Die Spezialklinik unter der Leitung von Dr. John G. Ionescu ist anders. Hier werden laut dem Gründer nicht die Symptome der Psoriasis, sondern die Ursachen behandelt. Was das bedeutet, wird mir bei einem Rundgang durchs Haus und unserem anschließenden Gespräch schnell klar. Ein Besuch in Neukirchen.

Die Spezialklinik in Neukirchen

Der Weg zur Spezialklinik führt über die Bundesstraße. Eine Anreise ist nur mit dem Auto möglich, da die Klinik in Neukirchen direkt an der Grenze zu Tschechien im Süden Deutschlands gelegen ist. Je näher ich mich dem Ziel nähere, desto weiter entferne ich mich von Städten und dem Stress. Eigentlich kein schlechter Ort, um die Psoriasis in den Griff zu bekommen, so mein erster Gedanke.

Seit 1987 nimmt die Klinik Patienten mit Hauterkrankungen, wie Psoriasis, Neurodermitis, Allergien oder Umwelterkrankungen, auf. Der ganzheitliche Ansatz mit naturheilkundlichen Elementen basiert auf einer Analyse der Ursachen der jeweiligen Erkrankung.

Um in die Klinik aufgenommen zu werden, braucht es laut Herrn Dr. Ionescu eine ärztliche Einweisung ins Krankenhaus, welche z. B. dein Allgemeinarzt oder Dermatologe ausstellen kann. Ein Aufenthalt dauert dann in der Regel 24 bis 28 Tage und endet laut Aussage der Klinikleitung bei einem Großteil der Patienten mit einer Erscheinungsfreiheit.

Dr. John Ionescu (Gründer Spezialklink Neukirchen) mit Dr. Bernd Neidl (Gründer Farbenhaut) (von links nach rechts)

Das Besondere: Ursachenfindung bei Psoriasis

Die ersten Tage in der Klinik liegt der Fokus darauf, die verschiedenen Ursachen der Schuppenflechte ausfindig zu machen. Herr Dr. Ionescu zählt eine Reihe an Dingen auf, die Einfluss auf die Hauterkrankung nehmen können und überprüft werden sollten. Darunter fallen u.a.:

  • Genetische Veranlagung
  • Umwelteinflüsse und Schadstoffe, wie Nikotin, Pestizide, Holzschutzmittel, Schmuck oder Schwermetalle
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Zustand des Darms
  • Verhältnis Omega-3 und Omega-6
  • Abweichungen im Fett-, Purin- und Eiweißstoffwechsel
  • Leberfunktion (die Leber filtert im Normalfall toxische Stoffe im Körper)
  • Wiederkehrende Pilz- und bakterielle Infektionen, die evtl. mit Antibiotika behandelt wurden
  • Langfristige Einnahme verschiedener Medikamente, wie z.B. β-Blocker, Anti-Malaria-Mittel oder Lithium
  • Neurohormonelle Störungen (Hormone treten zu selten oder häufig auf)
  • Energiestoffwechsel mit Störung der ATP-Produktion in der Haut und den Blutzellen
  • Chemische oder physikalische Reizung der Haut
  • Konsum von Alkohol
  • Klimaeinflüsse, wie z.B. nasskalte Witterung
  • (psychosoziale) Lebensumstände und -stil

Ein Untergeschoss voller Labore und Instrumente

Die lange Liste an möglichen Auslösefaktoren zeigt, dass jede Psoriasis anders ist. Um die einzelnen Einflüsse untersuchen zu können, braucht es ein gut ausgestattetes Labor. Dies verbirgt sich in der Spezialklink Neukirchen im Untergeschoss. Herr Dr. Ionescu führt mich durch die einzelnen Räume und erzählt, dass die Labor-Ausstattung im Haus besser als in vielen Universitätskliniken ist.

Sind die Untersuchungen standardmäßig durchlaufen und die Werte im Labor ausgewertet, wird darauf aufbauend ein individueller Therapieplan erstellt. Dieser ist laut Klinik genau auf dich, deinen Körper und deine Bedürfnisse abgestimmt. Auch diätische Maßnahmen werden eingeleitet und dein Speiseplan auf deine Krankheit zugeschnitten.

