Zahlreiche Studien zeigen, dass Patienten mit Neurodermitis nicht einzig unter den sichtbaren und spürbaren Symptomen der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung leiden. Neben dem quälenden Juckreiz und den schmerzhaften Hautveränderungen ist es insbesondere die psychische Belastung, die zu einer Einschränkung der Lebensqualität führt. Wir geben einen Einblick, wie Neurodermitis Lebensqualität beeinflussen kann.

Neurodermitis Lebensqualität: Sichtbare, spürbare und „versteckte“ Symptome

Oftmals wird unterschätzt, wie Neurodermitis Lebensqualität einschränken und den gesamten Alltag der Menschen beeinflussen kann. Zu den deutlich sichtbaren Hautveränderungen kommen die spürbaren Symptome, wie der quälende Juckreiz. Doch die Liste der Symptome geht noch weiter: Stress, Scham und Leidensdruck sind nur einige der „versteckten“ Emotionen und Symptome, mit denen die Patienten täglich leben.

Atopische Dermatitis verläuft schubweise und auch die Ausprägung der Symptome ist sehr individuell. Doch nahezu jeder Betroffene kennt die Bandbreite an Belastungen, die mit der Erkrankung einhergehen. Laut Studien geben rund 70 Prozent der Patienten an, dass Neurodermitis ihre Lebensqualität negativ beeinflusst.

Zu den häufigsten Faktoren, die bei Neurodermitis das gesamte Wohlbefinden beeinflussen, zählen diverse körperliche, emotionale, mentale, soziale und auch verhaltensbezogene Komponenten.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben genau diese Komponenten bei den Betroffenen abgefragt. Demnach empfinden Erwachsene und Kinder mit atopischer Dermatitis die folgenden Bereiche als besonders belastend.

  • Krankhafte Hautveränderungen (schuppige Haut, nässende, schmerzende Wunden und Ekzeme),
  • quälender und omnipräsenter Juckreiz,
  • Schlafstörungen sowie sinkende Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit (besonders bedingt durch starken Juckreiz),
  • Einschränkungen im Alltag (durch aufwendige Pflege und Therapie),
  • Scham und sinkendes Selbstwertgefühl (durch sichtbare Hautveränderungen),
  • soziale Isolation, Ängste und Depressionen (besonders bedingt durch Schamgefühl),
  • Probleme im Privatleben, am Arbeitsplatz, beim Sport, in der Partnerschaft sowie bei Sexualität.

Neurodermitis Lebensqualität: Alltägliche Stolpersteine für Betroffene

Jede Neurodermitis ist einzigartig. Denn je nach der Schwere der Erkrankung, Lokalisation der Ekzeme, möglicher Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), Alter und Lebensphase empfinden Erkrankte die einzelnen Faktoren als mehr oder auch weniger belastend.

Was für Erwachsene gilt, gilt natürlich auch für die kleinen Patienten. Für betroffene Kinder ist der Umgang mit der Krankheit je nach Alter nochmals schwieriger, da sie viele Faktoren von Neurodermitis noch nicht verstehen können. Quälender Juckreiz, aufwendige Hautpflege, schlaflose Nächte und zahlreiche Arztbesuche sind für die Kinder und auch die Eltern eine große Belastung.

Sicher ist, dass Neurodermitis Lebensqualität beeinflusst – bei manchen Menschen stärker als bei anderen. Patienten mit atopischer Dermatitis scheinen dabei besonders häufig über die folgenden Stolpersteine zu stoßen.

Juckreiz: Omnipräsent, quälend, psychisch belastend

Mediziner und Ärzte nennen den starken Juckreiz als Leitsymptom der atopischen Dermatitis. Der Großteil der Menschen mit Neurodermitis gibt an, dass der quälende Juckreiz ein ständiger Begleiter ist. Ob tagsüber oder nachts – das permanente Bedürfnis, sich kratzen zu müssen, ist eine starke körperliche, aber auch emotionale Belastung.

Insbesondere für Kinder kann der Juckreiz einen wahren Teufelskreis aus „Juckreiz – Kratzen – Verschlimmerung des Hautzustandes“ darstellen.

