Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche Hautkrankheit. Sie befällt Menschen auf allen Kontinenten, jung und alt. Aber gibt es bei Schuppenflechte Unterschiede zwischen Frauen und Männern? Diese interessante Frage rückt immer mehr in den Fokus der aktuellen Forschung. Der Bereich Gendermedizin, also geschlechtsspezifische Medizin, wird immer wichtiger. Wie auch in anderen Bereichen wird untersucht, welche Unterschiede die Schuppenflechte bei Frauen und Männern aufweist. Ein guter Grund, dass wir uns das Thema genauer ansehen.

Was ist Gendermedizin und warum ist sie wichtig?

Bis vor wenigen Jahren war Medizin und Medikation geschlechtsneutral. Ärzte wandten ihre Behandlungsmethoden unabhängig vom Geschlecht des Patienten an. Seit etwa zehn Jahren rückt nun aber das Geschlecht verstärkt in den Fokus von Untersuchungen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin gibt – und geben muss. Denn das Geschlecht wirkt sich nicht nur darauf aus, wie ein Patient auf eine Behandlung reagiert, sondern oftmals auch darauf, wie sich Symptome äußern. So muss nicht nur die Behandlung von Krankheiten auf das Geschlecht angepasst werden, sondern auch die Diagnose muss geschlechtsspezifisch vorgenommen werden. 

Warum sind Frauen in Studien nicht ausreichend repräsentiert?

In den letzten 20 Jahren hat sich in der Welt der Medizin vieles getan. Davor wurden Studien fast ausschließlich mit Männern durchgeführt. Dafür gibt es zwei Gründe.

Weibliche Hormone

Weibliche Körper durchlaufen komplexe hormonelle Prozesse. Diese schienen in der Vergangenheit nicht geeignet, um Studien standardisiert durchzuführen.

Mögliche Schäden

Ebenfalls gab es große Widerstände, Frauen im gebärfähigen Alter für Studien einzusetzen. Zu groß war die Sorge, damit bleibende Schäden für Ungeborene oder zukünftige Kinder zu verursachen. 

Gibt es gar keine Studien mit Frauen?

Auch schon in der Vergangenheit wurden Frauen in Studien inkludiert. Allerdings nur in geringer Zahl. Ziel war es, die Variabilität der Studien zu erhöhen. Wenn Frauen an Studien teilnahmen, wurde der Faktor “Geschlecht” im Regelfall nicht separat beachtet. Auf spezifische Unterschiede bei Frauen und bei Männern wurde daher nicht eingegangen. Seit den 1990er Jahren nimmt die Anzahl von Frauen, die in Untersuchungen inkludiert werden, stetig zu. Der Fokus der Untersuchungen verschob sich langsam in Richtung Geschlechtsunterschiede. Frauengesundheitsforschung wurde zunehmend wichtiger. 

Schuppenflechte bei Frauen und bei Männern – welche Unterschiede gibt es?

Die Schuppenflechte ist eine Autoimmunerkrankung, die ca. 1-3% der Bevölkerung betrifft. Dabei schuppt sich die Haut zu schnell. Entzündungen, Juckreiz und gerötete Hautstellen sind die typischen Symptome. Untersuchungen zeigen bisher keinen Unterschied der Schuppenflechte zwischen Frauen und Männern. Die Erkrankung tritt bei beiden Geschlechtern gleich häufig auf. Ein Unterschied wurde allerdings bei Psoriasis-Arthritis festgestellt. Hier erkranken Männer merkbar häufiger als Frauen. Auch gibt es Unterschiede, wie die Psoriasis-Arthritis bei Frauen und Männern auftritt. So leiden Männer häufiger unter Schmerzen entlang der Wirbelsäule, während Frauen eher Schmerzen in den Gelenken von Händen und Füßen haben. 

Schuppenflechte bei Frauen und bei Männern – gibt es Unterschiede bei der Medikation?

Forscher konnten noch nicht nachweisen, ob es einen eindeutigen Unterschied bei der Behandlung von Schuppenflechte zwischen Frauen und Männern gibt. Einige Forschungsergebnisse der letzten Jahre geben aber erste Hinweise. 

