergenquelle kennen, ist es sinnvoll, im Rahmen der langfristigen Therapie auch Maßnahmen für Vermeidung des Allergenkontaktes (Hausstaubmilbenreduktion) zu ergreifen.

Warum Hausstaubmilbenreduktion bei Neurodermitis?

Bei der Behandlung von Neurodermitis (atopischer Dermatitis) kommen grundsätzlich verschiedene Therapiemaßnahmen zum Einsatz.

Dazu gehören je nach Schweregrad und Ausprägung der Erkrankung beispielsweise die folgenden Maßnahmen:

  • Lokale Basistherapie (Creme, Salbe),
  • Vermeidung und Reduktion von auslösenden Faktoren (Trigger),
  • Eliminationsdiäten,
  • Topische Anwendung von Präparaten auf Basis von Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren,
  • Vermeidung von Stress und stressreduzierende Maßnahmen,
  • Phototherapie,
  • Neurodermitisschulung,
  • Arzneimittel zur Reduktion von Juckreiz sowie
  • systemische Therapie (mit Wirkstoffen wie Ciclosporin A).

Ein weiteres nichtmedikamentöses Therapieverfahren ist die Hausstaubmilbenreduktion. Denn laut Studien beeinflussen diese Spinnentierchen auch den Verlauf und die Ausprägung der Neurodermitis (atopische Dermatitis).

Ein von den Milben gebildetes Molekül steht dabei im Verdacht, einen erheblichen Einfluss auf den Ausbruch von Neurodermitis zu haben. Das Enzym dringt in den Körper ein und aktiviert unter bestimmten Bedingungen die Funktion des Immunsystems, welche für Entzündungsreaktionen der Haut verantwortlich ist.

Hausstaubmilben können also den Hautzustand der Patienten verschlechtern, Symptome verstärken und neue Schübe auslösen. Diese Erkenntnis zeigt, dass es wichtig ist, sich als Patient von atopischer Dermatitis im Rahmen einer umfassenden Therapie auch mit dem Thema Hausstaubmilbenreduktion zu beschäftigen.

Allergenarmer Wohnraum:  Hausstaubmilbenreduktion bei Neurodermitis

Eine hausstaub- und milbenfreie Wohnung, ist nahezu unmöglich. Dennoch sollte es im Rahmen der nichtmedikamentösen Behandlung von Neurodermitis das Ziel sein, einen allergenarmen Wohnraum zu schaffen. Dazu gehört auch, Hausstaubmilben und Staub so weit wie eben möglich zu reduzieren.

Hierzu gibt es einige Maßnahmen, die sehr hilfreich bei der Reduktion des Hausstaubmilbenbestands sind.

Alles rund ums Bett

Das Bett ist ein regelrechtes Paradies für Hausstaubmilben. Durch den direkten Kontakt zum Menschen gelangen sie an tote und abgeriebene Hautschüppchen und können sich problemlos ernähren und fortpflanzen.

Abhilfe kann zunächst eine möglichst neue Matratze mit einem milbenallergendichten Überzug (auch Encasing genannt) schaffen. Dieser Überzug verhindert das Eindringen von Hautschuppen in die Matratze und lässt wiederum nicht zu, dass Allergene und Hausstaubmilbenkot aus der Matratze nach außen dringen.

Auch eine gute Durchlüftung des Bettes kann helfen. Steht das Bett auf einem niedrigen Bettgestell oder einem Bettkasten, so besteht die Gefahr, dass die Zirkulation behindert oder ganz verhindert wird. Milben fühlen sich in diesem Klima sehr wohl. Steht das Bett jedoch auf einem die Durchlüftung zulassenden Gestell, kann die Milbenbelastung verringert werden.

Bettdecke und Kissen sollten regelmäßig gewaschen werden. Es empfiehlt sich, die Wäsche alle drei Monate bei mindestens 60 Grad zu reinigen. Der Bettbezug sollte wöchentlich gewechselt werden. Wäschetrockner sind hier eine gute zusätzliche Hilfe, denn nahezu alle Milben werden bei dem Vorgang abgetötet. Auch für die Bettbezüge gibt es allergendichte Zwischenbezüge.

Nach dem Schlafen solltest du das Bett und die Bettwäsche gut auslüften. So kann die nachts vom Körper abgegebene Feuchtigkeit entweichen.

Reinigung und Lüften der Zimmer

Optimale Lebensbedingungen der Milben liegen bei Temperaturen zwischen 25 und 30 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65–80 Prozent. Daher ist es wichtig, die Räume stets gut durchzulüften. Als Faustregel gilt: drei- bis viermal am Tag für jeweils fünf bis zehn Minuten. Eine gesunde Raumfeuchtigkeit sollte bei 45 bis 50 Prozent liegen. Die empfohlene Temperatur für Schlafräume liegt bei 18-20°C.

Bei Hausstauballergikern und Betroffenen von atopischer Dermatitis (Neurodermitis) sind Teppiche sehr ungünstig. Sie können nicht frei von Hausstaubmilben gehalten werden. Es empfiehlt sich daher, die Böden der Räume (wenn möglich) zu renovieren und gegen Parkett, Linoleum oder andere abwischbare Materialien auszutauschen. Kannst du die Teppiche nicht entfernen, dann solltest du diese mindestens zwei Mal pro Woche saugen.

Ebenfalls solltest du bei der Reinigung der Räume darauf achten, so wenig Staub wie möglich aufzuwirbeln. Dies gelingt dir beispielsweise, indem du ein feuchtes Tuch verwendest, um Staub zu wischen. Staubsauger mit hoher Saugleistung und Feinporenfilter sind ebenfalls für die Reinigung gut geeignet. Staubfänger, wie offene Regale, Tagesdecken und Deko-Kissen hingegen solltest du vermeiden, da sich hier unnötigerweise Staub sammelt.