Zeitaufwendige Behandlung und Therapie

Atopische Dermatitis tritt in Schüben auf. Dennoch ist es wichtig, die Haut auch in symptomfreien Phasen mit der notwendigen Pflege zu versorgen. Die Basistherapie gehört daher zum Alltag.

Das tägliche Eincremen, regelmäßige Arztbesuche, zusätzliche Maßnahmen der Behandlung (wie beispielsweise Bäder, Lichttherapie, Umschläge und Entspannungstechniken) sowie die konstante Vermeidung der persönlichen Trigger (Auslöser) sind (zeit-)aufwendig.

Hobbys, Sport und Partnerschaft

Beeinträchtigt Neurodermitis Lebensqualität? Ein Großteil der Betroffenen sagt: Ja. Besonders deutlich erkennbar sind die Einflüsse der Erkrankung laut Patienten in der Freizeit und allem, was damit zusammenhängt. Sei es das geliebte Hobby, eine bevorzugte Sportart oder auch der Umgang mit Partnerschaft und Sexualität.

Dabei sind es häufig die Blicke der Mitmenschen auf die sichtbaren Symptome der Erkrankung und das entstehende Schamgefühl, welche den Patienten das Gefühl von einer eingeschränkten Lebensqualität vermitteln. Patienten kämpfen häufig mit Verlegenheit, Hemmungen und Scham.

Wahl und Ausübung des Berufs

Nicht zuletzt durch den permanenten Juckreiz und daraus resultierenden Schlafstörungen leiden viele Patienten mit atopischer Dermatitis an Konzentrationsstörungen und einer teils verminderten Leistungsfähigkeit. Das hat natürlich auch Auswirkung auf die schulischen Leistungen oder die Arbeitsleistung im Beruf.

Besonders wenn die Arme, Beine und Hände direkt von den krankhaften Hautveränderungen betroffen sind, fallen selbst alltägliche Bewegungen oftmals schwer. Berufe, bei denen stetig Kontakt zu Wasser, chemischen Substanzen oder Allergenen gefordert wird, sind schwierig auszuüben. Nicht selten fühlen sich Betroffene daher gezwungen, früher oder später den Beruf zu wechseln.

Fehlende Information und Aufklärung

Information und Aufklärung ist sowohl für den erkrankten Menschen als auch für sein Umfeld wichtig. Kennt sich ein Patient gut mit seiner Erkrankung, den auslösenden Faktoren sowie den Möglichkeiten einer Behandlung und Therapie aus, kann er den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Noch heute denken viele Menschen beispielsweise, dass Hauterkrankungen wie atopische Dermatitis oder auch Schuppenflechte (Psoriasis) ansteckend sind. Unter einer solchen Stigmatisierung oder im schlimmsten Fall auch Diskriminierung leiden die Betroffenen enorm, denn sie sehen sich aufgrund ihrer Krankheit mit negativen Stereotypen konfrontiert.

Derartige Vorurteile führen zu gesellschaftlicher Ausgrenzung, sozialer Isolation und häufig zu Ängsten und Depressionen.

Neurodermitis und die Psyche

Lebensqualität hängt sehr stark an unserem Wohlbefinden. Denn ganz gleich, wie ein Mensch seine individuelle Lebensqualität definiert – das Gefühl, sich bei etwas „wohl zu fühlen“ wird sicherlich in jeder Definition auftauchen.

Genau an dieser Stelle sehen sich viele Patienten mit atopischer Dermatitis eingeschränkt. Die krankhaften Hautveränderungen und all die anderen Symptome der Krankheit führen häufig zu einem mangelnden Selbstbewusstsein, einem niedrigen Selbstwertgefühl, Scham und folglich selbstauferlegter Isolation. Nicht zu vergessen die direkte Belastung durch Schmerz und Juckreiz.

Fehlen dann noch die Akzeptanz und Unterstützung aus dem sozialen Umfeld, dann finden sich viele Betroffene in einem Zustand von Angst, Frustration, Ausgrenzung und Depression wieder.