  • Eine Studie untersuchte die Wirkung von Methotrexat bei Psoriasis-Arthritis und konnte keine eindeutigen Unterschiede in der Wirkung bei Frauen und Männern feststellen. 
  • Eine Studie konnte feststellen, dass TNF-Blocker (Biologika) bei Frauen tendenziell weniger wirkungsvoll sind als bei Männern. Die selbe Studie zeigte, dass Frauen auch stärker unter Nebenwirkungen leiden. Die Ursache hierfür ist noch nicht klar. Wahrscheinlich spielen die unterschiedlichen Hormone der Geschlechter hierbei eine Rolle.
  • Eine Untersuchung von Meta-Daten hat gezeigt, dass Männer häufiger mit Biologika behandelt werden als Frauen. 
  • Eine schwedische Studie zeigte, dass Männer häufiger zum Facharzt gehen, um ihre Schuppenflechte zu behandeln. Im Vergleich dazu greifen Frauen häufiger auf den Allgemeinmediziner und Selbstmedikation zurück. 

Unterschiede bei Schuppenflechte zwischen Frauen und bei Männern – was sagt die Wissenschaft?

Wie bereits erwähnt ist das Thema Schuppenflechte bei Frauen und bei Männern erst seit kurzem in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Daher gibt es noch wenig Studien, die sich ausdrücklich mit dem Thema „Unterschiede bei Schuppenflechte zwischen Frauen und Männern“ befassen. Bei den bereits durchgeführten Studien sind die Aussagen oft nicht eindeutig genug. Dennoch gibt es erste Hinweise darauf, dass sich Schuppenflechte bei Frauen und bei Männern unterschiedlich auswirkt, und dass das Geschlecht dabei eine Rolle spielt. 

  • Einige Untersuchen geben Hinweise darauf, dass die Schuppenflechte bei Frauen in früheren Lebensjahren einsetzt als bei Männern.
  • Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Schuppenflechte und Übergewicht. Menschen mit Psoriasis leiden häufiger an Übergewicht als Gesunde. Dabei scheint es auch einen Zusammenhang mit dem Geschlecht zu geben, denn Männer mit Schuppenflechte sind häufiger von Übergewicht und zusätzlichen Erkrankungen betroffen als weibliche Betroffene. 
  • Frauen mit Schuppenflechte leiden öfter am metabolischen Syndrom als Männer mit der gleichen Erkrankung. Unter dem metabolischen Syndrom werden verschiedene Krankheiten zusammengefasst, die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. 
  • In Bezug auf die psychologischen Auswirkungen der Schuppenflechte bei Frauen und bei Männern gibt es widersprüchliche Studienergebnisse. Einige Studien legen nahe, dass Männer psychologisch stärker unter der Erkrankung leiden, andere Ergebnisse sehen einen stärkeren Effekt bei Frauen. Männer scheinen aber stärker Stress in der Arbeitswelt zu empfinden, wenn sie an Schuppenflechte erkrankt sind.
  • Andere Untersuchungen legen nahe, dass Frauen häufiger Hilfsangebote wie eine Therapie oder psychologische Betreuung annehmen. Sie leiden aber meist auch stärker unter Scham, Ärger und Ängsten. Im Zusammenhang mit Psoriasis-Arthritis wurde festgestellt, dass Frauen häufiger arbeitsunfähig werden als Männer. Auch mental leiden Frauen stärker unter der eingeschränkten Lebensqualität.
  • Auch das soziale Netzwerk und Unterstützung durch Freunde und Familie bei Schuppenflechte zeigen Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Greifen Männer auf Unterstützung aus dem eigenen Umfeld zurück, so steigt die Akzeptanz der Krankheit. Greifen Frauen hingegen auf ihr soziales Netzwerk zurück, so sinkt bei Frauen die Häufigkeit von Depressionen und die Lebensqualität steigt. 

Was hilft, um Schuppenflechte bei Frauen und bei Männern zu behandeln?

Auch wenn es noch keine eindeutigen Ergebnisse gibt, so scheint es Unterschiede bei der Schuppenflechte zwischen den Geschlechtern zu geben. Was kannst du nun tun, um deine Schuppenflechte möglichst gut zu behandeln?