Nach vier Wochen ändert sich vieles, auch ohne Kortison

Weiter auf der Station treffen wir verschiedene Patienten, die sich gerade eincremen oder deren Haut durch Verbände geschützt ist. Letzteres soll die Haut schützen, vor dem Kratzen bewahren und der Haut Zeit geben, sich zu regenerieren. Bei der Behandlung der Psoriasis wird dabei bewusst auf den Einsatz von Kortison verzichtet. „Kortison ist zur kurzfristigen Behandlung der Symptome, aber nicht der Ursachen, geeignet“, so Dr. Ionescu.

Während des Aufenthalts werden die Labor-Werte mehrfach überprüft und Therapie- und Diätmaßnahmen angepasst. Zusätzlich werden psychologische Gespräche durchgeführt, um psychosoziale Einflussfaktoren ausfindig zu machen. Auch Entspannungstechniken, wie beispielsweise autogenes Training oder Yoga, können vor Ort erlernt werden.

Ein ebenfalls wichtiger Faktor ist, dass dein eigener Speiseplan während des Aufenthalts angepasst wird. Hier gilt es, auf Nahrungsmittel zu verzichten, die allergische oder pseudoallergische Reaktionen auslösen können. Dazu zählen z.B. Lebensmittel wie Schweinefleisch, Innereien oder Spargel, die zu einem Ansteigen der Harnsäure- und Blutfettwerte beitragen können. Auch Zucker, Mehlprodukte, Alkohol Kaffee, Konservierungsstoffe und Gewürze wie Pfeffer, Chili oder Paprika sollten laut Herrn Dr. Ionescu gemieden werden.

Die Monate nach der Entlassung sind entscheidend

Ist der Aufenthalt dann nach 24 bis 28 Tagen vorbei, gilt es, die Erfahrungen mit in den Alltag zu integrieren. „Nach der Entlassung beginnt die sechs bis acht-monatige Nachbehandlungsphase. Zwar verlassen die meisten Patienten die Klinik erscheinungsfrei, jedoch ist die Zeit danach entscheidend“, erzählt Herr Dr. Ionescu.

Dabei spielt auch ein enger Kontakt mit dem behandelnden Hautarzt eine wichtige Rolle. In der Zeit nach der Entlassung werden im Regelfall weitere Kontrolluntersuchungen durchgeführt, um die Behandlung fortlaufend auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abzustimmen. In dieser Zeit wird die Therapie zudem schrittweise abgebaut, um das Ergebnis dauerhaft halten zu können.

Unser Fazit von der Spezialklinik Neukirchen

Nach etwa drei Stunden verlasse ich die Klinik wieder. Ich habe bereits in den ersten Minuten gemerkt, dass Herr Dr. Ionescu mit Leib und Seele Wissenschaftler ist und 100 Prozent hinter der von ihm gegründeten Klinik steht. Der Ansatz, die Ursachen der Psoriasis zu erkunden und so individuelle Therapie- und Diätmaßnahmen abzuleiten, ist zwar kein neuer, aber an wenigen Orten wird er wohl so konsequent verfolgt wie in Neukirchen. Das Labor, welches eindrücklich das halbe Untergeschoss belegt, ist die Grundlage hierfür.

Ich begebe mich wieder auf die Bundesstraße und mache mich auf den Heimweg. Bei Nacht und Regen fühlt sich der Weg noch länger an, als er ohnehin schon ist. Für mich hat sich der Tag aber auf alle Fälle gelohnt, da ich eine interessante Klinik mit spannendem Behandlungsmöglichkeiten kennengelernt habe. Gerade die verschiedenen Ursachen und die Komplexität des Krankheitsbildes Schuppenflechte sehe ich jetzt nochmals in einem anderen Licht.

Aus der Praxis: Wie Marleen ihren Aufenthalt in der Spezialklinik erlebt hat

Bereits vor zwei Jahren hatte uns Marleen im Interview von der Spezialklinik Neukirchen berichtet.  Was sie erlebt hat und ob sie die Klinik empfiehlt, findest du im Interview. Dieses kannst du hier nachlesen.

