Psoriasis inversa (auch Psoriasis intertriginosa genannt) ist eine seltene Form der Schuppenflechte, die hauptsächlich in Hautfalten und Körperbeugen auftritt. Überwiegend betroffen sind Achselhöhlen, Kniekehlen, Leiste, Genitalbereich oder Gesäßfalte. Die Erkrankung ist entzündlich, meist chronisch und nicht ansteckend.

Psoriasis inversa – die „umgedrehte“ Form der Schuppenflechte. Beim klassischen Krankheitsbild der Schuppenflechte sind beispielsweise die äußeren Seiten der Ellenbogen und des Knies betroffen. Die Psoriasis intertriginosa zeigt sich dagegen an den innenliegenden Beugeflächen.

Die typische Schuppenbildung (Plaques) bleibt weitestgehend aufgrund der vorherrschenden Wärme, Feuchtigkeit und Reibung in den Hautfalten aus. 

Die entzündeten Hautstellen nässen häufig, werden wund und es bilden sich Risse auf der Hautoberfläche. Das stellt ein zusätzliches Risiko für Infektionen mit Hefepilzen oder Corynebakterien dar.  

Häufigkeit & Ursachen von Psoriasis inversa 

Psoriasis inversa ist eine seltene und schwer behandelbare Form der Schuppenflechte. Bis dato liegen kaum wissenschaftlich gesicherte Daten zu dieser Erkrankung vor. In der Regel tritt die Schuppenflechte in Hautfalten erstmals im mittleren Lebensalter auf. Kinder zählen kaum zum Kreis der Betroffenen. 

Die Ursachen sind ebenfalls nicht restlos geklärt. Wissenschaftler und Mediziner verweisen auf die Erkenntnisse der Ursachenforschung der Psoriasis vulgaris. Demnach können erbliche Veranlagung sowie Faktoren wie physische und psychische Belastung die Erkrankung der Haut ausbrechen lassen. 

Symptome der Psoriasis inversa 

Hell- bis dunkelrote, weiche Hautveränderungen, die aufgrund der Feuchtigkeit in den Hautfalten keine Schuppen bilden, zählen zu den häufigsten Symptomen. Entzündete Stellen jucken, nässen, schmerzen und können wund werden. Weitere Symptome sind schmerzhafte Einrisse an der Hautoberfläche. 

Patienten mit Übergewicht leiden häufig unter den Erscheinungen der Psoriasis intertriginosa in der Bauchfalte. Bei Frauen tritt sie vermehrt unter den Brüsten auf. Nicht selten kommen Pilzinfektionen hinzu. 

Wie der Name Psoriasis intertriginosa schon sagt, sind intertriginöse Bereiche des Körpers betroffen, d. h. Hautflächen, die dicht benachbart und/oder direkt gegenüberliegend sind und ständig miteinander in Berührung kommen. Dazu gehören: 

  • Achselhöhlen,
  • Ellenbeugen,
  • Kniekehlen,
  • Leistenbeugen (Genitalbereich),
  • Gefäßfalte,
  • Brustfalte und
  • Bauchfalte. 

Diagnose der Schuppenflechte in Hautfalten 

Selbst für einen Facharzt ist die Diagnose der Psoriasis inversa nicht leicht. Die typische Schuppenbildung entfällt meist vollständig, da bei dieser Form der Schuppenflechte Haut direkt auf Haut liegt und permanente Reibung, Feuchtigkeit und Wärme vorherrscht. 

Die Verwechslungsgefahr mit einer Pilzerkrankung oder anderen Formen von Ekzemen ist groß. 

Dein Hautarzt wird eine ausführliche Anamnese durchführen, Vorerkrankungen sowie die Liste von regelmäßig eingenommenen Medikamenten prüfen müssen.             

Tabuzone: Intimbereich 

Besonders stark leiden Patienten, wenn der Intimbereich betroffen ist. Bei den ersten Anzeichen einer Entzündung im Genital- oder Analbereich, wie Juckreiz oder gerötete Hautstellen, hält Scham viele Betroffene davon ab, sofort einen Arzt aufzusuchen. Dabei ist eine vom Arzt gestellte Diagnose der Grundstein für den Heilungsprozess.

Oftmals verschwiegen – und doch nicht so selten: Studien und Umfragen zufolge leiden bis zu 70 Prozent der Patienten von Psoriasis inversa an Beschwerden im Genitalbereich. 

Betroffene Stellen bei Frauen: 

  • Leiste
  • Schamhügel
  • Vulva
  • Schamlippen  

Betroffene Stellen bei Männern:

  • Eichel
  • Peniswurzel
  • Hodensack 

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist häufig zudem die Haut am und um den After herum betroffen. 

Die Erkrankung schwächt das sexuelle Selbstbewusstsein der Betroffenen und hat somit häufig negative Auswirkungen auf die intime Beziehung zu anderen Menschen.

Behandlung der Psoriasis inversa

Die Behandlung einer Psoriasis inversa gestaltet sich oftmals kompliziert. Die vorherrschende Feuchtigkeit, Wärme und Reibung erschweren die Therapie der Schuppenflechte in Hautfalten. Enge Kleidung und stark fettende Salben und Cremes wirken kontraproduktiv und verschlimmern häufig die Beschwerden der Patienten.