Unterschiedliche Symptome

Je nach Geschlecht können die Symptome der Schuppenflechte unterschiedlich ausfallen. Alleine schon anatomisch äußert sich die Schuppenflechte bei Frauen oft anders als bei Männern (zum Beispiel Schuppen unter und auf den Brüsten). Aber auch die Häufigkeit und Ausprägung der Symptome kann bei Männern und Frauen unterschiedlich sein. Daher ist es ein wichtiger Bestandteil der Therapie, den eigenen Körper zu kennen und auf seine Signale zu reagieren.

Individuelle Medikation

Auch bei der Behandlung mit Medikamenten solltest du auf deinen Körper hören. Spricht mit deinem Arzt, wenn du bemerkst, dass eine Dosierung zu stark ist oder zu schwach anschlägt. Die Herstellerempfehlungen sind genormt – und oft auf erwachsene Männer abgestimmt. Vertraue also deinem Körper, falls du das Gefühl hast, dass die Dosierung nicht stimmt. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass du einen Arzt findest, der auf deine Bedenken eingeht. Dann könnt ihr die Therapie individuell auf deinen Körper einstellen. 

Starke Unterstützung

Schuppenflechte kann auch psychisch sehr belastend sein. Daher ist es wichtig, dass du dir ein Netzwerk an Unterstützern aufbaust. Dies kann deine Familie, Freunde, aber auch ein Therapeut beziehungsweise eine Selbsthilfegruppe sein. Gerade Männer scheuen sich oft davor, sich Hilfe von außen zu holen. Doch diese Unterstützung spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Schuppenflechte. 

Keine eindeutigen Ergebnisse – aber vieles deutet auf Unterschiede bei Schuppenflechte zwischen Frauen und bei Männern hin

Auch wenn es erst wenige Studienergebnisse gibt, so deutet einiges darauf hin, dass es bei der Schuppenflechte Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Die Gendermedizin erlebt gerade einen Boom. In vielen Bereichen wird versucht, die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte aufzuholen und die Medizin auf die Unterschiede der Geschlechter abzustimmen. Es ist also zu erwarten, dass auch im Bereich Schuppenflechte neue Erkenntnisse die Behandlung verbessern und individueller auf den Körper abstimmen werden.

FAQ zu Schuppenflechte bei Frauen und Männern

Was ist Gendermedizin?

Gendermedizin berücksichtigt die geschlechterspezifischen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Dies spielt eine wichtige Rolle in der Diagnose, der Medikation und dem Heilungsprozess. Dieses Forschungsfeld ist relativ neu.

Gibt es einen Unterschied bei Schuppenflechte zwischen Frauen und Männern?

Auch wenn es noch keine eindeutigen Ergebnisse gibt, so scheint es gewisse Unterschiede bei der Schuppenflechte zwischen den Geschlechtern zu geben.

Worauf muss ich achten, wenn ich die Unterschiede bei Schuppenflechte zwischen Frauen und Männern berücksichtigen will?

Auf die Signale des Körpers zu hören, ist ein wichtiger Bestandteil der individuellen Behandlung. Ein Arzt, der hierfür offen ist, ist ebenfalls eine wichtige Stütze. So kann die Therapie individuell auf den Körper und die Symptome abgestimmt werden.

 

Hier klicken, dann findest du alle Quellenangaben

Gendermedizin: Warum Frauen eine andere Medizin brauchen: Mit Praxistipps zu Vorsorge und Diagnostik,Prof. Dr. med. Dr. h.c. Vera Regitz-Zagrosek, Dr. med. Stefanie Schmid-Altringer, Scorpio Verlag,2020

Gender Medizin: Geschlechtsspezifische Aspekte für die klinische Praxis,Anita Rieder, Brigitte Lohff, Springer Verlag, 2008

Gender-related differences in patients with psoriatic arthritis,Lihi Eder, Vinod Chandran, Dafna D Gladman, Centre for Prognosis Studies in the Rheumatic Diseases, Toronto Western Hospital, 2012, via https://www.openaccessjournals.com/articles/genderrelated-differences-in-patients-with-psoriatic-arthritis.pdf (Stand: August 2020)

Gender medicine and psoriasis, Delia Colombo, Nicoletta Cassano, Gilberto Bellia, Gino Antonio Vena, World Journal of Dermatology, 2014, https://www.researchgate.net/publication/265122956_Gender_medicine_and_psoriasis (Stand August 2020)