FAQ zur Spezialklinik Neukirchen

Welche Krankheiten werden in der Spezialklinik Neukirchen behandelt?

Die Spezialklinik Neukirchen ist auf schwerwiegende Hauterkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Akne und Umweltkrankheiten spezialisiert.

Zu den Hauterkrankungen, die behandelt werden, zählen Psoriasis (Schuppenflechte), Neurodermitis, Ekzeme oder Akne. Außerdem werden Autoimmunerkrankungen, wie Hashimoto Thyreoiditis, rheumatische Arthritis, Lupus oder Sklerodermie schwerpunktmäßig behandelt. Umwelterkrankungen, wie das multiples Chemikalienempfindlichkeits-Syndrom, die Fibromyalgie oder das chronische Müdigkeitssyndrom schließen das Behandlungsspektrum ab.

Ist die Spezialklinik Neukirchen bei Psoriasis zu empfehlen?

Grundsätzlich liegt einer der Schwerpunkte der Klinik im Bereich Schuppenflechte.

Kann auch Psoriasis Arthritis in der Spezialklinik Neukirchen behandelt werden?

Eine Gelenkbeteiligung bei Psoriasis kann in der Akutklinik ebenfalls therapiert werden. Laut Aussagen der Ärzte vor Ort ist die Ursachenfindung auch hier der entscheidende Schritt in der Behandlung.

Was unterscheidet die Spezialklinik Neukirchen von anderen Kliniken?

Der Schwerpunkt liegt bei der Findung der Krankheitsursache und nicht der Behandlung der Symptome. Aufbauend auf vielfältige Laborergebnisse werden individuelle Therapie- und Diätpläne erstellt. Zudem wird auf Kortison, Biologikas oder Bestrahlungstherapien verzichtet.

Führt die Behandlung in der Spezialklinik Neukirchen zu einer Beschwerdefreiheit?

Laut Statistik der Klinik verlässt ein Großteil der Psoriasis-Patienten die Akuteinrichtung nach 24 bis 28 Tagen Aufenthalt beschwerdefrei. Eine Studie vom Deutschen Psoriasis Bund aus dem Jahr 1990 kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass 80 Prozent aller behandelten Patienten dauerhaft mit der Behandlung zufrieden sind.

Wie funktioniert die Einweisung in die Spezialklinik Neukirchen?

Um in der Klinik aufgenommen zu werden, benötigst du eine ärztliche Einweisung in ein Krankenhaus, da Neukirchen als Akutklinik den Status eines Krankenhauses hat. Diese Einweisung kann ein beliebiger Arzt ausstellen.

 

Hier klicken, dann findest du alle Quellenangaben

Quellen:

Böckelmann F. (1990): Die Psoriasis-Therapie der Spezialklinik Neukirchen, in: PSO-Magazin 2, 26-32.

Ionescu G., Kiehl R., Peters G., Peters V., Ona L., Müller-Steinwachs J. (1991): Psoriasis vulgaris – Die Notwendigkeit einer umfassenden psychosomatischen Behandlung, in: Der informierte Arzt/Gazette Medicale (Basel) 17, 1665- 1668.

Ionescu J. G., Schüle D. (2005): Integrative Psoriasistherapie unter Berücksichtigung der Provokationsfaktoren, in: derm – Praktische Dermatologie, 1, 59-64.

Ionescu J.G. (2012): Zur Behandlung chronischer Hauterkrankungen mit Hilfe eines diätetischen Lebensmittels mit Stutenmilch-Peptide, in: Der Mediziner/Facharzt Dermatologie, 4, 14-18.

Ionescu G. (2014): Psoriasis – Ursachenforschung und neue Therapieansätze, in: Facharzt Dermatologie, 1.

Jaskolski, M. (2016): Einfluss von bekannten Provokationsfaktoren der Psoriasis auf die Expression und Sekretion von Interleukin-18 in primären humanen Keratinozyten, über: https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dissertation_derivate_00008249/Dissertation_Michael_Jaskolski_2018_Druckversion.pdf (abgerufen am 24.02.2020).

Kiehl R., Ionescu G. (1992): A defective purinnucleotide Synthesis pathway in psoriasis patients, in: Acta Derm Venereol (Stockh) 72, 253-255.