Fröhlich, redegewandt und hübsch, das sind wohl die ersten Worte, die einem in den Sinn kommen, wenn man Anna das erste Mal trifft. Die angehende Gesundheitspsychologin plaudert entspannt über ihre Hobbys, die anstehende Bachelorarbeit und ihren Plänen für die Zukunft. Sie will mehr reisen, Sport ist ihr wichtig und auch im Beruf möchte sie vorankommen. Aber es gibt auch noch ein anderes Thema, über das Anna gerne sprechen möchte. Und das ist ihre Schuppenflechte. Weil die Welt wissen soll, was diese Hauterkrankung genau bedeutet und Betroffene, dass sie nicht alleine sind. 

Das ist Anna

Anna lebt in Köln. Sie lebt gerne hier. “Hier ist immer etwas los und die Leute sind super entspannt und offen”, erzählt sie. “Die Stadt hat einfach Flair! Das gefällt mir!”, ergänzt sie noch. Aber es ziehe sie auch regelmäßig in die Ferne. Reisen ist ihre große Leidenschaft. Egal ob Australien, Russland oder Norwegen; Anna war schon in einigen Ecken der Welt unterwegs. Sie will noch viel sehen und ihre Augen beginnen zu strahlen, als sie von ihren Traumzielen spricht. “Kanada will ich auf jeden Fall mal bereisen und nach Neuseeland möchte ich auch unbedingt!” erzählt sie. Wer sie reden hört, merkt sofort, da sitzt eine zielstrebige und aufgeweckte Frau, die genau weiß, was sie vom Leben will. So ist es fast logisch, dass sie neben der Arbeit noch studiert. Als Ausgleich zu Arbeit und Studium macht Anna viel Sport. Vor allem Tennis hat es ihr angetan. Seit ihrer Kindheit ist sie begeisterte Spielerin. Auch die Kurse im Fitnessstudio sind ein super Ausgleich nach einem langen Arbeitstag. “Sport ist einfach eines meiner größten Hobbys”, meint sie lachend. 

All diese Aktivitäten sind aber nicht selbstverständlich. Denn Anna hat Schuppenflechte. Und auch wenn sie inzwischen gelernt hat, gut damit umzugehen, so war das nicht immer so.

Die Entdeckung

Annas Schuppenflechte begann ganz klassisch. “In der Pubertät habe ich bemerkt, dass ich Flecken und Punkte auf der Haut bekomme. Ich habe nicht gewusst, was das ist, aber meine Mama wusste sofort Bescheid. Mein Papa hat auch Schuppenflechte und ihr war sofort klar, dass ich die Krankheit von ihm geerbt habe.” erzählt sie. Anfangs war die Schuppenflechte auch kein großes Thema. Die Psoriasis zeigte sich vor allem auf der Kopfhaut und nur vereinzelt am Körper. Nichts, was Anna merkbar eingeschränkt hätte. Sie ignoriert die Schuppenflechte so gut es geht und genießt ihr Leben.

Doch mit den Jahren nehmen die Symptome zu. Immer mehr Stellen sind betroffen und auch der Juckreiz wird stärker. Mit Anfang 20 beschließt sie, dass sie sich behandeln lassen will.

Die erste Therapie

Auf Anraten der Mutter hin, geht Anna zum Arzt. Und der macht keine halben Sachen. Eine systematische Therapie mit Fumarsäure​ begleitet von einer Eigenbluttherapie sollen Anna helfen. Anna schluckt Tabletten, ihr wird Blut abgenommen und anschließend wieder in die Hüfte injiziert. “Eigentlich total krass, dass der Arzt direkt mit so einer heftigen Therapie gestartet ist. Meine Schuppenflechte war zu dieser Zeit noch gar nicht so schlimm. Vielleicht hätten wir es anfangs auch einfach mal mit Cremes versuchen können. Aber das wusste ich alles damals noch nicht.”. Anna wirkt nachdenklich, wenn sie davon erzählt.  Die Therapie schlägt an. Vor allem Fumarsäure bringt gute Ergebnisse. Trotzdem hinterlässt diese Zeit tiefe Eindrücke. Anna erzählt, dass ihr während der Therapie zum ersten Mal richtig bewusst wurde, dass sie Schuppenflechte hat und was das für sie bedeutet. “Davor habe ich mich nicht so viel damit auseinandergesetzt. Aber dann wurde mir klar, das muss ich behandeln”. 

Anna beginnt sich über Psoriasis zu informieren. Setzt sich mit Behandlungsmethoden auseinander und erforscht, was ihr und ihrem Körper guttut. Sie experimentiert mit ihrer Ernährung und liest viel zum Thema. Sie wird aufmerksamer, was ihren Körper angeht. Es gibt gute Phasen – und dann die Phasen, in der die Schuppenflechte täglich präsent ist. 