Weitere Tipps zur Hausstaubmilbenreduktion

  • Hyposensibilisierung ist eine weitere Möglichkeit, die du bei einer Hausstaubmilbenallergie in Betracht ziehen kannst. Bei dieser spezifische Immuntherapie bekommt der Patient kleinste, kaum messbare Mengen Milbenallergen mittels Spritzen verabreicht, um den Körper an das Allergen zu gewöhnen.
  • Die Kuscheltiere der Kinder sollten regelmäßig gewaschen werden. Viele Kuscheltiere können jedoch nicht bei 60 Grad gewaschen werden. In diesem Fall ist es empfehlenswert, sie für zwei Tage in die Tiefkühltruhe bei mindestens -15 Grad zu legen und anschließend bei niedriger Temperatur zu waschen. Auch so können Milben effektiv abgetötet werden.
  • So schön diese auch anzusehen sind – Pflanzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit und sollten daher zumindest nicht im Schlafzimmer oder im Zimmer der Kinder stehen.
  • Mit nassen Haaren ins Bett zu gehen, bedeutet gleichzeitig auch, dass du den Milben weitere Attraktivitätspunkte für ihren Lebensraum bietest, denn dadurch förderst du das feuchte Milieu.
  • Helfen all die Maßnahmen nicht im ausreichenden Maße, kannst du zusätzlich mit chemischen Mitteln nachhelfen. Es gibt diverse milbentötende Substanzen, die du in Form von Schaum oder Feuchtpulver kaufen kannst, um Milben zu beseitigen. Obwohl hierbei keine schädliche Wirkung nachgewiesen wurde, empfiehlt es sich dennoch, nicht dauerhaft auf chemische Mittel zurückzugreifen. Insbesondere dann nicht, wenn im Haushalt Kinder und Tiere leben.

Hausstaubmilbenreduktion: Allergikerfreundliches und milbenfeindliches Wohnumfeld

Hausstaubmilben spielen bei Neurodermitis eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn immerhin können sie zu einer deutlichen Verschlechterung des Hautzustandes, Asthma oder Heuschnupfen führen.

Daher sollten wir es den Milben so ungemütlich wie möglich machen. Denn je schlechter unsere Wohnung den idealen Lebensbedingungen der kleinen Spinnentiere entspricht, desto weniger fühlen sie sich bei uns wohl.

Die Bekämpfung der Hausstaubmilben ist dabei nicht ganz so einfach und doch gibt es zahlreiche Ansätze, wie wir die Lebensbedingungen dieser Spinnentiere gezielt verschlechtern können. So beispielsweise die Beeinflussung der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur oder grundsätzliche Faktoren bei der Reinigung unserer Wohnung.

Mediziner empfehlen dabei stets, mit den Maßnahmen im Schlafzimmer zu beginnen. Dort befinden sich die attraktivsten Orte für Hausstaubmilben – allen voran unser geliebtes Bett. Um die Tierchen loszuwerden, kannst du mithilfe von speziellen Überzügen für das Bett die Verbreitung reduzieren.

Hast du dich bereits mit dem Thema Hausstaubmilbenreduktion beschäftigt? Wie sehen deine persönlichen Maßnahmen aus? Wir freuen uns auf deinen Erfahrungsbericht – schreib uns einfach!

FAQ zu Hausstaubmilbenreduktion

Hausstaubmilben – was ist das?

Die Hausstaubmilben sind mikroskopisch kleine Spinnentiere, die hauptsächlich von menschlichen und tierischen Hautschuppen leben. Sie bevorzugen Lebensräume mit hohen Temperaturen und einer hohen Luftfeuchtigkeit. In unseren Wohnungen finden wir sie hauptsächlich in Textilien wie Matratzen, Decken, Kissen und Polstermöbeln. Der Milbenkot ist häufig ein Auslöser für allergische Reaktionen – so beispielsweise auch bei Betroffenen von Neurodermitis.

Woran erkenne ich eine Hausstaubmilbenallergie?

Die Beschwerden einer Hausstaubmilbenallergie ähneln häufig einem Schnupfen oder einer Erkältung. Zu den typischen Symptomen zählen Niesanfälle, Schnupfen, Reizhusten, gerötete und gereizte Augen sowie eine erschwerte Atmung. Im Gegensatz zu einer Pollenallergie leiden die Betroffenen jedoch nicht saisonal bedingt, sondern tageszeitlich bedingt. Dein Arzt kann bei Verdacht auf eine Hausstaubmilbenallergie mittels eines Hauttests, Bluttests oder Provokationstests eine Diagnose erstellen.

Warum ist Hausstaubmilbenreduktion bei atopischer Dermatitis wichtig?

Hausstaubmilben können den Verlauf und die Ausprägung von chronisch entzündlichen Erkrankungen beeinflussen und die jeweiligen Beschwerden verstärken. Sie zählen zudem zu einer der häufigsten Allergenquellen bei atopischer Dermatitis (Neurodermitis). Eine unentdeckte und unbehandelte Hausstaubmilbenallergie führt zudem nicht selten zu schwereren Folgeerkrankungen, wie beispielsweise allergischem Asthma.

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Quellen:

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Kennedy K., Allenbrand R., Bowles E. (2019): „The Role of Home Environments in Allergic Disease“, in: Clinical Reviews in allergy & immunology. URL: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30684120/ (Zugriff am 12.06.2021)

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