Es gibt eine Reihe von Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten, die zu einer Verbesserung der Symptome und Beschwerden führen. Je nach Krankheitsbild und Ausprägung solltest du immer Rücksprache mit deinem Hautarzt halten.

Farblösungen und Pasten

Zinkpasten und spezielle Farblösungen werden besonders bei nässenden Entzündungen empfohlen. Sie trocknen die entzündeten Stellen aus und wirken antiseptisch gegen Pilze und Bakterien. 

Cremes und Lotionen

Ärzte verschreiben Cremes und Lotionen mit topischen Immunmodulatoren (TIM) häufig bei Neurodermitis. Sie wirken effektiv gegen Juckreiz, Entzündungen und Rötung und eignen sich aus diesem Grund auch zur äußeren Behandlung von Psoriasis inversa. 

Kortison

Kortison stellt bei Schuppenflechte in Hautfalten eine mögliche Therapie dar, darf aber nur schwach dosiert angewandt werden. Besonders bei Psoriasis inversa im Genitalbereich ist Vorsicht geboten. 

Bäder und Umschläge 

Kamille, Ringelblume, Salz und Schwarztee wirken entzündungshemmend und lindern häufig die Beschwerden. Bäder, Sitzbäder und kalte Umschläge auf Basis dieser Pflanzenextrakte sind daher empfehlenswert als begleitende Therapie bei Psoriasis inversa. 

Systemtherapie 

Zeigen die aufgeführten Behandlungsmaßnahmen keinen ausreichenden Erfolg, geht man zu einer streng ärztlich kontrollierten Systemtherapie zur Behandlung der Psoriasis inversa über. Hier kommt je nach Ausprägung und Art der Schuppenflechte entweder eine klassische Systemtherapie oder eine Therapie mit Biologika infrage.

Der Arzt verabreicht die Medikamente in Form von Spritzen, Infusionen oder Tabletten. Systemische Therapeutika sind beispielsweise: 

  • Fumarsäure (FSE),
  • Methotrexat (MTX),
  • Ciclosporin A (CsA) und
  • Acitretin (Retinoid).

Tipps für Betroffene der Psoriasis inversa

Weite Kleidung

Enganliegende Unterwäsche sowie Jeans erschweren durch permanente Reibung den Heilungsprozess von Schuppenflechte in Hautfalten. Betroffene sollten unbedingt auf bequeme, weite und atmungsaktive Stoffe und Kleidung achten.

Intimpflege 

Bei Psoriasis inversa im Genitalbereich ist eine gewissenhafte Intimpflege mit gut abgestimmten Waschlotionen wichtig, soll jedoch nicht übertrieben werden. Eine Intimrasur reizt die entzündete Haut und führt häufig zu einer Verschlechterung der Symptome. 

Aloe Vera 

Aloe Vera ist wirksam bei der Bekämpfung von Entzündungen. Es versorgt die Haut gut mit Feuchtigkeit. Außerdem legt sich das Aloe Vera Gel wie eine Schutzschicht auf entzündete und gerissene Stellen der Hautoberfläche und unterstützt den Heilungsprozess.

Vitamin D

Wissenschaftliche Studien belegten mehrfach, dass Vitamin D sich gut bei der Behandlung von Schuppenflechte auswirkt. Vitamin D wird dabei vom menschlichen Körper durch Sonneneinstrahlung, Nahrung oder durch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen.

Vermeidung von Stress

Stress gilt als ein bekannter Auslöser für sämtliche Formen der Schuppenflechte. Ein Teufelskreis, wenn man bedenkt, dass die Psoriasis selbst bei den Betroffenen oft zu einem erhöhten Stressniveau führt. Suche daher gezielt nach Wegen, um den Stress abzubauen oder besser noch direkt zu vermeiden. Diverse Arten der Meditation und Bewegung an der frischen Luft sind dafür hervorragend geeignet.

Fazit: Seltene und komplizierte Form der Schuppenflechte

Schuppenflechte in den Hautfalten ist eine der selteneren Formen der Psoriasis. Die entzündeten Stellen bei Patienten mit Psoriasis inversa sind nicht auf den ersten Blick erkennbar und ziehen daher weniger neugierige Blicke von Mitmenschen auf sich. Der Leidensdruck, sowohl psychisch als auch physisch, wird aber oftmals stark unterschätzt.

Besonders die Schuppenflechte in Hautfalten im Genital- und Analbereich hat einen ständigen Begleiter: die Scham. Nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auch der Gang zum Arzt ist für die Betroffenen oftmals eine Herausforderung.

Psoriasis inversa ist eine Krankheit – und kein Tabuthema. Der Austausch mit anderen Betroffenen gibt Patienten häufig etwas ganz Wichtiges: Mut. Mut, um das Schweigen zu brechen und sich seinem Partner und seinem Arzt anzuvertrauen.

Bist du selbst ebenfalls von Psoriasis inversa betroffen? In unserer Facebook-Gruppe existieren keine Tabuthemen, also schau doch einfach vorbei. Wir freuen uns auf dich!

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Quellen: 

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