Über die nicht so guten Phasen

Vor allem im Herbst kommt es zu Schüben. Die Schuppenflechte breitet sich girlandenförmig über den Körper aus. “Das beeinflusst mich schon sehr. Manchmal sind die Schübe richtig schlimm. Das geht auf das Selbstbewusstsein und die Psyche. Ich gehe dann ungern aus dem Haus, achte darauf, dass ich keine dunklen Klamotten anziehe, damit man die Schuppen nicht sieht.” Die sonst so fröhliche Anna wird still, wenn sie von ihren schweren Phasen erzählt.

Zum Glück hat Anna inzwischen gut gelernt, mit den schwierigen Phasen der Erkrankung umzugehen. Vor allem sich selbst zu überwinden und rauszugehen, die Krankheit nicht so schwer zu nehme, hilft ihr sehr. Und Anna will ein Zeichen setzen. Sie findet es wichtig, offen mit ihrer Schuppenflechte umzugehen und ein normales Leben zu führen, auch wenn die Haut gerade andere Pläne hat.

Neues Selbstbewusstsein

Mit der Zeit hat Anna gelernt, mit der Schuppenflechte zu leben. Weniger über die Schuppenflechte nachdenken, Dinge einfach trotzdem machen und die Blicke der Leute ignorieren, sind ihre Mittel, um ein möglichst unbeschwertes Leben zu führen. 

Auch Social Media hilft ihr dabei. “Es tut total gut, wenn man sieht, dass man nicht alleine ist. Mich inspiriert es total, wenn ich andere Betroffene aus der ganzen Welt sehe, die selbstbewusst mit ihrer Schuppenflechte umgehen und das auch ohne Filter oder Photoshop zeigen!”. Inzwischen postet Anna selbst auch ganz offen über ihre Hautkrankheit. Die positiven Rückmeldungen bestärken sie, weiterzumachen. 

Mit ihren langen haselnussbraunen Haaren ist Anna ohnehin kaum zu übersehen. Manchmal ist auch die Schuppenflechte sichtbar. Anna erwähnt die Blicke von Fremden, die manchmal echt anstrengend sind. Aber auch, dass sie sich inzwischen nicht mehr so viele Gedanken darüber macht. “Weil Menschen sowieso immer was zum Gucken brauchen!”, meint sie lachend. 

Was Anna hilft 

Eine der wichtigsten Stützen sind die Menschen in Annas leben. Egal ob ihr Freund, ihre Mutter oder der Freundeskreis: alle wissen über Annas Schuppenflechte Bescheid. “Vor allem meine Mama ist eine große Hilfe. Sie ist immer für mich da, wenn ich mit jemandem reden will. Auch mein Freund unterstützt mich sehr. Den darf ich auch mal vollheulen, wenn es ganz schlimm ist. Ich hab da echt Glück mit meinem Umfeld. Die haben alle immer ein offenes Ohr für mich.” Es ist klar zu hören, wie dankbar Anna über ihr Netzwerk ist. Sie redet offen über ihre Erkrankung – und genießt die Momente, in denen die Psoriasis kein Thema ist. 

Anna ist fest davon überzeugt, dass die Psyche eine wichtige Rolle bei Psoriasis spielt. Wer sie trifft, erkennt sofort, dass sie ein fröhlicher Mensch ist. Trotz der Krankheit konzentriert sie sich auf die schönen Momente im Leben und beweist jeden Tag aufs Neue, dass sie sich nicht von der Schuppenflechte unterkriegen lässt. Um ihre Haut dabei zu unterstützen hat sich die Wahlkölnerin inzwischen eine Pflegeroutine zurechtgelegt. 

Sonne, Meer und Licht – und eine Standardcreme

Im Moment ist Anna nicht in ärztlicher Behandlung, sondern vertraut vor allem auf ihre eigene Heilmethode. Bei der täglichen Pflege verzichtet sie auf teure Spezialprodukte und verwendet Körperlotion und Shampoo von Alterra. Auch ein UV-Kamm hat ihrer Kopfhaut gutgetan. Doch das einzige, was wirklich hilft, sind Sonne und Salzwasser. “Im trockenen, heißen Klima heilt meine Schuppenflechte komplett ab. Vor allem Urlaub in Ägypten ist super. Daher versuche ich regelmäßig auf Urlaub zu fliegen. Das tut meiner Haut einfach total gut und sie ist auch Wochen danach noch ohne Schuppen.” 

Doch jede Reise geht irgendwann zu Ende und nach einiger Zeit lässt der Effekt von Sonne und Salzwasser nach. Daher hat Anna überlegt, wie sie die positive Wirkung ihrer Urlaube verlängern kann. Bei der Suche nach einer Heilmethode stieß sie dabei auf ein Solarium. Dies war allerdings kein normales Solarium, sondern ein echter Glücksgriff.

Annas Geheimwaffen

Beim Besuch im Solarium empfahl die Mitarbeiterin Anna ein sogenanntes Collarium auszuprobieren. Ein Collarium arbeitet nicht nur mit UV-Strahlung, sondern mit Licht in unterschiedlichen Wellenlängen. Daher eignet es sich besonders gut für die Behandlung von Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Schuppenflechte. “Anfangs dachte ich mir, dass das sicher nichts bringt. Aber nach nur wenigen Anwendungen hab ich bemerkt, dass meine Haut super auf das Collarium anspricht. Gerade im Winter versuche ich regelmäßig ins Collarium zu gehen, weil mir die Behandlung einfach total guttut.”