Wie Patienten mit Neurodermitis Lebensqualität erhöhen können

Neurodermitis ist nicht heilbar. Beginnt die Erkrankung in frühen Kinderjahren, dann stehen die Chancen gut, dass das Kind aus der atopischen Dermatitis „herauswächst“. Doch du solltest dir bewusst sein, dass die Krankheit nur in wenigen Fällen gänzlich und für immer verschwindet.

Daher ist es sinnvoll, sich über seine Erkrankung zu informieren, mit den individuellen Provokationsfaktoren und Symptomen auseinanderzusetzen und eine individuelle Behandlung und Therapie zu erarbeiten.

Dazu gehört neben der konsequenten Basistherapie und intensiven Pflege deiner Haut auch die Vermeidung deiner persönlichen Trigger (Auslöser). Allergene, Infektionen, Klima aber auch Umweltschadstoffe und Hautirritationen sind häufige auslösende Faktoren. Nicht alle müssen auf dich zutreffen. Ebenso wenig wie die zahlreichen Behandlungsmöglichkeiten – auch hier wirst du feststellen, dass nicht unbedingt alles bei dir den gewünschten Effekt bringt.

Aber auch im Alltag gibt es reichlich Möglichkeiten, deine atopische Dermatitis positiv zu beeinflussen. Dazu zählen deine Ernährung, die Wahl deiner Kleidung und dein grundsätzlicher Lebensstil. Versuche, den Teufelskreis bewusst zu durchbrechen, indem du beispielsweise Stress vermeidest und dein eigenes Kratzverhalten beobachtest und gezielt einschreitest.

Ein holpriger Weg: Alltag, Wohlbefinden und Lebensqualität mit Neurodermitis

Von körperlichen und psychischen Belastungen können Betroffene von Neurodermitis ein Lied singen. Denn auch wenn die Ausprägung, der Verlauf und die Symptome der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung so unterschiedlich sind – eins bestätigen nahezu alle Patienten: Neurodermitis beeinträchtigt die Lebensqualität.

Der Alltag mit atopischer Dermatitis kann sowohl für Erwachsene als auch für Kinder eine Herausforderung mit zahlreichen Hürden bedeuten. Es gilt dabei, physischen und psychischen Stolpersteinen zu trotzen und seinen eigenen Weg der besten Behandlung zu finden.

Betroffene bestätigen, dass es sehr hilfreich ist, sich mit anderen Patienten auszutauschen, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und die verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie auszuprobieren.

Unsere Community ist übrigens eine ideale Anlaufstelle, um sich mit anderen Betroffenen zu vernetzen, Fragen zu stellen oder Tipps auszutauschen. Wir freuen uns darauf, auch dich in unserer Facebook-Gruppe zu begrüßen!

FAQ zu Neurodermitis Lebensqualität

Warum beeinflusst Neurodermitis die Lebensqualität?

Die krankhaften Hautveränderungen einer atopischen Dermatitis sind je nach Ausprägung und Lokalisation der Symptome für Mitmenschen sichtbar und führen bei den Patienten häufig zu Verlegenheit, Hemmungen und Scham. Zudem führt der omnipräsente Juckreiz häufig zu Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und einer Leistungsminderung. Nicht selten führen diese Faktoren in einem Zustand von Angst, Frustration, Ausgrenzung und Depression.

Führt Atopische Dermatitis zu Depressionen?

Beeinträchtigt eine sichtbare Krankheit dauerhaft das Wohlbefinden eines Patienten, dann zeigt sich dies häufig in einem mangelnden Selbstbewusstsein, einem niedrigen Selbstwertgefühl, Scham bis hin zur selbstauferlegten Isolation. Viele Betroffene von chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen kämpfen daher mit Frustration, Ausgrenzung und nicht selten auch depressiven Zuständen.

Wie beeinflusst Neurodermitis die Berufswahl?

Insbesondere die persönlichen Provokationsfaktoren können die Wahl und Ausübung eines Berufs beeinflussen oder gar einschränken. Allergene, Berufskleidung, Kontakt zu diversen Substanzen oder auch permanenter Kontakt zu Wasser können einen Patienten mit Neurodermitis davon abhalten, den gewünschten Beruf auszuüben.

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Quellen:

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