Ein gesunder Lebensstil als Basis für gesunde Haut. 

Um ihre Schuppenflechte möglichst gut unter Kontrolle zu behalten achtet Anna auf einen möglichst gesunden Lebensstil. Vor allem die Ernährung spielt dabei eine große Rolle. Sie isst keine Fertigprodukte und meidet Weißmehl, dafür aber viel Fisch und Gemüse. Der Verzicht auf Gluten hat Anna nichts gebracht, den Zucker wegzulassen aber schon. “Als ich eine Weile ausnahmslos auf Zucker verzichtet habe, ist mein Juckreiz komplett verschwunden. Das war schon toll! Aber es ist echt schwierig, den Zucker total wegzulassen, weil einfach überall Zucker drinnen ist. Und ein bisschen Lebensqualität will ich mir auch erlauben.”, meint sie schmunzelnd, als sie sich als Naschkatze outet. 

Wenn Anna über ihre Schuppenflechte spricht, wird klar, wie sehr sie sich in den letzten Jahren mit dem Thema auseinandergesetzt hat und wie wichtig es ihr ist, für Aufklärung zu sorgen. Sie wünscht sich vor allem, dass mehr Menschen über Schuppenflechte Bescheid wissen. Das bekannter wird, Psoriasis weder ansteckend, noch eklig ist. Aber auch im Gesundheitswesen sieht sie Verbesserungsbedarf.

Es muss sich einiges ändern

Auf die Frage hin, ob Anna gerade in ärztlicher Behandlung ist, erzählt sie, dass sie schon seit Wochen auf Ärztesuche ist. Ärzte, die sich auf Psoriasis spezialisiert haben, sind auf Monate hin ausgebucht und ein normaler Hautarzt kommt für die Wahlkölnerin nicht infrage. “Ich suche jemanden, der sich mit dem Thema auskennt. Ich möchte keinen Arzt, der sich die Haut nur oberflächlich anschaut und dann direkt Cortison oder andere starke Medikamente wie Biologika verordnet.” Ihre Erfahrung mit Ärzten in der Vergangenheit hat sie geprägt. Sie wünscht sich, dass Ärzte erkennen, dass Psoriasis eine unheilbare Krankheit ist, die man nicht nur oberflächlich, sondern ganzheitlich behandeln muss. “Man muss auch den Ursachen auf den Grund gehen und nicht nur kurzfristig die Schmerzen lindern.” ergänzt sie.

Und auch für Schuppenflechte-Betroffene wünscht sie sich eine Veränderung. Anna ist es ein Anliegen, dass sich Betroffene stärker austauschen. Im Moment fehlen ihr dafür aber noch die Gelegenheiten. Selbsthilfegruppen wirken sehr seriös und formal auf sie und auf Social Media willkürlich andere Betroffene anzuschreiben möchte sie nicht. Einen lockeren Austausch fände sie super. “Die Welt soll wissen, dass man sich austauschen muss. Es ist super wichtig, dass wir Betroffene miteinander reden. Schuppenflechte ist nicht heilbar, aber man kann viel daraus machen. Ich hoffe auch, dass meine Geschichte hier auf Farbenhaut dazu beträgt, anderen Mut zu machen, offen und positiv mit ihrer Schuppenflechte umzugehen.” schließt sie das Gespräch ab. 

Annas Top 3 Tipps

Tipp 1: Achte auf dich

Schuppenflechte ist eine ganzheitliche Erkrankung. Je mehr du auf eine gesunde Lebensweise achtest, desto besser bekommst du sie in Griff. Eine gesunde Ernährung, wenig Stress und ein Umfeld, das dich in schweren Phasen auffängt sind extrem wichtig. 

Tipp 2: Rede darüber

Du bist mit deiner Schuppenflechte nicht alleine. Hol dir Hilfe, wenn es dir schlecht geht. Wende dich an deine Familie, Freunde oder andere Betroffene, damit sie dir zuhören und dich unterstützen können, wenn die Haut wieder mal verrücktspielt. 

Tipp 3: Probier viele aus

Es kann eine ganze Weile dauern, bis du herausgefunden hast, was dir wirklich hilft. Daher lohnt es sich, unterschiedliche Sachen auszuprobieren. Das können Medikamente, Cremes und Shampoos sein, aber auch verschiedene Ernährungsformen und Lebensweisen. Das ist zum Teil ein langer Prozess, aber irgendwann weiß man dann, was einem guttut

 

Vielen Dank für das Gespräch Anna!
Wer Anna gerne auf Instagram folgen will, kann dies hier tun: https://www.instagram.com/psoriasisworld/
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Alle Bilder wurden von Anna zur Verfügung gestellt.